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Forschungsprojekte

 
   LAUFENDE PROJEKTE
 

 

  • DFG-Projekt „Wie zentral ist die Mitte? Mittelschichtsdiskurse und wohlfahrtsstaatlicher Politikwandel im internationalen Vergleich"

Bei der Thematisierung gesellschaftlichen Wandels, den Anzeichen und Auswirkungen von Krisen und der Notwendigkeit politischer Reformen wird kontinuierlich auf „die Mittelschicht“ Bezug genommen. Insbesondere der Wohlfahrtsstaat spielt dabei eine ambivalente Rolle, indem er zugleich als Gefährder und Retter der Mittelschicht postuliert wird. Indes ist „die Mitte“ hinsichtlich ihrer sozialstrukturellen Eingrenzung, ihrer Interessenlage und ihrer normativen Bedeutung keine natürliche oder objektive Gegebenheit, sondern findet auf der Grundlage unterschiedlicher Herleitungen und Beobachtungsperspektiven Eingang in politische Diskurse und Entscheidungen. Angesichts ihrer diskursiven Allgegenwärtigkeit ist anzunehmen, dass es sich bei der Kategorie der Mittelschicht um einen besonders wirkmächtigen Bezugspunkt bei der Aushandlung gesellschaftlicher Ordnungsvorstellungen und (sozial-)politischer Programme handelt. Wir wissen jedoch wenig darüber, mittels welcher argumentativen Praktiken die Mittelschicht zu einem bedeutungsvollen Element des Diskurses wird und wie hierdurch wohlfahrtsstaatliche Reformpolitiken strukturiert werden.

Zur Beantwortung der Frage nach der Thematisierung der „Mitte“ und ihrer Relevanz für wohlfahrtsstaatlichen Politikwandel nimmt das Projekt den deutschen, britischen und schwedischen Wohlfahrtsstaat mittels einer diskursanalytisch-interpretativen Perspektive in den Blick. Zum einen werden die medialen Diskurse, in denen die kollektiven Vorstellungen von der gesellschaftlichen Mitte konstruiert und verhandelt werden, anhand von Zeitungsartikeln und weiteren Materialien rekonstruiert. Zum anderen wird untersucht, inwiefern die Gestaltung und argumentative Rechtfertigung spezifischer wohlfahrtsstaatlicher Reformprogramme und -initiativen an den kontingenten Vorstellungen von den Interessen und Bedürfnissen „der Mittelschicht“ ausgerichtet sind. Beide Aspekte sollen durch einen systematischen Vergleich Deutschlands, Großbritanniens und Schwedens in den Blick genommen werden, um sowohl übergreifende Strukturmuster als auch nationale Spezifika identifizieren und an die vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung zurückspielen zu können.

Projektlaufzeit:

2015 - 2019

Publikationen:
Barbehön, Marlon / Geugjes, Marilena (2018): Caught in the middle? Welfare state legitimisation and problematisation in German and Swedish middle class discourse. In: International Journal of Politics, Culture, and Society (online first: https://link.springer.com/article/10.1007/s10767-018-9275-0).
 
Barbehön, Marlon / Geugjes, Marilena / Haus, Michael (2018): Separate, but central? Distinktionspraktiken und Normalitätsanspruch der Mittelschicht in der medialen Repräsentation. In: Nadine M. Schöneck und Sabine Ritter (Hrsg.): Die Mitte als Kampfzone. Wertorientierungen und Abgrenzungspraktiken der Mittelschichten. Bielefeld: transcript, S. 143-159.
 
Barbehön, Marlon / Haus, Michael (2018): How central is the middle? Middle class discourses and social policy design in Germany. In: Lorenzo Barrault-Stella und Pierre-Edouard Weill (Hrsg.): Creating Target Publics for Welfare Policies. A Comparative and Multilevel Approach. New York/London: Springer International, S. 49-66.

 

 

 
   ABGESCHLOSSENE PROJEKTE
 

 

  • Innovationsfond FRONTIER, Excellenzinitative II: "Die Mittelschicht und die Transformation des Wohlfahrtsstaats"

Bei der Thematisierung gesellschaftlichen Wandels, den Anzeichen und Auswirkungen von Krisen und der Notwendigkeit politischer Reformen wird „die Mittelschicht“ fortdauernd angerufen. Insbesondere der Wohlfahrtsstaat spielt dabei eine ambivalente Rolle, indem er zugleich als Gefährder und Retter der Mittelschicht postuliert wird. Damit wird eine kulturgeschichtlich weit zurückreichende Praxis der Thematisierung der Mittelschicht als Stabilitätsgarant und Demokratievoraussetzung unter spezifischen modernen Bedingungen fortgesetzt. Gleichzeitig ist jedoch die „Mitte“ der Gesellschaft hinsichtlich ihrer sozialstrukturellen Eingrenzung, ihrer normativen Bedeutung und ihrer Interessenlage keine natürliche Gegebenheit, sondern findet auf der Grundlage unterschiedlicher konzeptioneller Herleitungen und Beobachtungsperspektiven Eingang in politische Diskurse und Entscheidungen. Wir wissen jedoch wenig darüber, mittels welcher interpretativen und argumentativen Praktiken die Mittelschicht zu einem bedeutungsvollen Element des Diskurses wird und wie damit wohlfahrtsstaatliche Reformstrategien und -politiken geprägt werden. Zur Adressierung dieser Forschungslücke zielt das Projekt zum einen auf konzeptionellen Verbindungsmöglichkeiten zwischen öffentlichen Deutungen der Mittelschicht und der Gestaltung einschlägiger Policies, zum anderen auf die Erarbeitung einer interpretativen Analytik, um den genannten Zusammenhang im internationalen Vergleich untersuchen zu können. Damit soll ein Beitrag geleistet werden zum Verständnis der Funktionsweise von Reformdiskursen, der Generierung politischer Legitimität und des Wandels staatlicher Politiken.

Publikationen:

Haus, Michael (2015): Mittelschicht und Wohlfahrtstaat - Drei Deutungsmuster und ihre Relevanz für die Zukunft eines wohlfahrtsstaatlichen Grundkonsenses, in: ZSR - Zeitschrift für Sozialreform, Jg. 61, Heft 2, S. 147-170.

Barbehön, Marlon / Haus, Michael (2015): Middle class and welfare state, discursive relations, in: Critical Policy Studies 9 (4), p. 473-484.

 

 

  • DFG-Projekt „Problemdiskurse: Eigenlogik der Städte und politische Agenda"

Das Projekt untersucht vergleichend die einer Stadt eigenen Formen der politikwirksamen Problematisierung von Themen sowie Prozesse des lokalen Agenda-Settings. Was als Problem einer Stadt auf die politische Agenda kommt, konstituiert sich diskursiv aus Praktiken unterschiedlicher Akteure. Das Projekt untersucht die Kommunikation in Frankfurt am Main, Dortmund, Birmingham und Glasgow zu Themen, die als stadtspezifische „Probleme“ gelten. Die forschungsleitenden Hypothesen sind, dass Städte (1) Unterschiedliches als ihr/-e Problem/-e wahrnehmen, (2) als Ergebnis ineinandergreifender Handlungsmuster auf unterschiedliche Weise selektiv operieren, sowie (3) unterschiedliche Formen des diskursiven Umgangs mit Problemen und damit auch deren Bearbeitung ausbilden. Ziel des Projekts ist die Herausarbeitung von Thematisierungsformaten (z. B. Stilisierung des Stadtbezugs als selbst- oder fremdverursacht), von Formen der Filterung und Reformulierung des Thematisierten in etwas politisch zu Entscheidendes sowie die Art der politischen Bearbeitung (Verantwortungszuschreibung, Entscheiden/Nichtentscheiden) von Problemen als Teil einer „Eigenlogik“ der untersuchten Städte. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Thematisierungsschwellen (also Formen und Umständen des Auftauchens bzw. Verschwindens von Problemdiskursen), auf Zeitstrukturen sowie auf typischen Narrativen, die die Stilisierung der Problemlage selbst sowie diejenige von Konflikten und Entscheiden/Nichtentscheiden begleiten.

Projektlaufzeit:

2011 - 2015

Projektwebsite:

TU Darmstadt, Stadtforschung (Externer Link)

Publikationen:

Barbehön, Marlon / Münch, Sybille (2017): Interrogating the city: Comparing locally distinct crisis discourses. In. Urban Studies 54 (9). 2072-2086.

Barbehön, Marlon / Münch, Sybille (2016): The 'distinctiveness of cities' and distinctions in cities: boundaries of belonging in comparative perspective. In: Urban Research & Practice 9 (1). 37-55.

Barbehön, Marlon / Münch, Sybille / Gehring, Petra / Haus, Michael / Heinelt, Hubert / Grossmann, Andreas (2015): Urban problem discourses: Unterstanding the distinctiveness of cities. In: Journal of Urban Affairs 38. 2. 236-251.

Barbehön, Marlon / Haus, Michael / Heinelt, Hubert / Münch, Sybille (2015): Städtische Problemdiskurse. Lokalpolitische Sinnhorizonte im Vergleich. Reihe Modernes Regieren - Schriften zu einer neuen Regierungslehre, Bd. 12. Baden-Baden: Nomos.

Frank, Sybille / Gehring, Petra / Griem, Julika / Haus, Michael (2014): Zur Analyse interurbaner Kontraste: Birmingham, Dortmund, Frankfurt, Glasgow. Frankfurt/Main: Campus.

 

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Letzte Änderung: 16.10.2019
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