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Gerd Theißen: "Variationen zu biblischen Texten"

Adolf Martin Ritter | Adobe Den Beitrag als PDF downloaden

 

 

Gerd TheißenGerd Theißen

Gerd Theißen:

Geboren am 24.04.1943 in Rheydt (heute: Mönchengladbach).

Von 1980-2008 Professor für Neues Testament in Heidelberg.

 

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein weithin anerkannter Wissenschaftler herausragender erzählerischer Qualitäten wegen von sich reden macht. Genau das aber ist G. Theißen wiederholt passiert oder, richtiger, eben das hat er, bei aller ihm eigenen Bescheidenheit, ‚provoziert‘. Markanteste Belege sind eine Reihe von Auszeichnungen, die ihm als Prediger von hohem Rang zuteilwurden. 1993 hat ihm die evangelische Kirchengemeinde in Sexau bei Freiburg/Br. ihren Gemeindepreis verliehen, mit der Begründung, er zähle zu den Theologen, die sich in ihrem Wirken durch besondere Gemeindenähe hervortun, indem sie Fragen von Relevanz für die Gemeinde in verständlicher Weise aufnehmen und bearbeiten. 2011 erhielt er in Bonn, zusammen mit zwei Frauen, darunter seine ehemalige Heidelberger Kollegin, die Systematikerin G. Schneider-Flume (zuletzt in Leipzig), einen weiteren Predigtpreis, und zwar ausdrücklich für die Vermittlung von Theologie in erzählender und poetischer Form; gedacht ist bei Letzterem wohl an sprachlich ausgefeilte Meditationen, Dichterzitate in Fülle und eigene poeti-sche Versuche, die sich über Predigten und predigtähnliche Texte beider akademischer Theologen verstreut finden. 2016 hat beide die Jury für den vom Verlag für die deutsche Wirtschaft ge-stifteten und gesponserten Ökumenischen Predigtpreis, diesmal in der Kategorie „Lebenswerk“, erneut ausgezeichnet. Ihnen sei, ebenso wie der Gewinnerin in der Kategorie „beste Predigt 2016“, gemeinsam, dass ihr Predigtstil das erzählende Element in der Verkündigung stärke. Naheliegenderweise berief man sich dabei, im Blick auf unseren Prediger, besonders auf den Riesenerfolg seiner Erzählung „Der Schatten des Galiläers“.1) Mit demselben Recht aber hat man dem umfangreichen oeuvre Theißens, eines der erfolgreichsten theologischen Autoren der Gegenwart, insgesamt nachgesagt, dass es nicht zuletzt durch die Erzählperspektive als Form theologischen Denkens in außergewöhnlicher Weise auf die Predigtarbeit von Studenten und Pfarrern eingewirkt und ihnen die Bibel auch sozialwissenschaftlich und poetisch erschlossen habe.2)

Dass das Narrative im Predigtwerk G. Theißens so stark und gewinnend hervortritt, hat sicher auch damit zu tun, dass er, anschließend an den Besuch eines neusprachlichen Gymnasiums, neben dem Studium der Ev. Theologie das der Germanistik aufnahm und, nach theologischer Promotion, Erstem Theologischen Examen und Habilitation für das Fach Neues Testament, auch ordnungsgemäß zum Abschluss brachte. Daran anschließend machte er sein Lehramtsstudium für einige Jahre, als Lehrer für Ev. Religion und Deutsch an Gymnasien, zum Beruf.

Die übrigen hervorstechenden Eigenschaften des Predigers Theißen – außer dem großen didaktischen Geschick, mit dem er sich, mündlich wie schriftlich, zu äußern weiß,3) wohl einer Frucht seines Doppelstudiums und seiner Berufserfahrung als Gymnasiallehrer – sind identisch mit denen seiner wissenschaftlich-theologischen Arbeit, von der deshalb zunächst, wenigstens umrisshaft, die Rede sein muss.

G. Theißen ist im Reformiertentum seiner niederrheinischen Heimat kirchlich sozialisiert4) worden und bekennt sich zu diesem prägenden Erbe mit allem Freimut bis zum heutigen Tag. In seinem Elternhaus waren es vor allem Toleranz, soziales Verantwortungsbewusstsein und ein kritischer Glaube, die dessen Geist ausmachten. Seine Mutter, Fürsorgerin von Beruf, verlor er sehr früh. Seinem Vater, Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik, verdankte er es nicht zuletzt, dass er sich je länger, desto weniger mit dem Widerspruch zwischen wissenschaftlichem Welt- und Selbstverständnis und religiösem Glauben abzufinden bereit war. So überrascht es kaum, wenn sich sein Interesse später mit einer gewissen Vorliebe der Evolutionstheorie als, wie er fand, zur Zeit „umfassendste(m) Rahmen humanwissenschaftlicher Erkenntnisse“ zuwandte.5) Von diesem für einen Geisteswissenschaftler, zumal einen deutschen Theologen, zunächst eher ungewöhnlichen Ansatz her versuchte er, auch den theologischen Sinngehalt biblischer Texte neu in den Blick zu bekommen.6)

Dergleichen ging freilich nicht ohne Friktionen und ‚Tabubrüche‘ ab, und das heißt auch: es war nicht kostenlos zu haben, stieß vielmehr, vor allem in der deutschsprachigen Welt, auf massive Widerstände. Ein ihm befreundeter Landsmann und Zunftgenosse (mithin Neutestamentler), selbst preisgekrönter Prediger, beschreibt, worum es ging, rückschauend so: Sein „radikale(s) Hinterfragen, das Sich-Nicht-Zufrieden-Geben und spielerische Suchen nach anderen Sichten, wo andere sich mit Antworten zufrieden gaben“, „manövrierte ihn oft in ein kreatives ‚Aus‘, das ihm zu Beginn seiner Laufbahn verwundende Schläge seitens deutscher Zunftkollegen bescherte“. Er „war in Deutschland erst berufbar, als er bereits in Kopenhagen auf einem Lehrstuhl saß. Erst allmählich merkte die Zunft, dass das vermeintliche ‚Aus‘ des Gerd Theißen auch Spielfeld sein konnte; sie zog nach, erweiterte ihre Spielfläche in das ,Aus‘ des Gerd Theißen hinein. Der aber bewegte sich dann schon wieder woanders, in einem neuen kreativen ‚Aus‘. Wer in der Zunft sich beispielsweise durchgerungen hatte, seinen Methodenwerkzeugkasten durch eine sozialgeschichtlich orientierte Exegese zu erweitern, sah Gerd Theißen bereits über einen anderen Tabuzaun klettern, der im Gefolge der dialektischen Theologie errichtet worden war, zum Beispiel über den Zaun zu einer psychologisch ausgerichteten Exegese7) hin, deren Möglichkeiten er im Gespräch mit seiner Frau, einer Psychologin und Psychotherapeutin, auslotete. Viele kamen nicht so schnell nach, sich die Augen reibend angesichts des mit ungeheurem Fleiß vorangetriebenen Oeuvres“.8)

Der Rückblick erwähnt anschließend noch, ehe er das angesprochene Oeuvre mit seinen verschiedenen „pionierhaft ausgebaute(n) Schwerpunkte(n)“ näher zu beschreiben anhebt, die neutestamentliche Zunft habe vielfach auch nicht bemerkt, „dass Gerd Theißen plötzlich im Hochwald der Praktischen Theologie jagte und dort eine Predigtlehre und eine Bibeldidaktik entwarf“.9)

Und damit sind wir wieder bei unserem Thema. Es ist in meinen Augen für dessen volles Verständnis unumgänglich – deshalb der gewählte „Umweg“ – , zumindest aber ist es bei der Beschäftigung mit Theißenschen Predigten nützlich und aufschlussreich, deren Zusammenhang mit seinem Gesamtwerk wahrzunehmen und bei der Lektüre im Blick zu behalten. Hinter allem, all seiner „grenzgängerischen Rastlosigkeit, die uns neue Räume eröffnete“, ist nämlich eine „Urneugier“ festzustellen, das Erfahren- und Begreifenwollen, „wie die biblische Botschaft ins berührbare All-tagskleinklein einerseits der Historie umgesetzt wurde und andererseits in der Gegenwart umsetzbar ist“.10)

Mit anderen Worten: Es ist alles andere als eine Laune oder ein Zufall, dass G. Theißen gern predigt. Seit ihm in der Bonner evangelischen Studierendengemeinde der frühen 60er Jahre des ver-gangenen Jahrhunderts vom damaligen Pfarrer, unter dem Eindruck einer von ihm gehaltenen Andacht, bescheinigt wurde, er könne es, könne predigen, und er müsse deshalb unbedingt Pfarrer werden, erfüllte er in seinem Studium der Evangelischen Theologie zugleich alle Voraussetzungen auch für die Zulassung zum Studienabschlussexamen (Erste Theologische Prüfung) seiner (Rheinischen) Landeskirche, welches er selbstredend glorios bestand. In seiner Heidelberger Zeit hat er (1988) die Ordination als Pfarrer der Badischen Landeskirche erstrebt und – nach den langjährigen guten Erfahrungen mit ihm als regelmäßigem Prediger in den Sonntags- und Wochengottesdiensten der Peterskirche – auch problemlos erhalten.

Ihm lag und liegt daran, dass sich Exegese und Homiletik, also Bibelauslegung und Predigtlehre wie -praxis, nicht aus dem Auge verlieren. Lebten sie im Protestantismus aus naheliegenden Gründen seit jeher in enger Beziehung und bildeten sozusagen ein Paar, so macht dieses Paar, nicht nur in seiner (Theißens) Wahrnehmung, seit einiger Zeit eine Krise durch, wenn es sich nicht gar im Zustand der Zerrüttung befindet. Er aber ist nicht gesonnen, sich an diesen Kriegszustand zu gewöhnen, sondern er wirbt nach Kräften für einen ebenso vernünftigen wie liebevollen Umgang mit der Bibel, dafür, dass der Bibelbezug in der Predigt nicht „den bloßen Anwen-dungsfall“ bildet, „sondern als hermeneutisch reflektierte Grunddimension“ erkennbar bleibt.11)

Seit vielen Jahrzehnten mischt sich G. Theißen ein in das Ringen um die Predigt, sei es in der öffentlichen Debatte oder im (hoffentlich) stillen Kämmerlein der Predigtvorbereitung. Er hört zu, er sucht zu verstehen, was an Hemmnissen bestehen mag, und er bemüht sich, diese nach besten Kräften überwinden zu hel-fen. Er tut das in ebenso behutsamer wie umfassender Weise in seiner aus der Rechenschaft über die eigene Predigtpraxis erwachsenen Homiletik,12) aber auch in einzelnen Aufsätzen und Vorträgen, und zwar dann nicht nur bündiger, sondern auch ein Stück weit kämpferischer, immer aber in der erkennbaren Absicht, zu einem angstfreien, freimachenden Dialog mit der Bibel und über sie mit Gott und der Welt zu ermutigen.13)

Wer sich in einen (oder gar mehrere) der bislang vorliegenden sechs Predigtbände14) G. Theißens vertieft, wird sich so schnell nicht wieder von dieser spannenden Lektüre losreißen können. Nicht anders erging es mir bei der Vorbereitung dieses Predigerporträts, obwohl ich nicht wenige der Texte bereits kannte. Immer geht es darin um „Variationen zu biblischen Texten“, „die durch erneutes Erzählen des Textes, Abwandlung von Motiven, Wechsel der Perspektive oder Konfrontation von Rezeptionsweisen die Bibel auslegen“.15) Immer ist der Prediger bemüht, die „verborgene innere Rationalität und Weisheit“ der Bibel aufzuzeigen, sie „neu ... entdecken“ zu lassen und zum Vertrauen zu ermutigen zu „ihrer dialogischen Kraft im Gespräch mit säkularen Anschauungen, Religionen und Konfessionen“.16) Und das heißt zugleich: jeder aufmerksame Leser kann merken, dass da ein Brückenbauer am Werke ist, einer, dem die Anschlussfähigkeit von Predigt wie Schriftauslegung allgemein als hohes Gut gilt, einer, der auch, ungeachtet eines klaren eigenen Standpunktes, „Traditionen verbunden“ zu bleiben gedenkt, „die oft als unvereinbar gelten“. „Die Predigtpraxis“, ist er überzeugt, „darf sich nicht einseitig auf eine bestimmte Theologie festlegen. Dazu sind das Leben, die Bibel und die Theologie viel zu komplex“.17)

Mit einem solchen Predigerkollegen zu tun zu haben, mit ihm zusammenzuarbeiten und Gottesdienst zu feiern, ist, ich kann es kaum anders sagen, nicht nur eine außerordentliche Bereicherung, sondern auch ein großes Glück.

Einige Mühe bereitete es allerdings, aus einer Fülle überdurchschnittlich gehaltvoller und anregender Predigten eine Auswahl zu treffen, und erst recht, ein einziges Beispiel zu benennen und vorzustellen. Das war selbstverständlich auch mir abverlangt.18) Ich habe mich am Ende dafür entschieden, die 1993 in Sexau, im Zusammenhang der eingangs erwähnten Verleihung des Gemeindepreises für Theologie, gehaltene Adventspredigt als Exempel zu präsentieren.19) Mich leitete dabei die Erwägung, dass dieser für eine ,normale‘ Gemeinde vorbereitete Text exemplarisch zeigt, wie es gelingen kann, komplizierte Sachverhalte verständlich überzubrin-gen. Glaubensfragen werden hier erörtert, ohne dass die Predigt gedanklich überfrachtet, ohne dass (wesentlich) mehr vorausgesetzt wird als Interesse an der Sache „Schriftauslegung“, als ihre Wertschätzung samt einer elementaren theologisch-homiletischen Urteilskraft, wie sie wenigstens erwachsen kann auf der Grundlage einer soliden Bibelkenntnis,20) all das gepaart allerdings mit dem entschiedenen Willen, auch zu verstehen, was da zu hören (oder zu lesen) ist.

Wie eigentlich immer bei G. Theißen, dem Prediger, ist auch diese Frucht seines homiletischen Bemühens vollkommen klar strukturiert, so dass es sich erübrigt, ihren Aufbau zur Erleichterung der Lektüre nachzuzeichnen. Nicht minder leicht fällt es, Parallelen in seinem Gesamtwerk, unter Einschluss nicht zuletzt seiner Predigten, aufzuspüren, vom Nobelpreisträger in den Naturwissenschaften angefangen bis hin zum gütig lächelnden ostasiatischen Mönch oder zu A. Schweitzer als vorbildlichem Jesusnachfolger mitten im afrikanischen Urwald. Jedoch machte solche Paralle-lensuche nur dann Sinn, käme es darauf an, in unserem Predigtbeispiel angesprochenen Themen (Glaube und Naturwissenschaft, Buddhismus und Christentum, Nachfolge Jesu etc., all das in Theißenscher Sicht), genauer nachzugehen. Aber darum geht es hier mitnichten. Und die Kunst dieser Predigt besteht gerade darin, dass in ihr selbst alles Nötige gesagt ist und es folglich zu ihrem Verständnis der Klärung durch die Befragung von Parallelaussagen keineswegs bedarf.

Sie entspricht schließlich, uneingeschränkt, dem Verständnis von Predigt, wie es ein Jahr nach „Sexau“, in Theißens Homiletik, so umschrieben wird: „Eine Predigt ist eine Rede in einem Gottesdienst, in welcher ein Gemeindeglied stellvertretend für alle die biblische Zeichenwelt durch Auslegung eines Bibel-textes reaktualisiert, in der Hoffnung, durch Dialogaufnahme mit Gott Lebensgewinn zu vermitteln“.21) Was dabei mit „Lebensgewinn“ gemeint ist, wird – in Anrede, Werben und Bitten – entfaltet, seit in der Predigt von der Öffnung des dreifachen Buches (des der Natur, der Geschichte, des eigenen Lebens) für uns die Rede ist, und nicht erst im ein-dringlichen Schluss.

Dass ein Stück Himmelreich auf Erden erlebbar wird, dass ein Tropfen Ewigkeit sich in unser verwirrtes Innere senkt, darum geht es Gerd Theißen, dem Prediger, auch hier.

 

 

Predigtbeispiel: „Der ratlose Himmel und der Schlüssel zum Buch des Lebens“. Predigt über Apk 5,1-10 in der evangelischen Kirche zu Sexau/Br. am 1. Advent, den 29.11.1993.


 

ANMERKUNGEN UND LITERATURHINWEISE

1) Das Buch, 1986 zuerst erschienen, ist rasch zu einem internationalen Bestseller geworden; seit 2012 liegt es in 24. Auflage vor und ist jetzt auch als Taschen- und Hörbuch sowie als eBook verfügbar. Es mag wohl sein, dass ein inzwischen erschienener zweiter Roman des Verfassers, der diesmal seine intensiven Forschungen zu Paulus und der neutestamentlichen Zeitgeschichte dichterisch verarbeitet, betitelt „Der Anwalt des Paulus“ (Gütersloh 2017), an diesen literarischen Erfolg anzuknüpfen vermag.

2) Vgl. die Internet-Seite unter „Ökumenischer Predigtpreis 2016“.

3) Dieses besondere Geschick kommt für den, der Theißen nicht als akademischen Lehrer oder Vortragenden (vor akademischem oder nichtakademischem Publikum) unmittelbar erlebte, wohl am besten in seinem „kritischen Katechismus“ (unter dem Obertitel „Glaubenssätze“, Gütersloh [2012] 32013) zum Ausdruck.

4) Vgl. zum Folgenden Theißens eigenen Rückblick im Beitrag zu dem von E.M. Becker herausgegebenen Band „Neutestamentliche Wissenschaft“ (UTB 2475), Tübingen/Basel 2003, 176-185, unter dem Titel „Von der Literatursoziologie zur Theorie der urchristlichen Religion“.

5) Vor diesem Hintergrund ist es genau so wenig überraschend, dass er in seiner Bonner Zeit dem großen Naturwissenschaftler, Nobelpreisträger für Physik (1989), W. Paul nähertrat. Daraufhin hat man ihn später gebeten, die Predigt im Trauergottesdienst für ihn zu übernehmen; sie ist abgedruckt in dem Predigtband „Lebenszeichen“ (s. unten, Anm. 14, 53-58).

6) Davon handelte bereits Theißens Heidelberger Antrittsvorlesung unter dem Titel „Neutestamentliche Christologie und modernes Bewusstsein“ (später veröffentlicht in dem Symposiumband „Neutestamentliche Grenzgänge“ [wie Anm. 8)], 228-247). Vgl. besonders seine dem Vater als eine Geburtstagsgabe gewidmete Schrift „Biblischer Glaube in evolutionärer Sicht“ (München 1984; englisch: Biblical Faith. An Evolutionary Approach, London 1984); die Zitate sind dem Vorwort, S. 11, entnommen. Eine (in-haltreiche) Kurzfassung ist enthalten in dem Beitrag zu dem von J. Bowden herausgegebenen Sammelwerk „Christianity: the complete guide“. London 2005, 448-452 (unter dem Titel „Evo-lution“), dessen Anfangssatz lautet: „Für viele ist der Evolutionsgedanke ein Argument gegen den christlichen Glauben, für andere aber eine Herausforderung, ihn glaubwürdiger zu formulieren“!

7) In der Heidelberger Theologischen Fakultät, die ihn 1980 aus Kopenhagen wegberief und bis heute zu ihrem Glück behielt, war es nicht zuletzt der über seine Emeritierung (1971) hinaus einflussreiche, von der dialektischen Theologie K. Barths geprägte Systematiker und Ökumeniker E. Schlink, lange Jahre Zweiter Universitätsprediger an Sankt Peter, der, obwohl ursprünglich naturwissenschaftlich ausgerichtet und 1927 in Marburg mit einer psychologischen Dissertation zum Dr. phil. promoviert, in Bibelauslegung und Seelsorge die Distanz zur Psychologie gewahrt wissen wollte.

8) P. Lampe, Gerd Theißen als Grenzgänger, in: derselbe/H. Schwier (Hg.), Neutestamentliche Grenzgänge. Symposium zur kritischen Rezeption der Arbeiten Gerd Theißens (NTOA 75), Göttingen 2010,9-12; hier:10.

9) Mit „Hochwald“ (was im Waldbau den kernwüchsigen, ausgereiften Baumbestand bezeichnet) spielt der literarisch wohlgebildete laudator natürlich auf A. Stifters Roman („Hochwald“ [1852]) an. – Theißens Predigtlehre und seine Bibeldidaktik liegen vor in den Büchern „Zeichensprache des Glaubens. Chancen der Predigt heute“ (Gütersloh [1994] 22001) und „Zur Bibel motivieren. Aufgaben, Inhalte und Methoden einer offenen Bibeldidaktik“ (Gütersloh 2003).

10) P. Lampe (wie Anm. 8).

11) Vgl. nochmals P. Lampe (wie Anm. 8).

12) „Zeichensprache des Glaubens“ (wie Anm. 9); vgl. auch den Beitrag „Exegese und Homiletik. Neue Textmodelle als Impulse für neue Predigten“, in: U. Pohl-Patalong/F. Muchlinski (Hg.), Predigten im Plural. Homiletische Perspektiven, Hamburg 2001, 55-67. Zur Verbindung dieser Homiletik mit der Theoriebildung des Gesamtfachs Praktische Theologie s. den Beitrag von E. Parmentier, Die „Zeichensprache des Glaubens“. Inspiration für die Praktische Theologie als theologische Sprachlehre, in dem Symposiumband „Neutestamentliche Grenzgänge“ (wie Anm. 8), 177-185 (Frau P. spricht dort von „eine[r] Mischung von Sensibilität für heutige Fragen, von wissenschaftlicher Akribie und schöpferischer Originalität“ als dem „spezifische[n] Touch“ von Theißens Homiletik [185]); zu den eher praktischen Aspekten s. H. Schwier, Im Dialog mit der Bibel. Gerd Theißens Impulse für Theorie und Praxis der Predigt, ebenda, 186-201, mit dessen Fazit („3. Was ist wichtig und weiterführend an Gerd Theißens praktischer Homiletik?“ [200f.]) ich völlig übereinstimme.

13) S. besonders im Aufsatz „Über homiletische Killerparolen oder die Chancen protestantischer Predigt heute“, PrTh 32 (1997) 179-202, der überarbeiteten Fassung eines in verschiedenen kirchlichen Gremien vorgetragenen und zur Diskussion gestellten Textes. Darin werden vier verschiedene, im Wechsel der Jahrzehnte nach den „68ern“ vorgetragene, für die Predigt gleichermaßen tödliche Parolen aufgegriffen, sorgsam analysiert und einer differenzierenden, einen gewissen Wahrheitskern nicht leugnenden Beurteilung zugeführt, ehe der Verf., noch aus-führlicher, ebenso viele „Chancen protestantischer Predigt heute“, so wie er sie sieht, entgegenstellt, wobei Chancen nicht als Markt- oder Verkaufschancen, sondern als Verbesserungspo-tenziale verstanden werden.

14) „Die offene Tür. Biblische Variationen zu Predigttexten“ (München [1990] 21992); „Lichtspuren. Predigten und Bibelarbeiten“ (Gütersloh 1994); „Lebenszeichen. Predigten und Meditationen“ (ebenda 1998); „Erlösungsbilder. Predigten und Meditationen“ (ebenda 2002); „Protestantische Akzente. Predigten und Meditationen“ (ebenda 2008); „Transparente Erfahrung. Pre-digten und Meditationen“ (ebenda 2014).

15) So beschreibt der Autor selbst sein Vorgehen im Vorwort zum ersten der bisher erschienenen Predigtbände („Die offene Tür“; s. Anm. 14), 9.

16) So der Schluss des Rückblicks „Von der Literatursoziologie zur Theorie der urchristlichen Religion“ (wie Anm. 4), 185.

17) So das Vorwort zum Predigtband „Transparente Erfahrung“ (wie Anm. 14), 13. Breit entfaltet wird dies Motiv und zugleich „theologische Programm“ (wie ebenda) in der letzten mir zu-gänglichen Monographie aus der ,Feder‘ G. Theißens unter dem Titel „Veränderungspräsenz und Tabubruch. Die Ritualdynamik urchristlicher Sakramente“ (Beiträge zum Verstehen der Bibel 30), Münster 2017. Sie endet mit einem vielsagenden Zitat aus „Glaubenssätze“ (wie Anm. 3), 452 („Was bedeutet das Abendmahl?“).

18) Mein Favorit war lange Zeit – und ist es, offen gestanden, im Grunde noch immer – die Pfingstpredigt in der Heidelberger Peterskirche aus dem Jahr 1989, die mich restlos begeisterte. Predigttext war das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Lk 19, 11-27). Die Predigt ist veröffentlicht unter dem Titel „Der Mensch als Gottes Kapital oder: Die merkwürdige Geschichte des Papstes Kallist“. In ihrem Mittelpunkt steht die – als „Gegengewicht“ gegen die zahlreichen Barrieren, welche die Botschaft des Textes bei uns zu überwinden habe – glänzend nacherzählte Lebensgeschichte des Bischofs Calixt/Kallistos (von einem römischen ,Papst‘ sollte man zu dieser Zeit [um die Wende vom 2. zum 3. Jh. n.Chr.] noch nicht reden), in ihrer zunächst absteigenden, dann aber aufsteigenden Linienführung. Allein, wer würde mir diese Auswahl abnehmen, statt dem gelernten Kirchenhistoriker (mit patristischem Schwerpunkt) „Betriebsborniertheit“ vorzuwerfen?

19) Sie wurde zuerst veröffentlicht, zusammen mit einem in Sexau gehaltenen Gemeindevortrag (über „Frauen im Umfeld Jesu“) in Heft 11 der Reihe „Sexauer Gemeindepreis für Theologie“, Sexau 1993, 24-32, und später im Predigtband „Lebenszeichen“ (wie Anm. 14), 186-192.

20) Das verrät sich meines Erachtens z.B. daran, dass der Prediger offensichtlich voraussetzt, die Gemeinde werde schon erkennen, wie dicht er am verlesenen Predigttext bleibt, auch wenn jeder Hinweis unterbleibt, er zitiere oder paraphrasiere ihn gerade. Auch dass der „Lobpreis“ auf den „Schöpfer“ der verlesenen Perikope unmittelbar voraufgeht (Apk 4, 11), also um deren sachgemäßer Deutung willen unbedingt einbezogen werden muss (und nicht etwa dazu dient, einem Lieblingsgedanken des Predigers Eingang zu verschaffen), ist ihm, wohl aus demselben Grund, nicht weiter der Rede wert.

21) So definiert in „Zeichensprache des Glaubens“ (wie Anm. 9), 23.

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Letzte Änderung: 16.05.2018
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