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Never Stop Fighting

Die Heidelberger Medizin-Studentin Lisa Hirschfelder ist eine der weltbesten Quadrathletinnen

Lisa Hirschfelder

Foto: privat

Lisa Hirschfelder in Aktion: Neben Schwimmen, Radfahren und Laufen gehört auch das Kajakfahren zum anstrengenden Programm des Quadrathlon.

Zweifache Deutsche Meisterin, Europameisterin, zweifache World-Cup-Siegerin sowie Vize-Weltmeisterin – Lisa Hirschfelder hat fast alle großen Titel im Quadrathlon gewonnen. Einzig der Weltmeistertitel fehlt ihr noch in der Bilanz. Als Quadrathletin misst sie sich mit anderen Sportlern in einem Vierkampf, bestehend aus Schwimmen, Radfahren, Kajakfahren und Laufen. Doch damit nicht genug: Neben Training und Wettkämpfen studiert die 23-Jährige an der Uni Heidelberg Medizin sowie Sport und Psychologie auf Bachelor. Beide Studiengänge wird sie im kommenden Jahr in Regelstudienzeit abschließen.

»Die vordere Hand höher, sodass das Paddel senkrecht einsticht«, ruft mir Lisa Hirschfelder zum wiederholten Mal aus ihrem Rennkajak zu. Technik-Finessen schön und gut – ich bin schon glücklich, wenn ich heute nicht im Neckar lande. »Das ist ein Wassersport, da kann man auch mal nass werden«, lautet der lakonische Kommentar der Sportlerin zu meinen Befürchtungen. Das erste Mal sitze ich heute in dem kippeligen Gefährt, bereits nach hundert Metern spüre ich das erste Ziehen in meinen Schultern. Neben mir paddelt Lisa locker und sichtlich ohne Mühen, ab und zu muss sie abbremsen, um sich meinem Tempo anzupassen.

 

»Ich kriege schon die Krise, wenn ich eine Stunde in der Sonne liegen soll. Relaxen macht mich ganz kribbelig«

 

Jeden Tag trainiert die Heidelberger Studentin, auf insgesamt dreißig Stunden kommt sie pro Woche. Die erste Einheit absolviert Lisa Hirschfelder gleich morgens nach dem Frühstück. Um sechs Uhr klingelt der Wecker, wenig später sitzt sie auf dem Rennrad, läuft, paddelt oder schwimmt – ganz egal, ob es Minusgrade hat, regnet, schneit oder unsäglich heiß ist. »Als Schönwettersportler hast du im Quadrathlon nichts verloren«, so Lisa. Auch heute lädt das Wetter eher dazu ein, auf der Couch zu sitzen als in einer wackeligen Nussschale auf dem Neckar. Den Vormittag über hat es immer wieder heftig geregnet, der Königstuhl versteckt sich hinter einem dichten Wolkenvorhang. Für die Athletin aber kein Grund, zu Hause zu bleiben – im Gegenteil: Die Vorstellung, keinen Sport treiben zu können, ist für sie die Höchststrafe. »Ich kriege schon die Krise, wenn ich eine Stunde in der Sonne liegen soll«, gesteht sie. »Relaxen macht mich ganz kribbelig.«

Hirschfelder
Lisa Hirschfelder

Nicht viele Athleten in Deutschland haben sich dem anspruchsvollen Vierkampf verschrieben, um die 200 sind es nach Lisa Hirschfelders Schätzungen. Wir sitzen inzwischen im trockenen Bootshaus, Lisa knabbert entspannt an einem Schokokeks. Gerade dass Quadrathlon kein Massensport ist, macht den Reiz für sie aus: »Wir sind eine kleine Gemeinschaft, jeder kennt jeden. Auch wer erst nach fünf, sechs Stunden ins Ziel kommt, wird noch angefeuert.« Auf hohe Preisgelder oder die Unterstützung großer Sponsoren muss die Studentin dafür verzichten. »Nicht schlimm«, meint sie, »mir reicht das unbeschreibliche Gefühl in dem Moment, in dem ich über die Ziellinie laufe und weiß, dass ich alles gegeben habe.« Bereits mit 13 Jahren, damals erfolgreiche Wettkampfschwimmerin, entschied sich Lisa gegen eine Karriere als Profi-Sportlerin. »Mir war schon sehr früh klar, dass ich später Ärztin werden will.«

Dieses Ziel hat Lisa Hirschfelder nach wie vor fest vor Augen. Treibt sie gerade keinen Sport, büffelt sie für die Uni. »Ganz untalentiert bin ich wohl nicht«, beantwortet Lisa mit einem Achselzucken die Frage, wie sie neben dem Training auch noch zwei Studiengänge meistert. »Außerdem sind meine Tage gut durchgetaktet.« Zur Demonstration zieht sie aus ihrem schwarzen Rucksack ein Medizinlehrbuch. »Ich habe immer Lesestoff dabei. Wenn ich gerade Zeit habe, lerne ich – aber nicht, weil ich muss, sondern weil mir das Studium Spaß macht.«

Läuft alles nach Plan, startet Lisa Hirschfelder in einem knappen Jahr ins Berufsleben. Als Assistenzärztin wird sie ihr Sportpensum wohl reduzieren müssen. Für den Fall, dass sie dann bei den großen Wettkämpfen im Quadrathlon nicht mehr vorne wird mithalten können, hat sie schon Alternativen ins Auge gefasst: Abenteuerrennen wie das »Coast to Coast Race« in Neuseeland etwa oder den »ÖTILLÖ Swimrun« in Schweden. Bei diesen extrem harten und kräftezehrenden Ausdauerwettkämpfen geht es weniger um eine exzellente Zeit als darum, überhaupt ins Ziel zu kommen – eine Herausforderung ganz nach Lisas Geschmack und passend zu ihrem Lebensmotto »Never stop fighting«.

Ute von Figura

Dieser Artikel ist im UNISPIEGEL 4/2014 (Seite 10) erschienen.
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Letzte Änderung: 11.09.2015
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