DWI - Institutsabend im Januar 2017

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Zum Institutsabend des Wintersemesters 2016/17 am 31. Januar 2017 waren  Pfr’in Sigrid Zweygart-Pérez und Pfr. Florian Barth geladen und referierten zum Thema „Ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter“, Psalm 39,13. Ein Jahr Seelsorge im Landesregistrierungszentrum Baden-Württemberg.

Pfr’in Sigrid Zweygart-Pérez ist seit über einem Jahr Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration – eine Stelle, die jeder Kirchenbezirk der Evangelischen Landeskirche in Baden eingerichtet hat. Auch  Pfr. Florian Barth kommt in seiner Funktion als Pfarrer der Kapellengemeinde, der Diakoniekirche für Heidelberg, in den regelmäßigen Kontakt mit Menschen, die Fluchterfahrungen haben. Beide Referent*innen haben Ende 2015 die seelsorgerliche Betreuung der Flüchtlinge und Mitarbeitenden in Patrick Henry Village, Heidelberg-Kirchheim, übernommen.

Besonders die Anfangsmonate waren hierbei sehr spannend, schließlich wurde das Registrierungszentrum aus dem Nichts heraus geschaffen. Das von den Amerikanern hinterlassene „leere Dorf“ hatte kein Mobiliar und keine funktionierenden Wasserleitungen. So war die Anfangszeit geprägt von Improvisation auf vielen Gebieten, für die bildhaft Dixi-Toiletten und –Duschen stehen können. Die Pfarrer*innen hatten im ersten halben Jahr auch keinen Zugang zur Kirche, die sich auf dem Gelände befindet, und auch sonst standen Ihnen keine Räumlichkeiten zur Verfügung. Für Pfr. F. Barth war dies eine ganz neue, eindrückliche und auch befreiende Erfahrung, die er als „pures Seelsorger-Sein“ umschrieben hat.

Gerade in der Anfangszeit reagierten die vielen Mitarbeitenden, die aus ganz unterschiedlichen Organisationen kamen (von Bundeswehr, Feuerwehr bis zu Rotem Kreuz) in Patrick Henry Village auf die erste Vorstellung der Pfarrer*innen oft zunächst irritiert („Pfarrer brauchen wir hier nicht“), aber im unmittelbar zweiten Schritt auch offen („Wenn Sie gerade da sind…“). Auf diese Weise haben sich viele lange Gespräche entwickelt, die verdeutlichen, wie wichtig seelsorgerliche Begleitung hier auch für die Mitarbeitenden ist.

In der anschließenden Diskussion wurde dann noch einmal besonders deutlich, wie vielseitig die seelsorgerlichen Dimensionen in der Begleitung von Flüchtlingen sind: Weil Seelsorge hier nicht immer (ausreichend) über Sprache möglich ist, gewinnt die körperliche Dimension eine besondere Bedeutung, dazu gehört auch das gemeinsame Traurig-Sein – und das gemeinsame Lachen. Besonders die interkulturelle Verständigung  ist eine wichtige Herausforderung in der Begleitung von Flüchtlingen. Neben kurzen seelsorgerlichen Kontakten, die für die jeweilige Person dennoch sehr bedeutsam sein können, ist die Langzeitseelsorge besonders bei Personen, mit abgelehntem Asylantrag aber einer Duldung, ein wichtiges Thema, da diese Menschen hochgradig perspektivlos sind. Das Thema Schuld ist nur eines von vielen wichtigen und zugleich schwierigen theologischen Themen, die für Menschen mit Fluchterfahrung besonders zentral sind. Somit stellt die seelsorgerliche Begleitung der Flüchtlinge (und der Mitarbeitenden in Patrick Henry Village) eine enorme Aufgabe dar, die die Referent*innen hier für die betroffenen Menschen im Auftrag der
Evangelischen Kirche angenommen haben.

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 13.02.2017
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