Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Hybrid-OP: Der Röntgendetektor rotiert am Roboterarm

Einen der modernsten Operationssäle Europas hat die Chirurgische Universitätsklinik in Heidelberg jüngst eröffnet. Vor allem schwerkranke Patienten mit Gefäß- und Herzerkrankungen profitieren von der Hightech-Synthese (Hybrid) eines komplett ausgestatteten Operationssaals mit einem Katheterlabor, das über eine beinahe beliebig um den Patienten positionierbare Röntgenanlage verfügt. Sie erlaubt eine dreidimensionale Gefäßdarstellung in höchster Präzision selbst während des Eingriffs.

Die Gesamtkosten für den Einbau des neuen „Hybrid-OPs“ betrugen 2,6 Millionen Euro – 1,4 Millionen davon für die Geräte. „Das Klinikum trägt die Gesamtkosten allein“, betont Irmtraut Gürkan, die Kaufmännische Leiterin. Eine Investition, die sich nicht nur für die Patienten lohnt: „Die hochmoderne technische Ausstattung soll auch Anreize für talentierte Nachwuchsärzte schaffen, nach Heidelberg zu kommen.“

„Mit der Einrichtung des neuen Operationssaals baut das Universitätsklinikum seine Vorreiterrolle in der Gefäß- und Herzchirurgie aus“, sagt der Leitende Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Dr. h.c. J. Rüdiger Siewert. „In Heidelberg treiben wir die starke Vernetzung der chirurgischen Disziplinen voran, um neue interdisziplinäre Therapiekonzepte zu entwickeln, die für den Patienten schonender, schneller und sicherer sind.“

Hauptsächlich nutzen werden den Hybrid-OP Prof. Dittmar Böckler, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie, und sein Team. Etwa um eine Hauptschlagader minimal-invasiv mit einer Gefäßstütze zu stabilisieren oder die Notfallversorgung von Gefäßverletzungen zu übernehmen. Auch Herzoperationen – wie der Einsatz einer Herzklappe – werden im neuen Operationssaal mit Hilfe von Kathetern vorgenommen. Böckler: „Das Trauma einer großen Operation bleibt künftig vielen Menschen erspart, da wir im neuen Hybrid-OP viele hochkomplexe Eingriffe über einen Katheter innerhalb des Gefäßsystems durchführen können.“

Im neuen Hybrid-Operationssaal der Chirurgischen Uniklinik können Eingriffe sowohl minimal-invasiv über die Gefäße vorgenommen werden als auch am geöffneten Brustkorb.
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Die Möglichkeit, auf die Öffnung des gesamten Brustkorbs und den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine zu verzichten, wirkt sich auch positiv auf den Operationserfolg bei Patienten mit besonderen Risiken aus. „Wir können nun vielen Patienten mit Herzklappenfehlern helfen, für die vorher eine herkömmliche Operation nicht in Frage kam“, erklärt Prof. Matthias Karck, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Herzchirurgie am Klinikum.

Außerdem haben Patienten nach minimal-invasiven Eingriffen weniger Schmerzen, profitieren von einer rascheren Heilung und können so schneller nach Hause. Ein weiterer unschätzbarer Vorteil des neuen Hybrid-OPs: Im Notfall kann der minimal-invasive Eingriff innerhalb weniger Minuten in eine offene Operation mit Herz-Lungen-Maschine umgewandelt werden, ohne dass der Patient in dieser kritischen Situation umgelagert und transportiert werden muss.

Herzstück des neuen Operationssaals ist das moderne Angiographiegerät „Artis Zeego“. Das Röntgengerät für Gefäße bietet mehrere Vorteile: Von einem Roboterarm bewegt rotiert es computergesteuert um den Patienten und macht dabei Aufnahmen aus jeder beliebigen Richtung. Die dreidimensionalen Bilder sind direkt und in sehr hoher Qualität auf Monitoren im OP verfügbar. Das System unterstützt so die Chirurgen bei ihrer Navigation im Körper und erleichtert komplizierte Eingriffe.

Die Hochleistungs-Angiographieanlage „Artis Zeego“, eine beinahe beliebig um den Patienten positionierbare Röntgenanlage, erlaubt dreidimensionale Aufnahmen von Gefäßen in höchster Präzision selbst während des Eingriffs.
Foto: Hoppe

Nur wenige Kliniken in Deutschland verfügen bislang über ein solches Angiographiegerät; an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg ist deutschlandweit erstmals ein gefäß- und herzchirurgischer Hybrid-Operationssaal damit ausgerüstet. Anders als bei älteren Geräten, die per Hand in eine bestimmte Position zum Patienten gebracht werden, kann der Chirurg den Roboterarm mit der bogenförmigen Röntgenvorrichtung sowie den OP-Tisch mittels Fernsteuerung exakt ausrichten. Der moderne Röntgendetektor rotiert bei Bedarf so schnell um den Patienten, dass die Aufnahmen in Auflösung und Bildqualität mit denen einer Computertomographie vergleichbar sind. Das Gerät kommt dabei mit einer geringeren Strahlendosis als seine Vorgängermodelle aus und ist daher schonend für Patienten und OP-Personal.

Aus den Bilddaten errechnet der Computer dreidimensionale Darstellungen des Operationsgebietes – an diesem virtuellen Modell prüfen die Chirurgen mit Hilfe eines speziellen Programms unmittelbar vor dem eigentlichen Eingriff das beste Vorgehen und erhalten so eine Art Routenplan für Katheter oder Operation. Weitere Vorteile für den Patienten: Da „Artis Zeego“ schnell einsetzbar ist, die Bilddaten sofort bereitstellt und der Erfolg eines Eingriffs unmittelbar überprüft werden kann, verkürzt sich insgesamt die Operationszeit. Darüber hinaus können sämtliche Blutgefäße sowie komplexe Veränderungen der Aorta präziser dargestellt werden als bisher und sind damit besser für neue Therapien zugänglich.

Kontakt:

Prof. Dittmar Böckler
Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie
Telefon: 0 62 21/56-62 49 (Sekretariat)
E-Mail: dittmar.boeckler@med.uni-heidelberg.de

Prof. Matthias Karck
Ärztlicher Direktor der Abteilung Herzchirurgie
Telefon: 0 62 21/56-62 72 (Sekretariat)
E-Mail: matthias.karck@med.uni-heidelberg.de

Daten und Fakten zum Hybrid-OP (pdf)

Weitere Bilder aus dem Hybrid-OP