Tagesberichte

05. September 2005

Thema des Tages: Kirstenbosch-Botanical-Garden

Ankunft im Kirstenbosch Botanical Garden um 9:30 Uhr bei heftigem Regen. Zunächst machten wir eine Tour durch das Greenhouse, inzwischen lässt der Regen nach. Im Gewächshaus sehen wir zunächst die sukkulenten Pflanzen. Beispielhaft erwähnt seien hier:

- Welwitschia mirabilis (Wunderpflanze): Diese aus Namibia stammende Pflanze weist die Besonderheit auf, dass ihre Blätter lebenslang unaufhörlich weiterwachsen. Die Blattenden vertrocknen zunehmend. Die Pflanze ist auf Grund dieser ungewöhnlichen Tatsache des unbegrenzten Wachstums für die Evolutionsbiologie interessant.

- Commiphora spec. (Burseraceae): Diese Stammsukkulente Pflanze produziert ein Harz, das als Weihrauch Bekanntheit errang. Wichtige Inhaltsstoffe sind Triterpene, welche antimikrobiell und antiinflammatorisch wirksam sind.

Aloe- Aloe spec. (Asphodelaceae): Blattsukkulenten. Die Individuen dieser Gattung unterscheiden sich von Art zu Art. Neben den kleinen Zwergaloe existieren auch Baumaloe von mehreren Metern Höhe. Wichtige Heil- und Arzneipflanzen stellen die Aloe vera (nicht SA) und Aloe ferox dar, aus welcher verschiedene Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika hergestellt werden. Die Polysaccharide in den Blättern der Aloe binden das Wasser, traditionell nutzt man in Südafrika dieses Gel als Wundverschluss. Die Röhrenblüten der Aloe sind meist gelb- oder Rotfarben und der Vogelbestäubung angepasst.

- Mesembryanthemaceae (Pleiospilos bolusii, Kristallpflanze): Besonderes Merkmal dieser Familie (ähnlich der Cactaceae) ist der spezifische CAM-Stoffwechselweg, bei dem die Atmung nicht mehr gleichzeitig zur Photosynthese am Tag stattfindet, sondern nachts. Die Pflanze speichert das Kohlendioxid chemisch gebunden als äpfelsäure bis zum Tag. Tagsüber sind die Spaltöffnungen geschlossen, und die Pflanze setzt das gespeicherte Kohlendioxid wieder frei und verwendet es zur Photosynthese. Weil die Atmung in den kühlen und feuchten Nachtstunden stattfindet, ist der Wasserverlust durch Atmung deutlich verringert. Das Mesmbrin ist ein sekundärer Pflanzenwirkstoff, der bei Depressiven Euphorische Gefühle hervorruft.

Mesembrin Octadienyldesoxyphorbol
Mesembrin Octadienyldesoxyphorbol

- Euphorbiaceae: Stammsukkulente Pflanzen. Die Pflanzen enthalten einen Latex mit Phorbolestern, die giftig sind

- Senecio haworthii: enthält Alkaloide wie Pyrolycidin. Diese carcinogene Verbindung dient der Abwehr von Pflanzenfressern. Die Blätter besitzen helle Streifen, die als eine Art Prisma das Sonnenlicht einfangen und bündeln.

- Zycadeen: Palmfarne (Encephalartos spec.) gehören zu den Gymnospermen. Sie besitzen harte Blätter auf Grund der Einlagerung von Wachsen in die Epidermis, was dem Fraßschutz und dem Verdunstungsschutz dient. Die Stämme speichern Stärke. Das Alkaloid Zycasin wird bei Verletzung der Pflanze aktiviert. Es wirkt als Methylierendes Agens mutagen und carcinogen. Bei den Arten der Gattung Encephalartos handelt es sich um sog. "lebende Fossilien".

- Geraniaceae (Pelargonium sidoides): In SA endemische Pflanze, die sekundären Pflanzenstoffe sind ätherische öle, welche gegen Pilze und Insekten wirksam sind, In der Pharmazie werden diese Stoffe auf Grund ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit geschätzt.

- Asteraceae (Korbblütler) besitzen als sekundäre Pflanzenstoffe Terpene, Sesquiterpene und Lactone.

- Crassulaceae (Cotyledonen und Tylecodonen): enthalten herzwirksame Glykoside, die die Na/K-ATPase hemmen als Fraßschutz

LithopIm Allgemeinen sind alle Pflanzen, welche der trockenen und lebensfeindlichen Umwelt Wüste entspringen speziell ihrer Umgebung angepasst. Dies zeigt sich nicht nur in der Sukkulenz, sondern durch konvergente Anpassungen wie Tarnung (z.B. Lithops (lebende Steine)), Gifteinlagerung (Aloe (Anthrachinone), Euphorbiaceae (Phorbolester)) und mechanische Waffen (Dornen und Stacheln).

KirstenboschKirstenboschKirstenbosch

Auf Grund der glücklichen Wendung, dass der Himmel für einige Zeit seine Schleusen schloss, war es möglich, auch den Außenbereich des Kirstenbosch Botanical Gardens zu besuchen. Einige der bemerkenswerten Pflanzen seien hier im Folgenden aufgeführt:

- Melianthaceae (Melianthus major): Diese Pflanze wird durch den Brillenvogel bestäubt und enthält einen reichhaltigen Nektar sowie herzwirksame Glykoside (Hemmung Na/K-ATPase).

- Aloe marlothii (Baumaloe)

- Zypraceae (Zypros papyros): Diese Pflanze wurde über Jahrhunderte als Quelle für den Rohstoff des Papierersatzes "Papyros" geschätzt.

- Salvia africana lutea: Diese Arzneipflanze enhält ätherische öle

- Ericaceae: Diese Gattung mit über 800 Arten wird durch Nektarvögek befruchtet

- Selaginellaceae (Selaginella kaussiana): Diese Pflanze enstammt den afrikanischen Regenwäldern und enthält als spezifischen Inhaltsstoffgruppe Alkaloide

- Protaceae:ProteaProtea Die Familie enthält drei wichtige Gattungen: Leukospermum, Leucadendron und Protea. Diese Pflanzen sind typisch für die Fynbosvegetation und werden durch Nektarvögel (Sugarbirds) bestäubt. Sie leben in einer feuerzyklisierten Umwelt, die Samen benötigen Feuer um Auskeimen zu können.

- Restionaceae: Chondropetalum tectorium

- Kuskutta spec.: Individuen dieser Art parasitieren Bäume und betreiben heterotrophe Ernährung, indem sie dem Xylem- und Phloemgewebe Wasser und Nährsalze entziehen.

Nach der aufschlussreichen Begehung der Gartenanlagen bot sich die Gelegenheit alternativ dasEncephalartos trispinosa Herbar des Botanical Gardens zu besuchen oder in den paradiesisch anmutenden Hängen am Fuße des Tafelberges die restliche Vegetation unter der kompetenten Anleitung des Prof. Wink zu erschließen. überwältigt von der Artenvielfalt zog es eine breite Mehrheit der Gruppe vor im Garten zu verbleiben, wobei Encephalartos trispinosa als besonders herausragend zu vermerken ist.

Der Tag wurde anschließend mit einer Weiterfahrt an die Waterfront fortgeführt und einem gemeinsamen Abendessen im Quay 4 beschlossen.