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Fakultät für Biowissenschaften > Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie > IPMB, Abteilung Biologie
Gruppe am Teide Botanische Exkursion Teneriffa

27.02. - 06.03.1999
Dieser Bericht erschien in der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ), Nummer 29, 22. Juli 1999

Autoren: Vera Rosenkranz, Matthias Reich, Jens Treutlein
Bilder: Vera Rosenkranz und Matthias Reich

Das Institut für Pharmazeutische Biologie Heidelberg veranstaltete im Rahmen eines studentischen Praktikums unter Leitung von Prof. Dr. Michael Wink eine einwöchige botanische Exkursion auf die Kanareninsel Teneriffa. Unter Botanikern und Naturfreunden ist diese Insel aufgrund ihrer botanischen Vielfalt sehr geschätzt.


Geologie und Geographie:

Teneriffa (Übersichtskarte Teneriffa) liegt etwa 300 km vor dem nordafrikanischen Festland auf der Höhe von Südmarokko und wird mit den restlichen Kanareninseln, den Kapverden, Madeira und den Azoren zur Makaronesischen Inselgruppe zusammengefasst. Die Insel ist vor ca. 12 Mio. Jahren entstanden und vulkanischen Ursprungs. Der Vulkan Pico del Teide auf Teneriffa ist mit 3717 m nicht nur der höchste Berg der Kanaren, sondern auch Spaniens. Genau vor 200 Jahren bestieg ihn Alexander von Humboldt während seines Aufenthaltes auf dem Weg nach Südamerika - damals mühsam per Esel und zu Fuß (Neben geographischen erforschte er hierbei auch erstmals botanische Aspekte). Die in der Region vorherrschenden Nordostpassate bringen feuchte Meeresluft an die Nordseite der Insel. Daraus resultieren für die Insel besondere klimatische Gegebenheiten: Im Norden bildet sich im Laufe des Tages die Passatwolke, die dann zwischen 600 und 1700 m Höhe auf die Vegetation trifft. Dem Süden der Insel dagegen fehlt diese Wolkenzone.

Dracaena draco
Vegetationszonen:

Die Anwesenheit mehrerer verschiedener Vegetationszonen lieferte die Grundlage für die floristische Artenvielfalt und Endemismenbildung. Außerdem trug die frühe Besiedlung der Insel aus der mediterranen und nordafrikanischen Flora hierzu bei. Aber auch Elemente, die nach Südafrika und ans Rote Meer weisen, sind anzutreffen. Die Vegetationszonierung Teneriffas gliedert sich folgendermaßen: Die auf den südlichen Küstengürtel beschränkte Dornlattich - Kleinstrauchhalbwüste ist durch trockenheits- und salztolerante Vegetation charakterisiert, die nur in geringer Besiedlungsdichte vertreten ist und den Boden nicht vollständig bedeckt. Der auf diese Zone folgende Sukkulentenbusch ist ebenfalls noch eine trockene Zone unterhalb der Passatwolke. Sie bietet den Aspekt eines Kaktusgartens.
Bergnebelwälder, die aufgrund ihres Bestandes an Lorbeergewächsen Laurisilva genannt werden, sind die botanische Attraktion der Insel. Dieser Vegetationstyp tritt nur im Norden in der Höhe der Passatwolke auf.

Im oberen Bereich der Wolkenzone schließt sich der Kanarenkiefernwald an. Der Hochplateaukessel der Cañadas, durch eine Absprengung der ursprünglichen Vulkanspitze entstanden, ist durch die temperate Kugelbuschvegetation inmitten großer Lavafelder gekennzeichnet. Die höchsten Regionen am Vulkankegel nimmt die Teideveilchenflur ein.

Kiefern mit Passatwolke
Exkursionsbericht:

Ausgangspunkt der Tagesexkursionen war Puerto de la Cruz. Wegen ihrer zentralen Lage auf der Nordseite und dem Anschluß an die einzige Autobahn der Insel eignet sich die Stadt hierfür besonders gut. Die 20 studentischen Teilnehmer wurden auf drei gemietete Minibusse verteilt, die von Prof. Wink und dem begleitenden wissenschaftlichen Personal gesteuert wurden. Neben mehreren kleineren Stopps beinhaltete das Programm folgende Tagesschwerpunkte:


Minibus
Erster Tag:
Sukkulentenbusch bei Bajamar

 
Bajamar liegt im Nordosten der Insel. Von dort aus wanderten wir in einem Aufstieg durch ein Barranco (kleines Tal) des Berges Moguinal bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus sich die Küstenlinie und die Vegetation gut überblicken ließ. Hier fanden wir Pflanzen, die für den Sukkulentenbusch typisch sind, insbesondere Vertreter der Wolfsmilchgewächse: die blau bereifte Kanaren-Wolfsmilch (Euphorbia canariensis) mit ihren säulenartig sukkulenten Sprossen, die König-Juba-Wolfsmilch (Euphorbia regis-jubae) und das einjährige Bingelkraut (Mercurialis perennis).
Weitere Pflanzen: Der Kanaren-Ampfer (Rumex lunaria, Polygonaceae), die Oleanderblättrige Kleinie (Kleinia neriifolia, Asteraceae), der Stachelige Natternkopf (Echium aculeatum, Boraginaceae), die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis, Arecaceae), die Glatte Baumschlinge (Periploca laevigata, Asclepiadaceae) und als weiteren Vertreter der Asclepiadaceae die Gabelige Leuchterblume (Ceropegia dichotoma). Nahe des Aussichtspunktes fanden wir ein wildwachsendes Exemplar der Symbolpflanze Teneriffas, den Drachenbaum (Dracaena draco, Dracaenaceae) und verschiedenste Dickblattgewächse, insbesondere das Tellerförmige Aeonium (Aeonium tabulaeforme).
Ceropegia dichotoma

Gruppe beim Abstieg vom Moguinal Aeonium tabulaeforme

Zweiter Tag:


Der zweite Tag führte uns in den Westen der Insel. Bei Icod besichtigten wir den wohl ältesten Drachenbaum Teneriffas (ca. 600 Jahre alt). Der Drachenbaumsaft, das sogenannte "Drachenblut", wurde, seit Menschen die Insel besiedelten, medizinisch genutzt. Bei Buenavista del Norte botanisierten wir erneut im Sukkulentenbusch und in der nördlichen Küstenvegetation. Danach fuhren wir weiter durch die Serpentinenstraßen des Tenogebirges, wo wir vor Erreichen von Masca einen Bergrücken erklommen. Besonderheiten waren hier die Dickblattgewächse Goldgelbes und Mauerpfefferblättriges Aeonium (Aeonium holochrysum und sedifolium), die Goldgreenovia (Greenovia aurea) und das Vielblättrige Monanthes (Monanthes polyphylla). Desweiteren fanden wir Kanarenstendel (Habenaria tridactylites, Orchidaceae) und Dunkelpurpurrote Wolfsmilch (Euphorbia atropurpureum).
  Aeonium holochrysum Euphorbia atropurpureum
Dritter Tag:
Lorbeerwälder von Las Mercedes, Punta de Ingles und La Ensillada

Diese Standorte liegen im Anaga-Gebirge, einem der Naturschutzgebiete der Insel. Hier ist die Vegetation in ihrer ursprünglichen Art erhalten. Es wird vermutet, daß die Lorbeerwälder ein Relikt darstellen, das im Tertiär weiträumig im Mittelmeergebiet verbreitet war.
Die Baumschicht bilden die Lauraceen Kanaren-Lorbeer (Laurus azorica), Indische Persea (Persea indica), Barbusano (Apollonias barbujana), Stinklorbeer (Ocotea foetens) und die Aquifoliacee Kanaren-Stechpalme (Ilex canariensis).

Canarina canariensis Woodwardia radicans
Die Bäume sind aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit stark mit Moosen, Flechten und Farnen bewachsen.
Raritäten der schattenliebenden Strauch- und Bodenschicht stellten die Farne Wurzelnder Kettenfarn (Woodwardia radicans) und Efeufarn (Asplenium hemionitis) dar, sowie die bis zu 2m hohe Baumgänsedistel (Sonchus congestus) und die Orchidee Zweiblättriger Grünstendel (Gennaria diphylla).

Hier stießen wir auch auf die Kanaren-Glockenblume (Canarina canariensis, Campanulaceae), die durch ihre große rot-orange Blüte besticht.
Bewachsener Baum
Vierter Tag:
Kanarenkiefernwald bei Agua Mansa (Valle de Orotava) und Kugelbuschvegetation im Parque Nacional de Las Cañadas del Teide

Die ausgedehnten Kiefernwälder erstrecken sich vom oberen Teil der Wolkenzone bis zur Baumgrenze bei ca. 2000 m Höhe. Die Kanaren-Kiefer (Pinus canariensis) ist ein Endemit der Kanarischen Inseln und durch ihre langen, dreinadeligen Blätter gekennzeichnet. Hiermit "kämmt" sie das Wasser aus der Passatwolke, das an ihr herabtropft. Die Kanaren-Kiefer hat somit eine wichtige Funktion für den Wasserhaushalt der Inseln.
Wie in den meisten Nadelwäldern ist der Bodenbewuchs in dieser Vegetationszone eher spärlich: Neben der Baumheide (Erica arborea) wachsen hier die Cistaceen Montpellier-Zistrose (Cistus monspeliensis) und Beinwellblättrige Zistrose (Cistus symphytifolium); zudem der Herbstseidelbast (Daphne gnidium, Thymelaeaceae).

Auf der Weiterfahrt durch die Cañadas hatten wir durch mehrere Autostopps Gelegenheit diese einzigartige, noch mit Schneefeldern durchsetzte Vulkanlandschaft zu bewundern.
Eine Wanderung in der Nähe von Los Roques de Garcia bot uns einen Einblick in die Kugelbuschvegetation. Neben dem Echten Teideginster (Spartocytisus supranubius, Fabaceae) ist die Echte Klebrige Drüsenfrucht (Adenocarpus viscosus, Fabaceae) und der Behaarte Federkopf (Pterocephalus lasiospermus, Dipsacaceae) anzutreffen. Vom riesigen Wildprets Natternkopf (Echium wildpretii, bis 3 m hoch, Boraginaceae) sahen wir nur die diesjahrigen Grundrosetten und letztjährige Fruchtstände
.

Teide Teide mit Echium wildpretii
Fünfter Tag:
Sukkulentenbusch der Ladera de Güimar und Aride Halbwüste bei Poris de Abona

Im Osten Teneriffas besuchten wir die Ladera de Güimar. Sie zeigt die Ausbildung des Sukkulentenbusches auf der Leeseite der Insel. Neben Elementen, denen wir schon auf der Nordseite begegneten, fanden wir hier zwei weitere Sträucher: die Plocama (Plocama pendula, Rubiaceae) und die radiärblütige Kanaren-Krummblume (Campylanthus salsoloides, Scrophulariaceae). An einer Felswand entdeckten wir auch die rosablühende Wollige Cinerarie (Pericallis lanata, Asteraceae).

Weiter südlich, bei Poris de Abona, führte uns eine kleine Wanderung durch ein Naturschutzgebiet der ariden Halbwüste. Es beherbergt salztolerante Xerophyten, die hier in minimalen Mengen von Feinerde in Spalten des rötlichen Lavagesteins siedeln. Gemeinsame Eigenschaften vieler hier siedelnder Pflanzen sind ihre Fähigkeiten zur Wasserspeicherung und Salzausscheidung. Wir suchten an dieser Stelle erfolgreich nach dem Desfontaines-Jochblatt (Zygophyllum fontanesii, Zygophyllaceae), der Balsam-Wolfsmilch (Euphorbia balsamifera, Euphorbiaceae), der Rotbraunen Leuchterblume (Ceropegia fusca, Asclepiadaceae) und dem Strauch-Dornlattich (Launaea arborescens, Asteraceae).



Euphorbia balsamifera

Ceropegia fusca
Sechster Tag:
Am letzten Exkursionstag stand die Besichtigung des Botanischen Gartens von Puerto de la Cruz auf dem Programm.


Strelitzia



Er beeindruckt durch eine reichhaltige Sammlung tropischer Gewächse; einheimische Arten werden aber kaum gezeigt. Auch der Fußweg zum botanischen Garten stellt bereits eine Exkursion dar, da die blühenden Gärten der Stadt Pflanzen aus aller Welt aufweisen.

Abschließend läßt sich sagen, daß sich auf Teneriffa - abseits der Touristenhochburgen - noch viel Natur erhalten hat, die für jeden Botanikinteressierten eine Reise lohnenswert macht.

Literatur:

  • Hohenester, Adalbert und Welss, Walter: Exkursionsflora für die Kanarischen Inseln. Stuttgart 1993
  • Kunkel, Günther: Die Kanarischen Inseln und ihre Pflanzenwelt. 3. Aufl. Stuttgart, Jena, New York 1993
  • Schmidt, Hermann: Pflanzen auf Teneriffa. Marburg 1997
  • Schönfelder, Peter und Schönfelder, Ingrid: Die Kosmos-Kanarenflora. Stuttgart 1997
Verantwortlich:Der Direktor
letzte Änderung der Seite: 12.12.2002