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Veranstaltungen

So, 26.11.2017

10:00 Uhr

Universitätsgottesdienst

Predigt: apl. Prof. Dr. Johannes Ehmann Liturgie: Pfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs

Mo, 27.11.2017

16:30 Uhr

Der Mensch im Bild: Bildgebung in Medizin und Religion

PD Dr. Jens Keßler (Anästhesie); Prof. Dr. Joachim Kirsch (Anatomie); Prof. Dr. Philipp Stoellger (Theologie)

Mo, 27.11.2017

18:30 Uhr

Labore zur Förderung Sozialer Innovation

Prof. Dr. Johannes Eurich

Mi, 29.11.2017

07:00 Uhr

Abendmahlsgottesdienst, anschl. Frühstück

Do, 30.11.2017

17:15 Uhr

Öffentlicher Seminargottesdienst mit Kirchenmusik- und Theologiestudierenden

Liturgie und Predigt: Alexander Muth Orgel: Lea Krüger

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Aktuelles

Lothar Steiger: Predigt über Mk 1,9-13 in der Woche nach dem 1. Sonntag nach Epiphanias im Abendmahlsfrühgottesdienst in der Peterskirche zu Heidelberg

Am Mittwoch, den 10. Januar 2007, gehalten von Lothar Steiger im Gedenken an seine Frau Renate, geb, Ackermann, die solches Begehren hatte und lehrte mit Hilfe des Johann Sebastian Bach und am 19.November 2006 starb, des vorletzten Sonntags nach Trinitatis.

 

„Und es begab sich zu der Zeit, daß Jesus aus Galiläa von Nazareth kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. Und alsbald stieg er aus dem Wasser und sah, dass sich der Himmel auftat, und den Geist gleichwie eine Taube herabkommen auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste Und er war da allda in der Wüste vierzig Tage und ward versucht von dem Satan und war bei den Tieren und die Engel dienten ihm.“

 

Du liebe Abendmahlsgemeinde!

 

Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist… Darfst dich danach so anreden lassen mit Du und mit lieb, hast Wohlgefallen gefunden. Ach, wer gefällt, muß doch einem Anderen gefallen, muß ein anderes Du haben, eines, das es mir sagt. Wer lieb ist, muß dazu gemacht worden sein, muß eine Stimme haben, damit alles stimmig sei und stimme, eine vom Himmel, die einen dahin erhebt, „in den siebenten Himmel der Liebe“, wie im Schlager sich die Geliebte ihren Partner erträumt, daß sie dahin tanzen könne, einen Königssohn, der ein Aschenputtel von Seele erwählen und auffordern würde, wovon, wenn es geschah und Wirklichkeit wurde, sie weiter träumte des Nachts und am Tage, ja in aller Herrgottsfrühe sänge, wie du ja hier tust, wie Liebende tun, wenn sie geliebt sind. Du singst dich an mit „meine geliebete Seele“(EG 317), mußt es rauslassen, mußt zurück- und widerlieben, platzt damit raus, singst: „das ist mein Begehren“. Was für ein Begehren und woher? Ein solches und daher, daß du den Anderen fändest, den lieben Geliebten vom siebten Himmel, von Ewigkeit her, der allein das `Du `sagen kann, weil er das Du des Vaters ist, der Königssohn des Königs ist, den du jetzt loben mußt als „den Herrn, den mächtigen König der Ehren“. Er hat nämlich der Verlobung deiner mit ihm zugestimmt, wie es im Epheserbrief heißt, daß er seinen Segen dazu gegeben habe von Anfang an, so sehr, daß die Verbindung im Himmel geschlossen sei, eine Hochzeit vor aller Zeit.

 

Der Epheserliebesbrief

 

Hör nur, wie der Epheserliebesbrief damit rausplatzt; gleich am Anfang mit seinem Begehren: „Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, wie er uns denn erwählt hat durch denselben, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe…nach dem Wohlgefallen seines Willens“(Eph 1, 3-5).

Halt dich fest, so festgehalten bist du, ausgesagt von dir, die du doch ein Geschöpf bist, zeitlich und endlich, und dem Sohn, der nicht das alles ist, sondern „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“, wie das hohe Glaubensbekenntnis an Weihnachten doch sagt. Du bekennst: daß du, liebe Seele, die du unendlich unterschieden bist als endlich, ja getrennt bist von Gott, im Finstern bist, Du sollst solch Fenster haben am Morgen mit „Morgenglanz der Ewigkeit“, auch Licht sein „vom unerschöpften Lichte“, daß kein Blatt Papier außer dem der Heiligen Schrift zwischen dir und deinem Geliebten paßt. Du sollst von Ewigkeit her gleichzeitig sein mit der Liebe, die im Innern Gottes, innertrinitarisch, hin und her geht zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist. Da ist ein Dreivierteltakt, der wirklich tanzt im Kreis und Ringelreihen, mit Aurelius Augustins Lob und Begehren: amans, amatus, amor – liebend Gott Vater, geliebt Gott Sohn, die verbindliche Liebe Gott Heiliger Geist. Wenn die dich drehen ad extra, dreieinig nach außen, wird dir schwindlig, geliebete Seele, im Tanz von dem geführt, der einzig lieben kann, weil er geliebt ist, der einzig zu dir `du `sagen kann, weil er selber ein Du, das Du ist, nicht von dir aufgebracht, woran alle menschliche Liebe scheitert, im Begehren und Suchen, in verzweifelter Gleichzeitigkeit, sondern sein Du dir gegenüber kommt vom Du des Vaters her, der in Ewigkeit und in der Zeit bei demselben Du, bei demselben Wohlgefallen bleibt im Himmel wie auf Erden, wie hier zu hören ist nach Jesu Taufe: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

 

„Du bist mein lieber Sohn“

 

Die himmlische Stimme, damit sie ja dir verständlich werde, zitiert ein dir schon früher bekanntes Lied, aus dem Alten Bund den Psalm (2,7), als Stimme vom Himmel muß sie sich so anschließen, kann nur bei sich selbst anknüpfen, an die eigene Stimme. Die erging an einen irdischen König in Israel, hob diesen hoch, wie man Politiker und sonstige öffentlich Verantwortliche erheben und ermutigen muß durch Weihnachts- und Neujahrsansprachen, was Gottes Stimme tat mit den Worten bei der Königskrönung und Thronbesteigung, so: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget“ (Ps 2,7). Das Beiwort `lieb `ist hier nicht sogleich beigefügt zu `mein Sohn`, weil man bei solchen Königssöhnen nicht wissen kann, ob sie, wenngleich geliebt, auch lieb bleiben und sind. Oder ob sie nicht doch lieber mit den bösen Schwestern tanzen, aber die arme Stiefschwester in der Asche sitzen lassen. Deshalb läßt die himmlische Stimme im Falle des wahren lieben Sohns eine Taube herabkommen, die beim Unterscheiden der Wörter hilft: die guten in dein Töpfchen und die schlechten Bedeutungen ins Kröpfchen nimmt. Das tut der Heilige Geist als Unterscheidungskünstler einfach durch Weglassen, zuvor aber durch Zufügen: Er tut dir das Beiwort lieber zum Sohn ins Töpfchen, genauer das ge-liebt, weil ja auf Griechisch das Beiwort ein Verbaladjektiv ist, heißt agapätos, kommt vom Liebesverbum und ewigen Werben des Vaters her, wird so als Adjektiv angeworfen, adjiziert, nicht nur am Tage, sondern auch in der Nacht, wie Till Eulenspiegel auf des Schneidermeisters Geheiß die Ärmel schnell noch an den Rock werfen sollte, das wörtlich nahm, wie man einen Meister doch beim Wort nehmen können soll, aber dabei alles Kerzenlicht verbrauchte, weil es eben nicht schnell ging, sondern währte bis in die Nacht und wieder an den Morgen, was allein mit dem geliebt oder agapätos gelingt, das zusammen mit dem Sohn einen Rock mit Ärmeln ergibt. So müssen auch die Liebeworte dauernd geworfen werden bei Tag und bei Nacht, zugeworfen werden vom Vater dem Sohn, wie hier am Morgen der Taufe bei Auftauchen aus der Wassernacht: Du bist mein geliebter Sohn. Der Nachsatz wird weggelassen, ins Kröpfchen genommen: „Heute habe ich dich gezeuget“, weil doch das Heute das Heute von Ewigkeit her ist, das ewige Heute immer war und ist und sein wird. Da soll ich nicht als Naseweis und Exeget kommen und sagen, bei der markinischen Taufe Jesu werde eine adoptianische Christologie aufgeführt, die vermeintlich erst jetzt einen bloß historischen Jesus als Christus und Sohn adoptiert, nein! Denn das Stück, das im Markusevangelium spielt, hat in der Überschrift als Programm: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes…“(Mk 1,1). Der kommt als Sohn wohl her mit der Stimme des Propheten und des Predigers, am Ende aus der Wüste mit der des Johannes des Täufers, die „Himmelsblum“ hat „die Süße Wurzel Jesse“(EG 70,1), aber beschienen von der „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal 3,20). Er kommt geradewegs vom Himmel, ist die Sonne für die geliebte Seele, deren König und Bräutigam, „lieblich, freundlich, schön und herrlich“. Ist ge-liebt mit dem Präfix des Perfekts, das heißt in deutscher Grammatik: Vollendete Gegenwart, weil man aus der Vergangenheit in die Gegenwart gelangt. Du sagst: Ich habe geschlafen und bin jetzt wach. Ich habe gegessen und bin jetzt satt. Ich bin geliebt worden und bin jetzt, ja was? Ja, ins Passiv gelangt die Vorsilbe ge-, vom leidenschaftlichen Geliebt-haben ins leidentliche Geliebt-sein. Hörst du und siehst du, der Sohn kann nicht anders von dir angenommen werden als so in vollendeter Gegenwart. Er kann der Geliebte nicht erst werden; er muß es schon sein, um gegenwärtig zu werden: wie deine Verlobung mit ihm ja auch schon ist. Seid ihr ja beide, Er und Du, wie der Epheserbrief fortfährt vom „König der Ehren“ her Kinder, Königskinder, wenn es heißt von Gott Vater: „und er hat uns verordnet zur Kindschaft gegen sich selbst durch Jesum Christum, nach dem Wohlgefallen seines Willens“ (Eph 1,5).

Doch nun kommt die Frage: Warum so tief hinab ins Passiv, in die Vorsilbe ge-, von lieb in geliebt, erst in die Krippe, nun auch bei Markus triefnaß ins Wasser? Wegen der Gleichzeitigkeit von Kindschaft an Weihnachten tief ins Fleisch, geliebete Seele, verliebt mit ihm von „Mutterleib und Kindesbeinen an“! Und an Epiphanias, damit du mit dem Perfekt der Nacht: Ich habe geweint – vollendet fortfahren kannst am Morgen: ich bin nun froh, stimme mit der Stimme vom Himmel „froh mit ein“ (EG 16,1). Schön und herrlich sein mit dem, der auf das Begehren der Donnerkeilsöhne, die allzubald aus dem Wasser steigen wollten ihrer Taufe und „sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit“(Mk 10,37), die Frage stellte, ob solches Begehren nicht zurückkriechen müsse unter die Taufe, unter „die Taufe, mit der ich getauft werde“, mit einem Trinken des Kelchs, „den ich trinke“.

 

Fiel die Hochzeit ins Wasser?

 

Fiel die Hochzeit ins Wasser? Was kam dazwischen? Daß das anfängliche Wohlgefallen solche Ausführung sich hat gefallen lassen müssen? Daß aus deinem Begehren, liebe Seele, ein solches Taufbegehren werden mußte, daß dich allererst zu einer wahrhaft ge-liebeten Seele machen sollte. Was kam dazwischen, ja was? Wasser, Böses und tödliches Wasser, das ein anderes Wasser brauchte, ein gutes und lebendig machendes Wasser, das Unheilwasser zum Heilwasser. Frag dich: Wenn du erwählt worden bist vor aller Schöpfung, mußte dann nicht der Aufwasch und Putz gemacht werden, um alles neu zu machen für die Hochzeit? Von Grund auf, ja gründlich von Abgrund auf, „ehe der Welt Grund gelegt war“ neu, „daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe“, ein Großreinemachen mit ordentlich Wasser, Tohuwabohuwasser mit wieder darüber schwebendem Geist, in Gestalt einer Taube. Du lachst, weil die Sintflut flugs wird zur Sinkflut, aus dem Ertrinkwasser ein Tränkwasser für Mensch und Vieh, aus Totes Meer ein Rotes Meer, durch das eine Seele ziehen kann samt Leib, Wasser und Geist wohlbeieinander, durch jede Wüste, aus der Seitenwunde der Liebe wohlunterschieden frisches Wasser, das nicht brackig wird, und Blut, das fließt, weil „in ihm das Leben ist“ (3. Mose 17), und nicht stockt: „ich habe es euch auf den Altar gegeben, daß eure Seelen damit versöhnt werden“. Dazu also ist die Taufe da, die anfängliche, daß sie weiterfließe, wie eine Quelle doch tut, zum Bach und Fluß wird, zum Meer. Damit eine Seele eine geliebete bleibe und rufen könne: „Gott, hilf mir; denn dasWasser geht mir bis an die Seele. Ich versinke in tiefem Schlamm, da kein Grund ist“(Ps 68, 2.3).

 

Das Lied von den zwei Königskindern

 

Kennst du das Lied von den zwei Königskindern, die einander so lieb hatten, was aber nicht zureichte, daß sie zueinander hätten kommen können? Ein altes Volkslied, seit dem 12. Jahrhundert bekannt, nur schwer ins Hochdeutsch immer zu fassen. Das geht so: „Et wassen twe Künnigeskinder,/de hadden enanner so lef;/ de konnen tonanner nich kummen,/ det Water was vil zu bred.“ Zu breit und zu tief, ja.

Lef Herte, kannst du der nich swemmen?“, fragt die Geliebte, also meine geliebte Seele. Sie, nein, sie kann nicht schwimmen, das muß schon der Königssohn machen, sie will aber dazuhelfen mit Kerzen Stellen ins Fenster: „lef Herte, so swemme to mi!“ Lieb Herze, so schwimme zu mir. „Ick will di twe Keskes upstecken“ – Ich will dir zwei Kerzchen aufstecken – „und de sölld löchten to di“ – und die sollen leuchten zu dir. Eine falsche Nonne hat die Kerzchen ausgelöscht: „Se deit de Keskes utdömpen“, das ist im tragischen Liebeslied eine andere Person, aber in der Glaubensgeschichte ist es die andere Seite meiner Person, die andere Seite aller Sehnsucht, alles Begehrens, aller menschlichen Liebe, mit erst leuchtenden Kerzen im Fenster, die wieder „utgedömpt“ werden, mit dem Daumen dump und dumm nach unten, mag der zuerst nach oben gezeigt haben und gegangen sein. Mit der bösen Folge, daß lieb Herze in der See blieb: „lef Herte blef in de See.“ Ich fahre jetzt unkommentiert fort, weil ihr ja alles allein umdenken und deuten könnt auf die Taufe, wie jetzt das Begehren der liebenden geliebeten Seele sich erweitert und vertieft in ein Taufbegehren, wodurch sie doch eins wird mit dem Geliebten, die Königskinder dennoch kommen zu guter Letzt letztendlich. Auf Hochdeutsch in die Tiefe: „Es war auf ein` Sonntag morgen, /die Leute waren alle so froh,/ nicht so des Königes Tochter,/ die Augen setzten ihr zu.- `O Mutter/Mutter, sagte sie, Mutter/ Meine Augen tun mir so weh: / mag ich denn nicht gehen spazieren/ an die Kant von der rauschen See!“ – „Die Mutter ging zu der Kirchen,/ die Tochter ging an die Seekant,/ sie ging denn so lange spazieren,/ bis sie einen Fischer fand, - o Fischer, liebster Fischer!/ ihr könnt verdienen groß Lohn,/ setzt Eure Netze zu Wasser,/ fischt mir den Königssohn!“ Er setzte seine Netze zu Wasser,/ die Lotchen sanken zu Grund,/ er fischte und fischte so lange,/ der Königssohn wurde sein Fund.- Da nahm die Königstochter/ vom Haupt ihre goldene Kron:/ `Sieh da, wohledler Fischer!/ Das ist Euer verdienter Lohn.`- Sie zog von ihrem Finger/ den Ring von Diamanten so schön:/ `Sieh doch, wohledler Fischer!/ das ist Euer verdienter Lohn.`- Sie nahm in ihre blanken Arme/ den Königssohn, o weh!/ Sie sprang mit ihm in die Wellen: `O Vater und Mutter, ade!`“.

Ein paar Strophen sind in dieser Fassung, das Ganze abkürzend, aber doch auch entstellend, ausgelassen. Die Geliebte, die geliebete Seele, muß allein an den Strand, an die Waterkant, gehen, was unterstrichen wird dadurch, daß die Mutter, besorgt um sie, wollte, daß ihre kleinen Geschwister sie begleiten, zuerst die kleinste Schwester, dann der kleine Bruder, was aber von der Liebenden lebhaft abgewehrt wird damit, daß die Kleinen viel zu verspielt seien, die eine wolle nur Blumen pflücken am Strand, der andere dort auf Vögel schießen, am Ende würden beide in Gefahr geraten und sogar umkommen, was auf sie, die Älteste, weil sie nicht aufgepaßt habe, zurückfallen mit der Nachrede der sie beschuldigenden Leute. Ich kommentiere nun doch: Es gibt Lagen, da mußt du alleine gehen, mußt ein Einzelgänger sein, getauft wird die einzelne Seele, darf auch, ja muß in ihrer Liebesnot allein zum Tisch des Herrn gehen. „´O Mutter`, sagte sie, `Mutter! Mein Herze tut mir so weh,/ laß  andere gehen zur Kirche!/ Ich bete an der rauschenden See!`- Da setzte die Königstochter/ aufs Haupt ihre goldene Kron,/ sie steckte auf ihren Finger/ einen Ring von Diamanten so schön.“

Du glaubst den Satan nicht?

 

Vielleicht verstehst du jetzt und zum Schluß, warum in der Zeit der Epiphanias so viele Liebeslieder stehen einer geliebten, möglich jetzt auch deiner geliebeten Seele, Lieder, die man in der Kirche scheinbar froher Leut kaum beachtet und noch weniger singt, weil man dazu an der Wasserkante seiner Taufe spazieren gehen muß, zu blumig sind sie den meisten und kindische Kritiker erklären sie für vogelfrei und schießen auf sie. Du aber bist gern verblümt mit dem „Blümelein, so kleine“ und wirst „auf Adelers Fittichen sicher geführet“, mußt ja alsbald hinaus ins feindliche Leben, getrieben vom Geist in die Wüste, um mit den wilden Tieren zu kämpfen, mit den wirklichen und den eingebildeten, den fernseh-animierten, mit allerlei krank machenden üblen Geistern, die der Satan dämonisch auf die Beine bringt, wie das Markusevangelium uns zeigt, wenn man, durch Wasser und Wüste gezogen, gelangt in die von Menschen gewohnte Welt. Du glaubst den Satan nicht? Den Luzifer, den Lichtengel pur? Der brannte mit lauter Glühlampen der Liebe? Das Licht, das reine, das er tragen und bringen wollte? Nicht zwei Kerzlein nur ins dunkle Fenster gestellt, die dömpte er aus und fiel so erst recht in die Finsternis, zu dir auf die Erde, versucht sich und dich darin, dir gefällig zu sein, wohlgefällig deinem Unglauben? Ach, so glaubst du ihn ja – und glaubst die Engel nicht, die einem dienen in der Wüste. Wie`s im Gleichnis von dem Sämann heißt: daß der Satan das Wort (Mk 4,15) wegnimmt vom Herzen, das Körnchen Wahrheit, das auf den Weg fiel, den eine geliebete Seele unter ihre Füße nehmen sollte mit der Zahl 40, nach ihres Geliebten Vorbild, der auf die Vorbilder weist: und er war allda in der Wüste vierzig Tage. Mit Vierzig und der Wüste sind dir die Lese- und Lebespuren gewiesen und gelegt, Bojen zum Schwimmen: heile, heile Segen, 40 Tage und Nächte Sintflutregen (1. Mose 7,4.12.17); 40 Jahre das Volk Gottes allein in der Wüste, wo „die Kinder Israel aßen das Manna vierzig Jahre“(2. Mose 16,35); 40 Tage und Nächte Mose allein auf dem Berg Sinai, um schreiben zu lernen auf steinernen Tafeln das Gebot (2.Mose 24,18); 40 Tage und Nächte (1.Kön 19,8) Elias Weg zum Horeb, getränkt und gespeist von den Engeln, von ihnen geweckt aus dem Schlaf der Resignation, der sich die Bettdecke zieht über den Kopf. Siehst du, geliebete Seele, die Vorbilder, die du dir einbilden sollst, um kein eingebildeter Kranker mehr zu sein, die Wurzel Jesse ist nicht fade süß, wie unsere Süßigkeiten sind, sondern bitter süß, wie auch das Leiden deines Geliebten heißt, die 40-Tage-Passion, die Quadragesima-Zeit, der Weg von der Taufe zum Kreuz, in diese Wellen wirfst du dich rein, mit blanken Armen Ihn umarmend, schwimmend, ins Taufwasser, aus dem eine geliebete Seele ihren Königssohn und Heiland gezogen zieht. Da erst hat sie die Nähe des Reiches Gottes, hat sie dich.

Hast wohl bemerkt, daß zwar Matthäus durch den Täufer die Nähe des Königsreiches ansagen läßt (Matth 3,2), dein Markus aber nicht, sondern erst nach Jesu Taufe läßt er die Nähe verkündigen aus dem Mund des Geliebten, der spricht: „Die Zeit ist erfüllet, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“(Mk 1,15) – hast du`s? daß man mit Ihm aus Wasser und Wüste die Nähe hat, mit dem Königssohn das Königreich Gottes? Und gleich darauf siehst du Simon und Andreas als Fischer ihre Netze auswerfen (Mk 1,16f.) – wen sie wohl an der Waterkant, Liebste und Fischer zugleich, finden und fangen, und dafür „alsbald“ alles weggeben als Lohn, sogar ihre Netze?

 

Das Liebeslied

 

Du weißt es, singst jetzt als Predigtlied zuerst das Liebeslied Philipp Nicolais, das eine geliebete Seele singt am Strand von Not, Tod und Pest – und dabei nicht strandet, sondern schwimmt im Licht, das der Morgenstern streut ins Fenster, singst: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, singst es bis zur fünften Strophe, in der es heißt: „du hast mich ewig vor der Welt/ in deinem Sohn geliebet“ (EG 70, 1-5). Singst danach, vor der Kollekte, das Lied der Elisabeth Cruciger, darum bittend, daß wir in der Liebe und Kenntnis seines Kreuzes zunehmen, singst: „Herr Christ, der einig Gotts Sohn, Vaters in Ewigkeit,/ aus seim Herzen entsprossen“(67, 1-5). Singst zum Ausgang dein Tauflied aus der Feder des Johann Jakob Rambach, der seinerzeit unter die Taufe so kroch in der bis heute reichen armen Stadt Halle, sang: „Ich bin getauft auf deinen Namen,/ Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;/ ich bin gezählt zu deinem Samen,/ zum Volk, das dir geheiligt heißt./ Ich bin in Christus eingesenkt,/ ich bin mit seinem Geist beschenkt.“ So erneut „des Satans schnöden Werken“ die Absage erteilend (200, 1-6).

 

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Lothar Steiger: 33 Jahre Prediger in der Peterskirche zu Heidelberg

 

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Letzte Änderung: 03.05.2017
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