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Adolf Martin Ritter: Predigt zum „Israelsonntag“ 2014 über Röm. 11,25-32 in der Peterskirche (Heidelberg)

Kanzelgruß: Ich grüße die Gemeinde mit dem Lobpreis aus dem 11. Kap. des Römerbriefes. Der Apostel Paulus schließt damit seine weit ausgreifende Besinnung über Gottes wunderliche Wege und Umwege in der Geschichte von Israels Erwählung, mit dem prophetischen Ausblick auf den Triumph der allerbarmenden Gnade als „letztem Gang“. Er schreibt (Vers 33-36): „Welch unergründliche Fülle der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Entschlüsse, wie unerforschlich seine Wege. Denn wer hätte erkannt, was der Herr im Sinn hat, und wer wäre sein Ratgeber gewesen? Oder wer hätte ihm im voraus gegeben, so dass er es ihm zurückerstatten müsste? Sondern: von ihm und durch ihn und auf ihn hin sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit“. Amen

 

Predigttext: Der für heute vorgeschlagene Predigttext geht dem unmittelbar voraus und lautet:

 

(25) Ich will euch, liebe Geschwister, dies Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; (26) und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jes. 59,20; Jer. 31,33): „Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. (27) Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihnen ihre Sünden wegnehmen werde“. (28) Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. (29) Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. (30) Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, (31) so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie Barmherzigkeit erlangen. (32) Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

 

Gebet: Du aber, o Herr, erbarme dich über uns.

Amen.

 

Liebe Gemeinde,

 

Als ich anfing, mich mit diesem Text – im Hinblick auf eine Predigtaufgabe –zu beschäftigen, hatte sich das israelische Militär gerade aus dem Gazastreifen zurückgezogen und einen Waffenstillstand angeboten. Mich wühlte dieser Konflikt fast mehr auf – und tut dies bis heute – als die anderen, die uns derzeit Not machen: einmal, weil Israel noch immer so unendlich überlegen ist und diese Überlegenheit auch bedenkenlos aus-spielt, scheinbar gerechtfertigt durch den unerträglichen Zynismus der Hamas (und ihrer internationalen Unterstützer), die Unsummen verausgabten zur Anlage einer riesigen, unterirdischen Tunnelfestung und zur Ansammlung von Raketenbergen, aber buchstäblich nichts taten zum Schutz der Zivilbevölkerung vor den zu erwartenden Bombardements der Israelis, vielmehr Kinder, Frauen, Greise als menschliche Schutzschilde missbrauchten, was allgemein als ein schweres Kriegsverbrechen gilt; zum andern und vor allem, weil Israel für mich noch immer das Volk der Bibel ist, dem Gott seine Verheißungen zugesagt hat, und weil wir Christen, besonders in Deutschland, uns wohl auf immer in seiner Schuld wissen müssen.

Wäre es ein gangbarer Ausweg, von der Gegenwart abzusehen und zu sagen, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun? Sicherlich nicht, und das tut weh, fast so weh wie – eine hoffnungslose Liebe.

Hoffnungslose Liebe? Ist das das Stichwort, das uns eine Brücke schlagen lässt und das alle verbindet: Paulus und Israel, das Israel von einst und das von heute, schließlich uns und den Text?

Kein Zweifel, Paulus hat sein Herkunftsvolk,
Israel, geliebt; und, anders als bei anderen „Konvertiten“, ist seine frühere Liebe nicht in Hass
oder auch „nur“ Verachtung umgeschlagen.

Paulus hat Israel so sehr geliebt, dass er wünschte, selbst „verflucht und von Christus getrennt zu sein“ für seine „Brüder“, seine „Stammesverwandten nach dem Fleisch“, wie er selbst sie nennt (Röm 9,3). Umso mehr treibt ihn im Römerbrief, dem letzten, der uns aus seiner Hand erhalten ist und ganz den Charakter eines paulinischen „Testaments“ an sich trägt, die Frage um, ob etwa seine Verkündigung, die Predigt von der Rechtfertigung, „ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“, wie sie „der eine Gott“ Juden und Nichtjuden gleichermaßen zuteil werden lasse (Röm 3,28. 30), angesichts ihrer Ablehnung  durch die Mehrheit der Israeliten nicht zu dem Schluss nötige, Gott habe Israel die Treue gebrochen (vgl. Röm 3,3; 9, 6a; 11,1).

Fundamentales steht hierbei für ihn auf dem Spiel.  Er behauptet ja, in Christus seien „alle Gottesverheißungen“ der Schrift „Ja“ und „Amen“ (2. Kor 1,20). Und das heißt, in ihm habe Gottes Macht, seinen Rettungswillen in der Geschichte durchzusetzen, ihre endzeitliche Gestalt gewonnen.  Nun aber gelten diese Verheißungen, wie er keineswegs bestreitet, sondern im Gegenteil bekräftigt, zuerst Israel (Röm 1,16). Wenn also seine Verkündigung nicht auch Israel zum Heil gereichte, wäre sie in ihrem Anspruch, das Evangelium Gottes zu sein, widerlegt. Darum muss Paulus aufzeigen, dass und wie das Evangelium zur Rettung ganz Israels führt (Röm 11,26a).

Als frommer Jude aufgewachsen, befolgt er selbst den Ratschlag, sich nicht selbst für klug zu halten, sondern vertieft sich in die Schrift. Beim Propheten Jesaja liest er von der zeitweiligen Verwerfung  Israels (Jes 27,8), seinem Mangel an rechter Gottesfurcht und Gehorsam (59,13)
sowie dem vorübergehenden Fehlen des Erbarmens Gottes (27,11), aber auch von dem künftigen Erweis göttlicher Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Rettung (59,16f.), der Anerkennung des HERRN durch die „Weltvölker“(59,19), die besser nicht mehr so von uns genannten Heiden , bei seinem Erscheinen in Jerusalem (60,1f.), dem Kommen der Weltvölker eben dorthin (60,3), der Sammlung ganz Israels zur Anbetung des HERRN am Zion (27,12f.) und dem Reichtum an Früchten, der den ganzen Erdkreis dort erwartet (27,6). Mit besonderem Interesse dürfte Paulus die Ankündigung gelesen haben, dass die Weltvölker alle Kinder Zions (= Jerusalems) dorthin tragen (60,4); darauf kann sich seine Erwartung stützen, ganz Israel werde erst infolge der endzeitlichen Völkerwallfahrt Rettung erfahren.

So formen sich seine Gedanken; und so beginnt auch der beim ersten Anhören reichlich rätselhafte Text, der uns heute zu bedenken aufgegeben ist, etwas von seiner Rätselhaftigkeit zu verlieren (Ich paraphrasiere ihn ein wenig, zur besseren Verständlichkeit, wenn auch in aller gebotenen Kürze).

Mit ihrem Unverständnis für und ihrem Widerstand gegen das Evangelium als „Gottes Kraft zur Rettung für jeden Glaubenden, sowohl – (und zwar) zuallererst – für Juden als auch für Griechen“ (1,16), anders gesagt: Nichtjuden, erweisen sich die nicht-christusgläubigen Israeliten als Feinde. Dies geschieht freilich den (überwiegend sicherlich) nichtjüdischen „Geliebten Gottes (und) berufenen Heiligen in Rom“, an die der Brief des Apostels gerichtet ist (1,7), zugute; erst infolge jenes Widerstandes ist ja das Evangelium zu ihnen gelangt; und den Zusagen an die Väter Israels gemäß bleibt Gottes Liebe, die in der Erwählung Ausdruck fand, bestehen. Gottes Gnadengaben an Israel sind ebenso unwiderruflich wie die Berufung durch Gott, die zuerst Israel erfuhr und nun die Gemeinschaft der christusgläubigen Juden wie Nichtjuden erfährt. So ergibt sich für Paulus, heilsgeschichtlich gesehen, ein Entsprechungsverhältnis: Einst, vor ihrer Hinwendung zum Evangelium, waren die nichtjüdischen Christusgläubigen – in Rom wie anderwärts – selbst Gott ungehorsam; nun aber ist ihnen, infolge des Ungehorsams so vieler Israeliten gegenüber dem Evangelium, und eben durch das Evangelium, Gottes Barmherzigkeit zuteilgeworden. Entsprechend zieht nun der Ungehorsam auf Seiten Israels die Erfahrung göttlichen Erbarmens nach sich; denn so gewiss erst dieser Ungehorsam dazu führte, dass Nichtjuden (auch und gerade in Rom) jetzt im Evangelium Gottes Erbarmen finden können, so gewiss soll auch jenen Israeliten Barmherzigkeit widerfahren; einigen schon jetzt,  wenn sie sich von Gottes Zuwendung zu den Weltvölkern zum Christusglauben reizen lassen (vgl. 10,19-21; 11,11.13f.23), allen anderen dereinst, wenn Christus selbst sich ihnen im Rahmen der endzeitlichen Völkerwallfahrt zum Zion als Retter, als Erlöser, offenbaren wird (vgl. 11,15b.24.26f.).

Wir sehen, liebe Gemeinde, an diesem Beispiel in besonderer Deutlichkeit: es ist ein Ringen in Israel um Israel, was in der ältesten christlichen Über-lieferung seinen Niederschlag gefunden hat; keine eindeutig christliche Quelle ist ja uns ja erhalten, die älter wäre als die paulinische Briefsammlung, darin der höchstwahrscheinlich auf nur 23 Jahre nach Jesu Kreuzes-tod zu datierende Römerbrief. Ähnlich begann, fast anderthalb Jahrtausende später, die Reformation als Ringen in der Kirche um die Kirche und resultierte nicht etwa aus dem Bestreben, eine neue Kirche zu gründen!

Wie Paulus den Propheten Jesaja befragt und die Jesajazitate verwendet – ich konnte es nur andeuten –, macht es durchaus Sinn und passt gut mit deren ursprünglichen Kontexten überein, vorausgesetzt, man liest diese, wie er, im Licht der Christusbotschaft. Gleichwohl ist er sich dessen sehr bewusst, an ein Geheimnis zu rühren; und er ist weit davon entfernt, sich selbst für klug zu halten! 

Wir sollten uns das, was in der christlichen Rezeptionsgeschichte meist auf das sträflichste ignoriert wurde, – endlich – zur Warnung dienen lassen! Konkret heißt das für meine Begriffe, dass wir sowohl die alttestamentlich-rabbinisch-jüdische Auslegungsgeschichte der hebräischen Bibel, unseres Alten (oder) Ersten Testaments in ihrer Eigenständigkeit zu achten lernen und uns damit auch gegen ein allzu simples Schema von „Verheißung und Erfüllung“ (und einen damit oft genug verbunden antijüdischen Triumphalismus) verwahren, als auch den „Fehler“ zu vermeiden suchen, vor dem, wenn ich so sagen soll, „christologischen“ Auslegungshorizont alttestamentlicher Texte geradezu ängstlich auszuweichen. „Heilige Schrift“ und nicht einfach Dokument einer tausendjährigen Religionsgeschichte ist das AT für uns Christen nur „in Christus“, denke ich.

Für Paulus ist es nicht in erster Linie böswilliger Halsstarrigkeit der Mehrheit unter den Juden oder seiner eigenen Unzulänglichkeit zuzuschreiben, dass das Evangelium von der freien Gnade Gottes bei einem Groß-Teil Israels auf Ablehnung stieß. Gewiss, das betraf in erster Linie den Kern, die Vollmitglieder jener Synagogengemeinden, bei denen seine Mission, wie wir wissen, anzusetzen pflegte, nicht den sie umlagernden – kleineren oder größeren – Kreis von sog. „Gottesfürchtigen“.  Bei diesen traf die Botschaft, die Paulus zu überbringen hatte, eher auf offene Ohren, und das aus nachvollziehbaren Gründen. Denn was diese „Gottesfürchtigen“ in der Synagoge zu erleben gewohnt waren, nämlich jüdische Privilegierung und eigene Marginalisierung, das stellte der Apostel gerade in Frage!  Doch für ihn war dieser Teilerfolg nur ein geringer Trost.

Er glaubte, durch die Bibel belehrt, erkannt zu haben, dass der Widerstand der jüdischen Mehrheit auf deren Verhärtung, um nicht zu sagen: Verstockung, durch Gott zurückgehe und Gottes Heilsplan entsprechend zunächst den Christgläubigen aus den Weltvölkern, am Ende aber auch Israel selbst zugutekommen solle.

Wie sollen wir das verstehen, wie damit umgehen? Ein jüdischer Paulusinterpret unserer Tage meint, Paulus betone damit, „dass die Christus-Gläubigen kein Urteil über die Zukunft Israels fällen sollen, jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt, und möglicherweise überhaupt nie“.  Ich kann dem viel abgewinnen, umso mehr, als es dem Geheimnis-Charakter dessen entspricht, was Paulus in unserem Text seinen Lesern und – hier und heute – uns, seinen Hörerinnen und Hörern, nicht verhehlen möchte, und zumal zu der Warnung, sich selbst für klug zu halten, bestens passt.

Wenig anfangen kann ich dagegen, offen gestanden, mit der Interpretation eines mir seit langem, wenigstens literarisch, bekannten christlichen Theologen, der pünktlich zum diesjährigen „Israelsonntag“ sein ceterum censeo wiederholte.  Es besagt: Hinter dem jüdischen Nein zum Messias Jesus stehe Gott selbst; das meint und sagt auch Paulus, genau so wie, dass dies Nein uns Christen zum Nutzen ist, weil es uns jeglichen Überlegenheitsdünkel auszutreiben vermag. Allein, dass „Juden“ „unsere Mission nicht“ brauchten, dass, wenn „am Ende ganz Israel gerettet“ werde, das dann „an der Kirche vorbei“ geschehe, weil Gott die „Rettung seines Volkes Israel ... ‚zur Chefsache‘“ erkläre, diese Deutung führt sicherlich von Paulus weg. Denn, wenn auch die Zukunft – nicht nur Israels – wie auch, was wir ausrichten, allein in Gottes Hand liegen: was unterwegs, was hier und jetzt geschehen soll, nennt Paulus nur wenige Verse vor unserem Predigttext; es heißt dort: „Euch Heiden“, euch Christgläubigen aus den Weltvölkern, „sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich mein Amt, ob ich vielleicht meine Stammverwandten zum Nacheifern reizen ... könnte“ (11,13f.). Das also darf, vielleicht sogar muss jetzt geschehen, freilich auf Augenhöhe, nicht von oben herab, und das heißt: in Wechselseitigkeit, denke ich.

Es ist gerade in der jetzigen Situation geradezu kontraproduktiv, wenn stattdessen in dem zuletzt zitierten Votum geraten wird, den Spieß „um 180 Grad“ umzudrehen: statt Juden zu belehren, müssten Christen von Juden lernen, „um die eigene Religion und Kultur besser verstehen zu können“. Ich bin versucht zu erwidern: Nun lernt mal schön, in tempore belli! „S’ist Krieg, s’ist leider Krieg, und ich begehre, nicht schuld daran zu sein“ (M. Claudius), weder durch mein Reden, noch durch mein Handeln.

Mehr denn je gilt es, aktiv, Vorbild zu sein und zur Nachahmung zu reizen; einander zu einem vertieften Verständnis der uns gemeinsamen Bibel zu verhelfen; zum Glauben zu reizen, zur Liebe zu reizen, zur Hoffnung zu reizen, zur Versöhnung zu reizen.

Dass wir das in der Schule des Gekreuzigten-Auferstandenen gelernt zu haben glauben, kann getrost jedermann wissen, muss es aber nicht unbedingt!

Versöhnung gibt es, das steht uns felsenfest, nur dann, wenn wir lernen, uns über das Glück, den
Erfolg des anderen mit ihm zu freuen, ebenso, wie über seine Verletzungen und Verluste mit ihm zu weinen; ja, vielleicht ist das noch wesentlicher, die Verletzungen des andern sich zu Herzen zu nehmen und mit ihm zu beweinen!

Mit Bewegung las ich den vom südafrikanischen Bürgerrechtler und Kampfgefährten Nelson Mandelas, Erzbischof Desmond Tutu, verfassten, in einer israelischen Zeitung veröffentlichten und mit seiner Zustimmung von dem avaaz-Kampagnen-Netzwerk im Internet verbreiteten Aufruf „an das Volk Israels: Befreit euch, indem ihr Palästina befreit“, in dem es u.a. heißt: „ Menschen, die sich im Streben nach einem gerechten Anliegen zusammentun, sind nicht aufzuhalten. Gott mischt sich nicht in die Belange der Menschen ein. Er hofft, dass wir wachsen und lernen, indem wir unsere Schwierigkeiten und Differenzen selber lösen. Aber Gott schläft nicht“ und, so füge ich hinzu: er wacht nicht erst am Sankt-Nimmerleinstag wieder auf, um zu handeln (so viel zu: Rettung Israels als „Chefsache“)! Ich setze das Tutu-Zitat fort: „Die jüdischen Schriften sagen uns, dass Gott vorzüglich auf der Seite der Schwachen und der Vertriebenen steht, der Witwe, des Waisen und des Fremden; der Sklaven freiließ, damit sie auszogen in ein gelobtes Land. Es war der Prophet Amos, der sagte, wir sollen Gerechtigkeit wie einen Strom fließen lassen“.

Hoffnungslose Liebe? Tatenlose Liebe? Nein danke!

Nicht bei Amos, sondern beim Propheten Jesaja lesen wir: „Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft“ (Jes 40,31). Als ein Christ, der Israel nichts streitig zu machen wünscht und sich erst recht „nicht selbst für klug“ hält, erlaube ich mir, das – in aller Gebrochenheit, Liebe und Demut – so zu verstehen und aufzunehmen:

 

Evangelium – noch im Schweigen,
wenn die Nacht in der Kopfweide lauert,
wenn das Nichts die Himmel befährt,
wenn vor schwarzem Spiegel
das menschliche Antlitz zerbricht,
ist es zur Stelle,
nimmt das Wort,
richtet und tröstet zugleich:
Für dich steht einer vor Gott,
und so tritt Gott vor dich hin,
Mensch und Sohn,
Menschensohn, zwischen Sonne und Erde
Gehängt am Kreuz
Birgt er dich
In seinen Armen,
ruft die Schöpfung zurück
an sein Herz,
verwehrt der Schlange den Biss
und dem Tod den Triumph,
bringt das Leben heim,
erfüllt, was du dich nicht
zu denken getraust:
Du bis geliebt und Person
Und niemandem nichts schuldig,
nicht einmal Ihm –
außer dem Maß
deines mäßigen Glaubens.
Jesus Christus, das eine Wort Gottes,
ist – für dich, für mich – Evangelium ganz.

Amen

 

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Die Menschen in Gang bringen - Adolf Martin Ritter als Prediger

 

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Letzte Änderung: 24.01.2017
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