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Prof. Dr. Friederike Nüssel
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Alevitisches ,Kulturerbe' verhandeln: Staatenlose Kulturgüter marginalisierter Gruppen zwischen hegemonialer Definition und Selbstnormierung

Projektleiter: Dr. Robert Langer (Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orient)

Förderlinie: Kulturelles Erbe und Geschichte

Das Projekt widmete sich der Frage, wie Konzepte von Kulturerbe in transkulturellen Kontexten zur Identitätskonstruktion und in Prozessen der Institutionalisierung von Diasporagemeinden genutzt werden. Die spezifischen Verweise von Seiten alevitischer Akteure in Deutschland und der Türkei auf ihr kulturelles Erbe führten an einem frühen Zeitpunkt des Projektes dazu, den Forschungsschwerpunkt von materiellem auf immaterielles Kulturerbe zu verschieben. Da immaterielles Erbe, also Rituale, Handwerk und dergleichen, ‚Eigentum‘ indigener Akteure sei, gehen nationale wie intergouvernementale Akteure, aber auch ein Teil der Sekundärliteratur davon aus, dass die Anerkennung solchen Erbes die Agency der jeweiligen Träger fördere. Im Projekt wurde dagegen deutlich, wie sehr ‚indigene‘ Vorstellungen von Kulturerbe von hegemonialem Wissen um Zugehörigkeit präfiguriert sind, die die Schaffung eines kulturellen Erbes inhaltlich wie institutionell steuern. Gerade am Beispiel der Aleviten wurde dabei deutlich, wie stark dem Erbe je nach politisch-gesellschaftlichem Kontext grundverschiedene Funktionen und Bedeutungen zukommen kann. Kulturelles Erbe muss in diesem Lichte als machtdurchwobener Aushandlungsprozess hegemonialer Deutung und identitärer Aneignung von Geschichte verstanden werden. Eine zu sehr auf Agency ausgerichtete Lesart von Kulturerbe greift dagegen an vielerlei Stellen zu kurz, können damit doch die Zusammenhänge von Subjekt(en) politischer Herrschaft, Identitätspolitik und hegemonialem Wissen von Zugehörigkeit nicht erfasst werden.

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Letzte Änderung: 12.11.2014
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