Einführung in das Fach Musikwissenschaft

Informations-Flyer über das Studienfach Musikwissenschaft in Heidelberg

 

Das Fach erforscht alle Aspekte der Musik – historische, kulturelle, psychologische, soziale, anthropologische und physikalische. Es gliedert sich in drei Disziplinen:

  • historische Musikwissenschaft
  • systematische Musikwissenschaft und
  • Musikethnologie

Die historische Musikwissenschaft erforscht die europäisch-abendländische Musik in ihrem jeweiligen geschichtlichen Kontext, ihre Ästhetik, ihre Theorie und die Einbindung in die Kultur und das soziale Umfeld ihrer Zeit; sie beschäftigt sich mit der Analyse musikalischer Werke, mit der Erschließung musikhistorischer Quellen, mit Lebensläufen von Komponisten sowie mit der Entwicklung musikalischer Gattungen. Waren die Methoden bis in die 1980-er Jahre vor allem im deutschsprachigen Raum primär historisch-hermeneutisch ausgerichtet, so tendiert das Fach in jüngster Zeit zunehmend zum interdisziplinären Austausch und zum Pluralismus der Methoden.

Gegenstand der systematischen Musikwissenschaft sind vor allem die physikalischen, physiologischen und psychologischen Grundlagen und Phänomene der Musik sowie die mit naturwissenschaftlichen Methoden greifbaren Aspekte der Musiktheorie und der Instrumentenkunde.

Die Musikethnologie untersucht die meist nicht schriftlich überlieferte Kunstmusik außereuropäischer Kulturen sowie die Volksmusik aller Zeiten und Völker. Die Grenzen zwischen den drei gleichberechtigten Disziplinen der Musikwissenschaft sind immer fließend gewesen; mit der zunehmenden Verflechtung der Methoden wird eine Abgrenzung immer schwieriger. Einige deutschsprachige Universitäten bieten systematische Musikwissenschaft und/oder Musikethnologie als separates Fach an (einen Überblick bietet der »Bundesstudienführer Musikwissenschaft«, der vom Dachverband der Studierenden der Musikwissenschaft e.V. - DVSM - herausgegeben wird).

Das Studium der Musikwissenschaft führt zu einer Qualifikation, die Voraussetzung für eine Vielzahl verschiedener Berufe und Tätigkeitsfelder ist: Dramaturg an Opernhäusern und Theatern, Redakteur bei Rundfunk und Fernsehen, Lektor bei Verlagen, Redakteur bei CD-Firmen, Redakteur bzw. Kritiker bei Zeitungen und Zeitschriften, Tätigkeiten im Bereich von Orchester- und Konzertmanagement, Editionswesen, in Bibliotheken, Museen und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland und schließlich in Forschung und Lehre an Universitäten, Musikhochschulen, Konservatorien und pädagogischen Hochschulen.

Studienvoraussetzungen

Sinnvolle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium der Musikwissenschaft sind ausgeprägte musikalische Begabung, Interesse für historische Zusammenhänge und die Beherrschung wenigstens eines Instruments, vorzugsweise eines Tasteninstruments. Hinzu kommen möglichst vielfältige Fremdsprachenkenntnisse, die an der Universität erworben werden können. Unerlässlich sind Grundkenntnisse in Harmonielehre, Kontrapunkt und Partiturlesen, die im Studium vertieft werden können. Vokalunterricht und instrumentalpraktischer Unterricht ist am Seminar nicht möglich.

Aufbau des Studiums

a) Magisterstudiengang

Die Lehrveranstaltungen setzen sich aus Vorlesungen, Übungen, Proseminaren und Seminaren zusammen. Vorlesungen richten sich an Hörer aller Semester; Leistungsnachweise werden hier nicht ausgestellt. Übungen und Proseminare führen in Methoden, Probleme und einzelne Sachgebiete ein; diese Veranstaltungen gehören zum viersemestrigen Grundstudium. Die nach der Studienordnung erforderlichen Leistungsnachweise werden durch Klausuren bzw. Referate und schriftliche Hausarbeiten erworben. Seminare gehören zum Hauptstudium und behandeln speziellere, methodisch und sachlich anspruchsvollere Themen. Leistungsnachweise werden auch hier durch Referate und Hausarbeiten erworben. Im Anschluss an das ebenfalls viersemestrige Hauptstudium können ab dem neunten Semester die Prüfungen zum Magister abgelegt werden.

b) Bachelor- und Masterstudiengänge

Lehrveranstaltungen modularisiert und gliedern sich in Pflicht-, Wahlplflicht- und Wahlmodule, die aus einer oder mehreren Komponenten bestehen. Die Basismodule (BASe) vermitteln die Grundlagen (Satzlehre, Analysetechniken, Arbeitsmethoden, Notationskunde, Grundkurs Musikgeschichte). Die musikhistorischen Wahlpflichtmodule (MuSe) bestehen jeweils aus einer Vorlesung und einem Seminar und bieten trotz der straffen Studienstruktur Wahlmöglichkeiten, die durch die Module des Wahlbereichs (ChoSe) noch erweitert werden. Leistungsnachweise werden auch hier durch Klausuren bzw. Referate und Hausarbeiten erworben. Der Studiengang umfaßt einschließlich Bachelorarbeit sechs Semester.

Lehre

Zu den Materialien, mit denen in den Lehrveranstaltungen gearbeitet wird, gehören neben den Notentexten musiktheoretische, musikhistorische und musikästhetische Schriften, je nach Fragestellung auch allgemein historische, literaturwissenschaftliche oder sozialgeschichtliche Texte. In den Lehrveranstaltungen wird so weit wie möglich auf Originalquellen zurückgegriffen (Handschriften, Originaldrucke usw.); die dafür notwendigen Kenntnisse z.B. älterer oder neuerer Notationsformen werden in den betreffenden Veranstaltungen selbst und in Übungen zur Notationskunde erworben. Zur Unterstützung der Arbeit mit dem Notentext steht eine umfangreiche Tonträgersammlung (LP und CD) in der Bibliothek zur Verfügung.

Schließlich sei darauf hingewiesen, dass das Studium der Musikwissenschaft in Heidelberg den Studierenden im Magisterstudiengang, aber auch im strenger reglementierten Bachelorstudiengang die Freiheit, aber auch die Verantwortung gibt, das Studium so zu gestalten, dass die ältere (bis 1500), die mittlere (bis 1900) und die neueste Musikgeschichte gleichmäßig berücksichtigt werden. Mit Blick auf zukünftige Berufsfelder wird zur Zeit außerdem nach Möglichkeit in jedem Semester eine berufspraktische Veranstaltung angeboten; die Teilnahme liegt im Interesse der Studierenden (z. B. im Jahr 2006: Der Online-Köchel bei SWR2 - entstanden in Zusammenarbeit der Musikredaktion des SWR2 mit der Forschungsstelle „Südwestdeutsche Hofmusik” der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und zahlreichen Heidelberger Studierenden); Hinweise auf einen sinnvollen Studienaufbau erhalten Studienanfänger in einem einführenden Tutorium. Vom Angebot einer regelmäßigen Fachstudienberatung sollte während des gesamten Studiums Gebrauch gemacht werden. Außerdem bietet das Musikwissenschaftliche Seminar die fakultative Teilnahme an folgenden Aktivitäten: Mitarbeit in der Fachschaft der Studierenden der Musikwissenschaft Heidelberg (FSM Heidelberg) - die studentische Vertretung am Musikwissenschaftlichen Seminar Heidelberg; Praktikum bei der Heidelberger Biennale für Neue Musik; Singen und Musizieren im Collegium Musicum - Chor und Orchester der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Gestalten, Spielen und Musizieren bei der Marionettenoper im Säulensaal.

Schwerpunkte der Forschung

An der Universität Heidelberg konzentrieren sich Lehre und Forschung, wie an den meisten Universitäten der Bundesrepublik, auf die historische Musikwissenschaft, obgleich auch systematisch und ethnologisch ausgerichtete Veranstaltungen angeboten werden. Dabei wird vorrangig die gesamte europäische Musikgeschichte in internationaler Ausrichtung behandelt, wobei eine bis in die Gründungsjahre des Seminars zurückreichende Tradition gerade in der Erforschung der älteren Musikgeschichte besteht.

Formalia

Zulassung

Es besteht keine Zulassungsbeschränkung; eine Immatrikulation ist ohne vorherige Bewerbung möglich und erfolgt online. Für ausländische Studienbewerber gelten besondere Regelungen. Informationen erhalten Sie beim Akademischen Auslandsamt der Universität Heidelberg (Seminarstraße 2).

Fächerkombinationen

Die möglichen Fächerkombinationen ergeben sich aus dem Fächerkatalog.

Studien- und Prüfungsordnungen

Prüfungsausschuss

Zuständig für Anrechnungs-, Anerkennungs- und Prüfungsfragen ist der jeweilige Prüfungsausschuss, bzw. das Prüfungsamt. Nähere Informationen erhalten Sie bei der betreffenden Fachstudienberatung.

Gebühren

An der Universität Heidelberg fallen keine allgemeinen Studiengebühren an. Es sind jedoch ein Studentenwerks- und Verwaltungskostenbeitrag sowie ein Beitrag zur Finanzierung des Semestertickets zu zahlen. Die genauen Gebühren und weitere Informationen finden Sie hier

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 03.12.2015
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