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Paul Philippi: Der Grenzgänger in Diakonie und Predigt

Michael Plathow | Adobe Den Beitrag als PDF downloaden

 

 

Paul PhilippiPaul Philippi (Quelle: wikipedia commons; CC BY-SA 3.0))

Paul Philippi:

Geboren am 21. November 1923 in Kronstadt

1971 - 1986 Prof. Dr. Drs. h. c., Direktor des Diakoniewissenschaftlichen Instituts, 1968 - 1979 Prediger im Universitätsgottesdienst und Vorsitzender des Kapitels der Heidelberger Peterskirche

 

 

I. Biographisch-bibliographische und pastorale Notizen

 

Paul Philippi war „Grenzgänger“ zwischen Siebenbürgen und Heidelberg. Zugleich verband er in seiner Person den Diakoniewissenschaftler und als Universitätsprediger den Vorsitzenden des Kapitels der Peterskirche.

Nach Krieg und Kriegsgefangenschaft studierte er Theologie in Erlangen und Zürich. In der Evangelischen Landeskirche Siebenbürgen, seiner Heimatkirche, wurde er ordiniert. Von 1954 bis 1971 war er in Heidelberg Assistent an dem von Prof. Dr. Herbert Krimm gegründeten Diakoniewissenschaftlichen Institut. Von 1971 bis 1985/86 leitete er dieses Universitätsinstitut. Danach wirkte er – unter Aufrechterhalten der Kontakte in Heidelberg – nach Lehrauftrag in Hermannstadt als Praktischer Theologe an der dortigen Theologischen Fakultät. Hier in Hermannstadt gründete er – schon 1961 entstand durch ihn der „Arbeitskreis für siebenbürgische Landeskunde“ – 1989 das „Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien“. Zu dessen Ehrenvorsitzenden wurde er 1998 ernannt aufgrund all seines kirchlichen, kulturellen und politischen Engagements.

Während der Heidelberger Berufsjahre wirkte Paul Philippi – entsprechend seiner wissenschaftlichen Arbeiten in der Dissertation „Abendmahlsfeier und Wirklichkeit der Gemeinde“ (1957) und in der Habilitationsschrift „Die Vorstufen des modernen Diakonenamtes“ (1963) – verantwortlich in der Heidelberger Universitätsgemeinde. Als wissenschaftlicher Assistent und als Privatdozent übernahm er die Aufgabe des Vorsitzenden des Kapitels der Peterskirche (LkA KA, SpA 18349, 18350, Protokoll vom 2.12.1968). Von 1968 bis zur Übergabe an Prof. Dr. Walter Eisinger Ende 1979 hatte er dieses Amt inne.

In seine Amtsperiode fielen: Erarbeiten der Wahlordnung (22.5.1970), die am 31.5.1970 in Kraft trat, und des Entwurfs einer Geschäftsordnung (18.4.1972); die Renovierung der Peterskirche bis zum Wintersemester 1975/76 mit dem Einbau der Küche und der „Glaskapelle“ als „Gemeinderaum“ (16.5.1973); seit 1978 die Planungen für den Orgelneubau. Zu nennen aber sind besonders die Einführung des Gesamtgottesdienstes am ersten Sonntag des Monats und der Sonntagsgottesdienste in der vorlesungsfreien Zeit, der Beschluss über die Zulassung von Nichtordinierten zum Predigtdienst (2.9.1969) sowie die Öffnung der Peterskirche; zu der gehören: die Lautsprecherübertragung in die „Glaskapelle“ für Eltern mit kleinen Kindern; das Angebot von Seelsorgegesprächen in der „Glaskapelle“ während der Woche (Protokoll vom 24.4.1979), die „Offenen Nächte“ am 24./25. Dezember mit Pfarrer Heiko Heck, Studienleiter des Theologischen Studienhauses, die „Ökumenischen Christvespern“ der Ausländergemeinden mit Dr. Michael Plathow, Studienleiter des Oecmenicums, die Besuche des „Trinity College Choir“ der Heidelberger Partnerstadt Cambridge. Paul Philippi predigte regelmäßig im Semester in der Universitätskirche und gestaltete – zusammen mit Prof. Dr. Albrecht Peters und dessen Ehefrau – die Mittwochfrühgottesdienste.

In einem Schreiben vom 27.8.1979 dankte Oberkirchenrat Klaus Baschang Paul Philippi für seinen langjährigen Dienst als Vorsitzender des Kapitels der Peterskirche und für „den geistlichen Aufbau“ der Universitätsgemeinde.

In die Übergangszeit des „Grenzgängers“ Paul Philippi – Beendigung des beruflichen Wegs als Direktor des Diakoniewissenschaftlichen Instituts in Heidelberg und Beginn der praktischen Professur in Hermannstadt – fällt die Predigt von Paul Philippi am Sonntag Septuagesimae 1986 (21. Januar) in der Peterskirche. Im Jahr 1986 feierte die Ruperto Carola das 600. Jubiläum. Der Predigt an diesem Passionssonntag lag der Bibelabschnitt 1 Kor 9,24‑27 zugrunde zusammen mit der Altarlesung Mt 20, 1 - 10 und dem Wochenlied „Es ist das Heil uns kommen her von Gnad und lauter Güte“.

Diese im Anhang gedruckte Predigt von Paul Philippi findet sich im Heidelberger Wissenschaftlich Theologischen Seminar, Kisselgasse 1 unter den hektographierten „Heidelberger Universitätspredigten 1986–1988“, S. 13 - 17.

 

 

II. Universitätsgottesdienst in der Heidelberger Peterskirche am Sonntag Septuagesimae, 26. Januar 1986

 

 

Predigttext: 1 Kor 9,24‑27; Altarlesung: Mt 20,1‑16

 

„...das, was auf dem Christusweg voranbringt!”

 

 

1. Referierende Betrachtung

 

Die Predigt des Sonntags Septuagesimae 1986 nimmt die „Wegwende“ im Kirchenjahr von der
Epiphanias- zur Passionszeit auf. Sie lässt die Gemeinde teilhaben am „Christusweg“ vom Berg der Verklärung hinab in das Tal der Bewährung der 70 Tage bis Ostern. Mit dem Predigtabschnitt aus dem 1. Korintherbrief stellt der Apostel Paulus die Gemeinde in die Nachfolge Christi, hier in die „Renngemeinschaft“ durch Berg- und Taletappen dem zu erreichenden Ziel entgegen. „Was hat diese Epistel der Wende uns Heutigen zu sagen?“, fragt der Prediger.

Die Predigt will mit dem Pauluswort in vier Richtungen Antwort geben.

 

I. Als erstes erinnert die Predigt an die „entscheidende Grundaussage“ des Pauluswortes: „Das Christenleben findet in der Kampfbahn statt“. Es handelt sich dabei nicht um die Laufbahn von „Beamten“ und „Karrieristen“. Wer zu „Gottes Christus-Weg“ ja gesagt hat, der ist – wie der Prediger in der Sportlersprache betont – „jetzt dran“. Das Universitätsjubiläum und die Universitätsgemeinde im Blick, erinnert er, sich einschließend, zugleich prophetisch mahnend, „uns 600-jährige Akademiker“ daran, dass wir von außen, von den Sesseln der Kampfrichter und von den Plätzen der Presse mehr kommentieren als „unsere ganze Existenz einbringen“ in den Lauf selbst. Dass Prediger als Trainer der Gemeinde mitlaufen müssen, wird allgemein weniger angesprochen, kritisiert er.

Aus siebenbürgischem Kontext – Rumänien damals zur sog. 2. Welt gehörend – veranschaulicht Paul Philippi: das Überangebot an Kommentatoren und das Unterangebot an eigener Rennerfahrung, d.h. der Mangel am eigenen christlichen Leben, in der sog. 1. Welt. Dabei gesteht er auch: „Die prickelnde Möglichkeit zuzuschauen, wie andere rennen, ist für manchen keuchenden Kämpfer eine echte Versuchung“. Aber christliches Leben findet nicht auf der Tribüne statt. Deutlich und klar ruft der Apostel mit dem Predigtabschnitt: „Ich, Paulus, habe mich eingebracht in die Arena“. Und mit den Worten des Apostels ruft der Prediger: „Bringt ihr euch auch ein!“. Und er fügt hinzu: „Dies wäre die Grundaussage unseres Predigtwortes“.

 

II. Doch der Konjunktiv weist schon darauf hin, dass die „Pointe“ des Pauluswortes ein wenig anders lautet. Gerade „uns akademische Traditionschristen“ ist kritisch daran zu erinnern; sie lautet nämlich: „Da ihr nun schon Wettkämpfer seid, so seid es mit allen Konsequenzen. ... Es kommt ganz darauf an, den Siegespreis zu gewinnen”. Gegen Missinterpretation der olympischen Bilder als „Kontrakurrenz“ von Gewinnern und Verlierern in der Rennbahn und in der Boxarena konzentriert sich die „Pointe“: zum einen auf den „unbedingten Einsatz“, das Ziel zu erreichen; zum andern auf den Kampf mit sich selbst, um sich so einzubringen, „dass mein Leben nicht etwa gegen meine Worte predigt“. „Das Ziel zu erreichen“ erweist sich als „Pointe“; denn „Start ohne Ziel heißt: ins Leere laufen; in die Luft boxen“.

In Sinn dieser „Pointe“ wird zu Beginn der Passionszeit aufgerufen zu Askese; sie meint, alle Kräfte auf das Erreichen des Ziels konzentrieren. Askese, „Investition in Konzentration” bedeutet, so der Prediger, erst in zweiter Linie „Verzicht“, die Einübung im Nein-Sagen. Konkret weist er die Hörer auf das Fasten, die „Konsumaskese“: das kann auch mit Geld und Essen zu tun haben; weiter nennt die Predigt die Alternativen „Reisen und Nichtreisen, Lektüregewohnheiten und Nichtlektüre“. Und sie fragt weiter: „Sollte es nicht auch mit Einübung in Gebet und Meditation und damit zu tun haben, dass wir unser Leben einbringen in eine Renngemeinschaft, wo Christen gemeinsam versuchen..., alle Kräfte auf den Christusweg zu sammeln, um das Ziel zu erreichen?“. „Christlicher Glaube und Wettkampfdisziplin“ gehören zusammen; in Bruderschaften, Dienstgemeinschaften, neuem Lebensstil in Familien sind sie geboten, und zwar gerade deshalb - wie der Prediger mit dem Wochenlied hervorhebt - weil „das Heil ist kommen her von Gnad und lauter Güte“. Das „ganze Leben“ ist in den Paulinischen Indikativ und Imperativ hineingenommen und von ihm betroffen.

In erster Linie freilich bedeutet Askese: „ganze Konzentration auf das, was auf dem Christusweg voranbringt“ in der begonnenen Passionszeit. Als „Auswahl- und Konzentrationskriterium“ erweist sich die „Zugehörigkeit zu Christus“. Das aber, so der Prediger, ist die „Pointe“ des Pauluswortes heute.

 

III. Diese „Pointe“ wird nach zwei Richtungen hin ergänzt. Zum einen meint der „unvergängliche
Siegespreis“, wie Paulus das Ziel des „Christusweges“ bezeichnet, nach Heinrich Heine und Karl Marx keine Vertröstung auf übermorgen. Vielmehr - so die Verkündigung in eschatologischer Perspektive - wird der „Lebenslohn“ verheißen, „der über das Sterben hinaus Bestand hat, schon von jetzt an“. Der Prediger bekennt und bezeugt: „Indem ich jetzt, in diesem Leben, meine Kräfte voll auf den Christusweg konzentriere, bin ich gewiss, schon heute an dem Leben teilzunehmen, an der Wahrheit zu partizipieren, die auch in meinem Tod nicht aufhören wird, Wahrheit und Leben für mich zu bleiben; auch für mich, dem Sterbenden: Wahrheit und Leben“.

Zum andern wird ergänzt, für „uns Neuprotestanten“, dass das „von Gnad und lauter Güte“ des Wochenliedes nicht garantiert, „dass jeder von uns in das Ziel hineingeschleppt wird, ohne selbst gelaufen zu sein“. Gegen Trägheit ruft der Apostel „in die Teilhabe an dem Leben, das an der Art der gnädig zu uns gekommenen Christuswirklichkeit abgelesen werden kann“. Diese „Christuswirklichkeit“ schließt – mit Dietrich Bonhoeffer - die „Christonomie“ ein, der Indikativ den Imperativ, auf dass die Predigt der Kirche nicht durch das Leben der Gemeinde „dementiert“ wird. „Beten und tun des Gerechten“ sind mit D. Bonhoeffers „Gedanken zum Tauftag von D. W. R.“ nicht nur in „Widerstand und Ergebung“ 1944, sondern auch heute „Signaturen der Christenheit“. In unserer Gesellschaft, die an der Wirklichkeit Christi weniger Maß nimmt, desto mehr an den Christen, werden „sozialethische Worte der EKD“ - und hier schlägt das Herz des Diakonikers - „an den diakonischen Verhaltensweisen gemessen“. Authentisch bringt er sich mit seinen diakoniewissenschaftlichen Forschungen ein.

 

IV. Am Schluss nimmt die Predigt die Gemeinde seelsorglich vergewissernd und mahnend – vom „Glanz“ des Epiphaniasfestes her – hinein in die 70 Tage mit dunklen und finsteren Tälern der Passion Christi Ostern entgegen. „Eingeleibt“ in die Art Christi, wird der Gemeinde die Passionszeit die „nicht verkürzbare Übungsstrecke des christlichen Glaubens“. Denn was wir auf ihr lernen, kann uns das Über-Leben erschließen. Von dem zehren wir, „wenn wir in Bedrängnis geraten, wenn uns der Weg zu lang und zu dunkel wird“, und wir, uns dem „ewigen Licht Gottes“ anvertrauend, nur noch beten mit dem Gedicht „Abend“ von Andreas Gryphius.

 

2. Theologische Analyse

 

Paul Philippis Verkündigung des Bibelabschnitts 1 Kor 9,24­‑27 am Sonntag Septuagesimae 1986 nimmt die Gemeinde der Peterskirche hinein in den 70-tätigen „Christusweg“ der Passionszeit hin auf das Osterfest. Dem Pauluswort – begleitet von der Schriftlesung und dem Wochenlied – wird im 600. Jubiläumsjahr der Ruperto Carola in der Universitätsgemeinde Stimme gegeben. Das geschieht, dem Predigttext entsprechend, in der aktuellen Bildrede der Welt des Sports. Im Verkündigungsgeschehen wird in authentischer Weise das Ich des Predigers Paul Philippi als „Grenzgänger“ deutlich: sein siebenbürgischer Kontext - sein Heidelberger Lebens- und Berufsfeld; der akademische Diakoniker - der Prediger im Universitätsgottesdienst und langjährige Vorsitzende des Kapitels der Peterskirche.

Der Skopus der Predigt wird homiletisch fokussiert auf den Aufruf an die Gemeinde: Jetzt in der Passionszeit konzentriert euch ganz auf das, was auf dem „Christusweg“ voranbringt, um den
verheißenen „Lebenslohn“, das „Ziel“, zu reichen. Der Zuschauer- und Kommentatorenmentalität wird prophetische Kritik erteilt; Teilhabe „aus Gnad und lauter Güte“ und sich einbringende
Teilnahme am Weg Christi wird zugesagt. Mit Joh 14,6 bekennt der Prediger Christus als die Wahrheit und das Leben. Und diese „Christuswirklichkeit“ schließt ein die „Christonomie“, die Verbindung von „christlichem Glauben und Wettkampfdisziplin“ im diakonischen Lebenszeugnis in der Perspektive heilsgewisser Hoffnung. Indikativ und Imperativ gehören zusammen. Wenn der Imperativ den Indikativ im Leben bezeugt, wird die Predigt der Kirche nicht „dementiert“ durch das Leben der Gemeinde; mein Leben „predigt nicht etwa gegen meine Worte“.

Mit Paulus paränetischem Christuszeugnis, mit M. Luthers frühen „Sermon von dem hochwürdigen Sakrament des heiligen wahren Leichnams Christi und von den Bruderschaften“ (1519) in WA 2,742‑758 und D. Bonhoeffers späten Äußerungen in „Widerstand und Ergebung“ und in den Fragmenten der „Ethik“ zum „Dasein für Andere“ und zur „Kirche für Andere“ spiegelt sich Paul Philippis „Christozentrische Christologie“ hermeneutisch wider in dieser Predigt: wir Christen, „eingeleibt“, „gleichförmig“, „gleichgestaltet“ mit Christus durch den Glauben, nehmen Teil am verantwortlichen diakonischen Dienst im „Vorletzten“ auf das „Letzte“ hin. In der „Christozentrischen Diakonie“, § 11c „Diakonie als Christusstruktur der Gemeinde“ schreibt Paul Philippi S. 253: „Im christozentrischen ‚Sein‘ hat die Diakonie ihren Bestand; im ‚Tun‘ aber erst ihre gestaltete Wirklichkeit“.

Prophetische Kritik, Zuspruch des Evangeliums und aufforderndes Gebot, eben Gesetz und Evangelium - Evangelium und Gebot geben der Predigt des von M. Luther geprägten Theologen Philippi die homiletische Grundstruktur.

Prophetisch mahnend, aber sich selbst immer einbindend, kritisiert der Prediger die Kommentatorenmentalität von „uns 600-jährigen Akademikern“, das Ausblenden christlichen Lebens als Wettkampf bei „uns akademischen Traditionschristen“, die Trägheit von „uns Neuprotestanten“, das Abseits der Prediger von der Renngemeinschaft. Gesellschaftskritische Einwürfe macht er gegen die Laufbahn der „Karrieristen“ und gegen die „Kontrakurrenz“ von Siegern und Verlierern. Herbe Kritik ist es, die zur Umkehr und Änderung aufruft auf dem Weg der „Askese“, d. h. der Konzentration auf das, „was auf dem Christusweg voranbringt“ jetzt in der Passionszeit.

Denn – und das ist die Zusage und Verheißung des Evangeliums nach Joh 14,6 – der Christus praesens, die „Christuswirklichkeit“ lässt die Glaubenden in österlicher Perspektive gewiss sein, „schon heute an dem Leben teilzunehmen, an der Wahrheit zu partizipieren, die auch in meinem Tod nicht aufhören wird, Wahrheit und Leben für mich zu bleiben“ – mit dem Wochenlied: „von Gnade und lauter Güte“.

Die Glaubenden sind „‚eingeleibt‘ in die Art Christi“, „gleichgestaltet“ mit Christus; eingebunden in diese „Christuswirklichkeit“ ist die „Christonomie“ d.h. hier und heute gerade die „diakonische Verhaltensweise“ des Dienstes für Andere. Evangelium und Gebot, Indikativ und Imperativ, Glaube und Gehorsam gehören in der diakonischen Existenz der Renngemeinschaft der Gemeinde zusammen. „Beten und tun des Gerechten“ sind mit D. Bonhoeffers „Gedanken zum Tauftag von D. W. R. Mai 1944“ in „Widerstand und Ergebung“ heute die „Signatur der Christenheit“.

Seelsorglich vergewissernd nimmt die Predigt am Schluss die Gemeinde hinein in den Christusweg der Passionszeit als „Weg der Bewährung“ durch finstere Täler - Schritte der „Askese“ im Verzicht und vor allem in Konzentration, um das Ziel zu erreichen. Das Ziel, der „Lebenslohn“, der in eschatologischer Perspektive Bestand hat über das Sterben hinaus „schon von jetzt an“ in Jesus Christus, der wie der Prediger bekennt, „für mich“ die Wahrheit und das Leben ist. Von diesem seelsorglich vergewissernden Tenor geleitet, schließt der Prediger die Gemeinde auf dem „Christusweg“ der Passion ein in das Gebet „Abend“ von Andreas Gryphius (1616 - 1664):

 

 

Lass, höchster Gott, mich doch nicht auf dem Laufplatz gleiten,

Lass mich nicht Ach, nicht Pracht, nicht Lust, nicht Angst verleiten.

Ein ewig heller Glanz sei vor uns neben mir!

Lass, wenn der müde Leib entschläft, die Seele wachen,

Und wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen,

So reiß mich aus dem Tal der Finsternis zu dir.

 

Predigtbeispiel: ...das, was auf dem Christusweg voranbringt!”, Predigt über 1 Kor 9,24-27 im Universitätsgottesdienst in der Heidelberger Peterskirche am Sonntag Septuagesimae, 26. Januar 1986..


 

LITERATUR

 

philippi, Heinz u.a. (Hg.): Unterwegs zu einer Kultur des Helfens. Handbuch des diakonisch-sozialen Lernens. Stuttgart 2006.

philippi, Heinz u.a. (Hg.): Diakonik. Grundlagen - Konzeptionen - Diskurse. Göttingen 2016.

EURICH, Johannes/ Oelschlägel, Christian (Hg.): Diakonie und Bildung. Paul Philippi zum 65. Geburtstag. Stuttgart 2008.
 

 

 

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Letzte Änderung: 27.06.2017
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