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Geschichte der Universität

Geschichte der Universität

 

Bald nach ihrer Gründung hatte die Universität Heidelberg einen festen Platz im geistigen Leben Europas inne. Namhafte Theologen und Juristen standen in der Anfangsphase den Kurfürsten als Ratgeber zur Seite. Kanzler, Bischöfe und königliche Gesandte gingen aus der Universität hervor. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich Heidelberg schließlich zu einer Hochburg des Humanismus.

jahrhundertealte Tradition
Von der Zukunft reden alle, auf eine große und jahrhundertealte Tradition können dagegen nur sehr wenige Universitäten bauen. Aus dem 19. Jahrhundert grüßt hier der Historiker Georg Gottfried Gervinus, der in Heidelberg die Vision eines föderalistischen und demokratischen Zeitalters entwarf.

 

Folgenreiche Ideen und Bewegungen nahmen von hier ihren Ausgang. Martin Luthers Heidelberger Disputation im April 1518 hinterließ bleibende Wirkung: Seine Anhänger unter den Magistern und Studenten zählten bald zu den führenden Reformatoren im deutschen Südwesten. Reformen im Geiste des Humanismus, vor allem seit der Hinwendung der Pfalz zum reformierten Bekenntnis, sorgten für eine große Ausstrahlungskraft. Der von Professoren der Universität verfasste Heidelberger Katechismus gilt bis heute auf der ganzen Welt als das grundlegende Bekenntnisbuch der reformierten Kirche. Ein Zentrum undogmatischen Denkens hatte sich gebildet und zog Professoren und Studenten aus ganz Europa an.
 

Olympia Fulvia Morata
Die Gelehrsamkeit der in Ferrara geborenen Dichterin und Humanistin Olympia Fulvia Morata (1526-1555) war berühmt. Das letzte Jahr ihres kurzen Lebens verbrachte sie im Umfeld der Heidelberger Universität, auf dem Friedhof der hiesigen Peterskirche liegt sie begraben.

 

Neuorientierung und Modernisierung

An diese Blütezeit, die mit dem Dreißigjährigen Krieg endete, konnte man allerdings erst wieder mit Beginn des 19. Jahrhunderts anknüpfen. Voraussetzung dafür war eine 1803 erfolgte Wiederbelebung der – nicht zuletzt durch die napoleonischen Revolutionskriege – in eine Krise geratenen Hochschule durch den damaligen Kurfürsten und späteren Großherzog Karl-Friedrich von Baden. Im Namen Ruprecht-Karl hat die Heidelberger Universität, neben dem Gründer Ruprecht I., ihren großen Förderer und politischen Reformator verewigt.
 

die Artes liberales
Die Rute des Schulmeisters ist ein Symbol der Grammatik als Teil der „Artes liberales“, auf denen die Universität im Mittelalter beruhte. Die Abbildung stammt aus demLinkCodex Manesse, einer der kostbarsten Handschriften der Link Universitätsbibliothek Heidelberg.

 

Heidelberg entwickelte sich schnell zu einer produktiven Gelehrtenrepublik. Das geschah parallel zur Entdeckung der Stadt durch Künstler und Intellektuelle wie Friedrich Hölderlin, Johann Wolfgang von Goethe, Joseph Freiherr von Eichendorff oder auch Robert Schumann – zum Kreis bedeutender Universitätsgelehrter wie Friedrich Creuzer und Joseph Görres gesellten sich Anfang des 19. Jahrhunderts Clemens Brentano und Achim von Arnim.
 

Hohe Schul zu Heydelberg
Die „Hohe Schul zu Heydelberg“ stammt aus der „Cosmographia“ des Geographen und Hebraisten Sebastian Münster (1488-1552), der zwischen 1524 und 1527 als Professor an der Heidelberger Universität wirkte.

 

Von dem Juristen Anton Friedrich Justus Thibaut erging von Heidelberg aus der Ruf zur Schaffung eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuches. Auch historische und philologische Forschungen lieferten ihren Beitrag zum rasch wachsenden Ruhm der Ruperto Carola. Johann Heinrich Voß wirkte als Philologe und Übersetzer, Georg Wilhelm Friedrich Hegel veröffentlichte in Heidelberg seine „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse“. Georg Gottfried Gervinus war Mitbegründer der „Deutschen Zeitung“, des Sprachrohrs des Liberalismus, und Heinrich von Treitschke schrieb hier in den Jahren der Reichsgründung seine „Deutsche Geschichte“.
 

Einblicke für Schüler
Tradition in der Krebsforschung
Vinzenz Czerny (1842-1916) war ein berühmter Chirurg und begründete die große Tradition Heidelberger Krebsforschung (rechts). Heute versucht man im FachLinkMedizin, bereits Schüler für einLinkStudium zu interessieren (oben).

 

Im Bereich der Naturwissenschaften und der Medizin sind insbesondere LinkRobert Wilhelm Bunsen, Hermann von Helmholtz und Gustav Robert Kirchhoff hervorzuheben, die Heidelberg zum Brennpunkt der naturwissenschaftlichen Forschung in Deutschland machten. Bis auf den heutigen Tag verbindet man mit ihren Namen genaue Vorstellungen: Helmholtz begründete die physiologische Optik und Akustik, Kirchhoff und Bunsen entdeckten die Spektralanalyse. Die bis heute die medizinische Forschung Heidelbergs prägende Krebsforschung nahm in Vinzenz Czernys Institut für „experimentelle Krebsforschung“ ihren Ausgangspunkt.
 

Hermann von Helmholtz
Hermann von Helmholtz (1821-1894) wurde 1858 auf den Lehrstuhl für Physiologie berufen. Zusammen mit dem Chemiker Robert Wilhelm Bunsen und dem Physiker Gustav Robert Kirchhoff bildete er ein legendäres Dreigestirn hiesiger Naturwissenschaften.

Heidelberg als geistige Lebensform

Das Bild, das man sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Ausland von einer deutschen Universität und ihrem studentischen Leben machte, war von Heidelberger Eindrücken stark beeinflusst. Der bis 1948 in Heidelberg wirkende Philosoph Karl Jaspers prägte seinerzeit die Formulierung „Heidelberg als geistige Lebensform“. Dafür charakteristisch war auch eine interdisziplinäre Gesprächskultur, die in zahlreichen Kreisen und Zirkeln ihren Ausdruck fand – zu den prominentesten Diskussionsforen gehörte das von Max Weber, dem Begründer der modernen Sozialwissenschaften.
 

Karl Jaspers
Der Philosoph Karl Jaspers nach seiner zwangsweisen Versetzung in den Ruhestand 1937 durch die Nationalsozialisten. 1945 sorgten er, der Chirurg Karl Heinrich Bauer und weitere engagierte Professoren für einen Neuanfang der Universität unter den Vorzeichen von Wahrheit und Humanität.

 

Ein jähes Ende fand der viel zitierte „Heidelberger Geist“ jedoch durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Wie andere Universitäten auch, wurde die Ruperto Carola gleichgeschaltet und dem Führerprinzip unterworfen. Da vor 1933 Antisemitismus bei den Berufungen und Habilitationen in Heidelberg kaum eine Rolle gespielt hatte, war der Anteil von Wissenschaftlern jüdischer Herkunft hier besonders groß, was sich wiederum auf die hohe Zahl vertriebener Hochschullehrer auswirkte. Als symbolischen Akt par excellence betrachtet man bis heute die von den Nationalsozialisten 1936 vorgenommene Änderung der Inschrift „Dem lebendigen Geist“ über dem Eingangsportal der Neuen Universität und den Austausch der über ihm thronenden Pallas-Athene-Skulptur gegen einen Reichsadler; nun hieß es: „Dem deutschen Geist“.

Die Wiedereröffnung der Universität nach 1945 geschah unter den schwierigen Vorzeichen einer inneren und äußeren Erneuerung. Zu den entscheidenden Persönlichkeiten, die den Aufbau in die Wege leiteten, gehörten außer den im Dritten Reich entlassenen Professoren Gustav Radbruch und Alfred Weber auch Wissenschaftler wie Martin Dibelius und Karl Freudenberg. Eröffnet wurde die Universität 1946, erster Rektor nach dem Krieg war der Mediziner Karl Heinrich Bauer.

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Letzte Änderung: 23.05.2018
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