Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Im Trüben der Geschichte fischen

von Walter Berschin

St. Peter im Schwarzwald war im 18. Jahrhundert ein Zentrum der Kunst und Wissenschaft. Man erbaute einen prächtigen Bibliothekssaal, in dem als Zimelien mehr als 150 Handschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit standen, dabei ein um 1200 am Oberrhein (Straßburg?) entstandenes reich illustriertes Festevangeliar in fast quadratischem Format. Die Abbildung zeigt Blatt 10v mit der Geburt Mariens. In einer hochgebauten Stadt ist auf prächtiger Lagerstatt Anna umgeben von helfenden Frauen zu sehen. Die Mitte aber bildet die neugeborene Maria, auf die der Vater Joachim (mit "Judenhut") und ein vom Himmel herabsteigender Engel deuten. Ein "Anhauch des Volkstümlichen" (Ellen J. Beer) und Bürgerlichen ist auf dem spätromanischen Bild in der Figur der Magd zu erkennen, die der Wöchnerin die kräftigende Suppe reicht. - Die Handschrift steht auf einer noch nicht veröffentlichten Liste von Manuskripten, die das Land Baden-Württemberg aus der Badischen Landesbibliothek herausnehmen und dem in Geldnöten steckenden Markgrafen von Baden zur Versteigerung überlassen will. Die Abtei St. Peter im Schwarzwald ist im Zuge der Säkularisation 1806 mit all ihrem Besitz an das Großherzogtum Baden gefallen als Ausgleich für Teile des Reichs links des Rheins, die Frankreich annektierte. Man darf auf den Beweis gespannt sein, den der Markgraf von Baden dafür erbringt, daß die Abtei St. Peter den regierenden Adeligen nicht als Staatsbesitz, sondern als Privatbesitz zugewiesen wurde. Denn dies ist die Begründung, mit der der Markgraf (oder der ihn beratende Kunsthändler) u.a. die Herausgabe der Karlsruher Handschrift St. Peter perg. 7 betreibt. Verwundern muß die Bereitwilligkeit, mit der sich der neue Stuttgarter Ministerpräsident Oettinger auf Verhandlungen über eine derart schwach begründete Forderung eingelassen hat.

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