Laufende Dissertationen

Bapst, Bianca – Der Mond als Gegenwelt im Musiktheater des 18. Jahrhunderts

Die Bedeutungsvielfalt des Mondes führt zur Existenz vieler Monde. In der Musik begegnet der Mond häufig als vielseitiger Stimmungsmacher, zum Beispiel als Ausdruck des Nächtlichen oder nächtlicher Daseinszustände, wie im Abendlied Der Mond ist aufgegangen von Johann Abraham Peter Schulz aus dem Jahr 1790. Es gibt aber auch andere, weit weniger geläufige Begegnungen mit dem Mond in der Musik. Eine davon ist die Mondreise als Opernsujet. Sie hatte im 18. Jh. nicht nur eine lange literarische Tradition, sondern war auch seit 1620 in verschiedenen Formen des Schauspiels präsent. Früh war dem Gehör die Rolle der Augen zugewiesen, die nicht im Stande waren, die Beschaffenheit des Mondes aufgrund der Entfernung zu erfassen. Diese klingenden Mondwelten leiteten sich ab von einer Vorstellung, die sich Weltharmonik nannte und deren bekanntester Vertreter Johannes Kepler war. Erläutert werden die Entwicklung und die Blütezeit der Mondreise im Musiktheater, die mit rund 16 Werken von insgesamt 20 das 18. Jh. darstellt.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Silke Leopold betreut.

E-Mail: bianca.bapst@gmail.com

 

 

Bartle, Christian - Neue Musik unter dem Hakenkreuz

Werke jüdischer Komponisten galten im Verständnis der NS-Musikpolitik a priori als ‚entartet‘ und ‚musikbolschewistisch‘ inkriminiert, und zwar unabhängig von ihrer ästhetisch-stilistischen Verortung. Beide Kampfbegriffe zielen ex negativo auf der Ebene der musikalischen Faktur – hier indes „ad musicam“ anstatt „ad personam“ (F. Geiger) – auf die Diffamierung jener musikalischen Innovationen, die sich seit etwa 1910 im dynamischen Klima der Neuen Musik entwickelt hatten. Trotz dieser staatlich oktroyierten Repressalien blieb die Musik insgesamt ob des Fehlens einer offiziellen Direktive, die verbindlich definierte, nach welchen konstruktiven Spezifika komponiert werden sollte, zumindest vereinzelt noch ein „Hort der Unabhängigkeit“ (H. Danuser) – anders als bspw. im Sowjetischen Realismus bot sich den Komponisten und Ausführenden von Neuer Musik so ein gewisser ästhetischer Spielraum. Das Dissertationsvorhaben hat unter der Folie von rezeptions-, kompositions-, institutions- und personengeschichtlichen Aspekten das Ziel, die Strukturen der Neuen Musik unter dem rund zwölfjährigen musikästhetischen Diktat des Hakenkreuzes zu beleuchten und die (relative) Weite resp. Enge des besagten Spielraums auszuloten.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Christoph Flamm betreut.

E-Mail: christian.bartle@zegk.uni-heidelberg.de

 

 

Broecker, Hans-Christoph - Das Speculum Musicae des Jacobus von Lüttich: Gesamtübersetzung mit Erläuterungen

Das Speculum Musicae des Jacobus von Lüttich ist mit einem Umfang von rund 1.500 Seiten der größte Musiktraktat des gesamten Mittelalters. Wohl wegen seines Umfangs, aber auch wegen der dezidiert an der Musikvergangenheit vor 1280 orientierten Haltung des Autors gibt es bis heute keine deutsche Gesamtübersetzung. Die ersten 20 Kapitel von Buch I wurden vor längerer Zeit in einer Dissertation publiziert, ferner liegt eine Dissertation vor, die sich mit einigen Aspekten von Buch VI befasst. Ziel der Arbeit ist eine Gesamtübersetzung des Werkes ins Deutsche, kombiniert mit der Korrektur von einigen Fehlern und Ungenauigkeiten im lateinischen Text sowie einem ausführlichen Nachweis der Quellen, welche Jacobus benutzt hat. Stand der Arbeit: Buch I und Buch VII sind vollständig übersetzt und mit Annotationen zu Quellen bzw. Parallelstellen bei anderen Autoren versehen.

Da dieses Projekt eigener Initiative entsprungen ist, gibt es bis jetzt dafür keine Betreuerin und keinen Betreuer. Ich habe es deshalb auch nicht als „Dissertationsprojekt“ bezeichnet.


 

 

Chavarría, Luis - Kompositorischer Wandel in für klassisches Schlagzeug komponierter Musik am Beispiel ausgewählter Werke

In den letzten 15–20 Jahren hat sich im Bereich des Komponierens für das klassische akademische Schlagzeug eine neue Kompositionswelle verbreitet, die wiederum eine ganze Spielweise angestoßen hat. Diese ist weder ortsgebunden noch entspricht sie einem einzelnen oder partikulären Musikstil. Die Werke, die dieser Kompositionswelle zuzuordnen sind, weisen gegebenenfalls markant abweichende Schreibweisen und äußerst unterschiedliche musikalische Merkmale auf. Somit stellen sie für die Musiker*innen diverse technische Heraus- und Anforderungen beim Musizieren dar. Alle haben dennoch eines miteinander gemein: Es handelt sich um musikalische Werke, die auf keinem Instrument zu spielen sind. Sie gebrauchen den menschlichen Körper und jeden beliebigen Gegenstand – im musikalischen Einsatz –, anstelle eines konventionellen Instruments. Diese Tendenz ist eine der letzten von einer Kette verschiedener kompositorischer und performativer Tendenzen, die allmählich das Werden des Repertoires im heutigen offenen und breiten Spektrum des Schlagzeugbereiches bestimmt haben und deren Entwicklung bisher wenig und ungenügend erforscht worden ist. Es wird mit dieser Dissertation versucht, dieses musikwissenschaftliche Phänomen, das unzweifelhaft die gesamte Repertoirelandschaft des klassischen Schlagzeugs für immer komplett verändert hat, näher zu erläutern und zu dokumentieren.

Diese Dissertation wird von Prof. Dr. Dorothea Redepenning betreut.

Emailadresse: luisachb1@gmail.com


 

 

Chernova, Elena - Die frühe russische neumatische Mehrstimmigkeit. Vsenoščnoe bdenie

Zum Ende des 15. Jahrhunderts entsteht in der russischen liturgischen Praxis ein einzigartiges Phänomen – dissonante Mehrstimmigkeit, überliefert in Neumen und später in neumatischen Partituren. Diese autochthone Erscheinung repräsentiert im Laufe der zwei Jahrhunderte die liturgische Praxis der Hofsänger der Zaren und des Chores der Moskauer Patriarchen und stellt den Gipfel der russischen Gesangstradition des Mittelalters dar, auf die die westeuropäische Musik noch keinen direkten Einfluss nahm. Zwei mehrstimmige Satztypen, troestročie (dreistimmig) und demestvo (vierstimmig), funktionierten nach dem formelhaften ‚Cento-Prinzip‘, übertragen auf mehrstimmige Faktur. Aus dem Mittelalter übernimmt diese Mehrstimmigkeit den Grundsatz „ein Text = ein Gesang“, d. h., sie lässt keine Vielfalt der Textvertonungen zu. Laut jüngeren Studien sind die beiden Gesangstypen von vornherein als mehrstimmige entstanden, was der westeuropäischen Idee des Cantus firmus entgegensteht. Das Projekt beschäftigt sich mit der frühen russischen neumatischen Mehrstimmigkeit anhand von einem der zwei wichtigsten russisch-orthodoxen Riten – Vsenoščnoe bdenie (Nachtoffizium).

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Christoph Flamm betreut.


 

 

Dilanyan, Yevgine – Die „Flöten-Quatri“ der kurpfälzischen Hofmusiker in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Quartette für das Streichtrio und ein Blasinstrument (insbesondere mit der Flöte) waren als eine Sonderform des Quartetts in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beliebt und verbreitet, was die zahlreichen Drucke und Abschriften europaweit belegen. Auch am kurpfälzischen Hof wurden viele Werke für diese Besetzung komponiert. Wahrscheinlich waren sie ursprünglich für den Dienstherrn Carl Theodor von der Kurpfalz bestimmt, der selbst Flöte spielte. Jedoch erschienen diese Flötenquartette regelmäßig in Paris und wurden zeitnah auch in Amsterdam und London nachgedruckt. Das Renommee der Mannheimer Hofmusiker vor allem auf dem Gebiet der Instrumentalmusik war seit den 1750er Jahren unumstritten. Ihre Werke beeinflussten maßgeblich viele Gattungen wie die der Sinfonie oder der Sinfonia concertante. Auch im Bereich des Quartetts, zu dem sowohl heterogene Instrumentenkonstellationen als auch die homogene Besetzung des Streichquartetts zählen, waren solche Komponisten wie Franz Xaver Richter, Carlo Giuseppe Toeschi oder Christian Cannabich federführend. Die Arbeit befasst sich mit der Rolle bzw. Bedeutung der Flötenquartette Mannheimer Hofmusiker im Kontext der zeitgenössischen Musik, insbesondere im Rahmen der Gattung des Quartetts.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Silke Leopold betreut.


 

 

Fedosenko, Ksenija - Die Rezeption des Zweiten Weltkrieges im Schaffen von Mieczyslaw Weinberg

Mieczysław Weinberg (1919–1996) hat zu seinen Lebzeiten eine große Beachtung der Gesellschaft erfahren, nach seinem Tod jedoch ist er aus verschiedenen Gründen in Vergessenheit geraten. In den letzten Jahren werden viele seiner Werke (ur)aufgeführt, verlegt und aufgenommen, auch die wissenschaftliche Materiallage verbessert sich konstant. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges musste Weinberg aus seiner Heimat Polen fliehen, 1943 konnte er sich in Russland niederlassen. Die Flucht, der Verlust seiner Familie und seiner Heimat, das Leben als Flüchtling mit jüdischer Herkunft widerspiegeln sich in seinem Schaffen – ein sehr großer Teil seiner Werke beziehen sich auf den Krieg. Das Ziel der Dissertation ist, Weinbergs Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg aus verschiedenen thematischen Perspektiven sowie deren musikalische Umsetzung zu beleuchten und kontextuell zu verankern.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Dorothea Redepenning betreut.

E-Mail: ksenija.fedosenko@zegk.uni-heidelberg.de


 

 

Jang, Hyunjee - Asian Concepts in American Music in the Second Half of the Twentieth Century

In American music in the 20th century, there were constant efforts to escape from Eurocentric tradition and concern on how to create unique sounds and ideas in the music in their way. Since the desire to differentiate their music grows further, American composers more focus on rhythm and timbre that were founded abundant sources in Asian and African ethnic music. With the time, Asian and African music began to emerge as original ideas and identity of American composers, when they tried to find musical and aesthetic alternatives outside of the Western European classic. This paper aims to cover the diverse aspects of Asian concepts in American music in the second half of the 20th Century.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Dorothea Redepenning betreut und auf Englisch verfasst.

E-Mail: hyunjee.jang@gmail.com / H.Jang@stud.uni-heidelberg.de


 

 

Lüttin, Roman - Komponistenwerkstätten? Studien zu kollaborativem Komponieren in der frühen Neuzeit

Gegenstand des Dissertationsprojekts ist das Phänomen kollaborativen Komponierens vom späten 15. bis zum frühen 17. Jahrhundert. Wie zuletzt Nicole Schwindt und Esther Dubke in Studien zur Musik am Hof des römisch-deutschen Kaisers Maximillians I. (2018) sowie zur Wittelsbacher Kantorei um Orlando di Lasso (2021) gezeigt haben, herrschen in frühneuzeitlichen Musikinstitutionen bisweilen Werkstatt-ähnliche Produktionsbedingungen. Gerade im Umfeld von Hofkapellen mit hohen Produktionsfrequenzen scheinen – analog zu den Malerwerkstätten der Renaissance – mehrere Individuen im Verbund gearbeitet und komponiert zu haben. Das Dissertationsvorhaben möchte anhand ausgewählter Institutionen die unterschiedlichen Modelle, Techniken und Motivationen gemeinschaftlichen Komponierens beleuchten. Dazu sollen verschiedene, mithin fragmentarische Quellentypen in den Blick genommen werden, in denen sich gemeinsames Lernen und kompositorisches Arbeiten u.a. in Praktiken des Annotierens, Kompilierens, Transponierens, Umtextierens oder auch des Kollationierens zeigt. Das Vorhaben möchte dadurch einerseits produktionsästhetische Prozesse in kritischer Auseinandersetzung mit den monolithischen Kategorien „Werk“ und „Autor“ verfolgen und sich andererseits auch Fragen theoretischer, didaktischer, kultur- und sozialgeschichtlicher Art stellen, die das Phänomen kollaborativen Komponierens evoziert.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

E-Mail: roman.luettin@zegk.uni-heidelberg.de


 

 

Joanna Piecha – Die Oper in Neapel um 1800

Die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert war von politischen Umbrüchen geprägt, insbesondere die Herrschaft Napoleons spielte dabei eine bedeutende Rolle. Denn diese war grundlegend für einen Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und einen Kulturtransfer – so auch in der italienischen Oper. In dem Dissertationsprojekt werden die kulturpolitischen und -wirtschaftlichen Einflüsse der Herrschaft Napoleons auf die neapolitanische Oper im französischen Jahrzehnt (1806–1815) untersucht. Dabei sollen die Einflüsse der französisch-napoleonischen Theaterpolitik auf das Opernsystem in Neapel – insbesondere auf dessen vier Theaterhäuser San Carlo, del Fondo, dei Fiorentini und Nuovo – dargelegt werden. Vor diesem Hintergrund werden die Organisation des Systems, dessen personelle Verbindungen sowie das Repertoire analysiert. Die Beurteilung des Beziehungsgeflechtes zwischen Aufführungsstätten, Politik und Musik stellt einen Beitrag zur Erforschung der neapolitanischen Oper dieser Zeit sowohl unter institutions- als auch gattungsgeschichtlicher Perspektive dar.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Silke Leopold betreut.

 

 

Meašić, Magdalena - Ideology and Gender: The Female Archetype in Soviet Opera

The subject of this thesis is to uncover the almost marginalized Soviet operatic canon following the paradigms of socialist realism and offer a holistic and structured analysis of female characters presented in them. The Soviet government used art, and music in particular, in a very astute manner – not only it has become an instrument of discrete control and a fertile ground for spreading political ideology, but it was also used to build a new common consciousness and Soviet mythology. The point of this research is to fathom the female myth and the female archetype of the unjustly neglected decades of the Soviet opera through the oeuvre of Yurij Shaporin, Kirill Molchanov, Tikhon Khrennikov, and many other composers who contributed to the forming of a unique operatic narrative.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Christoph Flamm betreut.

E-Mail: magdalena.measic@gmail.com


 

 

Mertens, Patrick - Musiktheater und Kommerz. Studien zum kommerziellen Musiktheater und seiner europäischen Rezeption ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Das Vorhaben untersucht den Zusammenhang von Kultur und Wirtschaft am Beispiel des kommerziellen Musiktheaters seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Kompositorische Gestalt und bühnentechnische Umsetzung unterliegen hier den Anforderungen eines Marktes. Der Geschmack des Publikums wird zum bestimmenden Element für die Theaterlandschaft außerhalb der staatlich subventionierten Kulturinstitutionen. Ökonomisches Handeln und kompositorisches Schaffen geraten so in ein Wechselverhältnis, das den Werkbegriff als Schöpfung eines Individuums in Frage stellt. Diese Wechselwirkung zwischen einem Kulturmarkt und künstlerischer Produktion wird an Fallbeispielen aus dem Bereich des Londoner Musiktheaters zwischen den 1880er- und 1980er-Jahren erforscht. Die Untersuchung der ausgewählten Werkkorpora, ihre Kontextualisierung sowie die Betrachtung ihrer Rezeption werden neue Erkenntnisse über die historische Entwicklung des Wechselverhältnisses von Markt und Kultur sowie die Funktionsweisen eines europäischen Kulturmarktes ermöglichen.

Diese Arbeit entsteht im Rahmen des Promotionskollegs Kunst Kultur und Märkte und wird von Prof. Dr. Dorothea Redepenning erstbetreut und von Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern zweitbetreut.

E-Mail: patrick.mertens@zegk.uni-heidelberg.de


 

 

Mihci, Ersin - Forging national music on both sides of the Aegean in the 19th and 20th century

Since the establishment of an independent Greece in 1830 and Turkey in 1923, both nations dedicated themselves to a social and political engineering project that aimed to construct an individual national identity. In their quest to forge new national identities, music played an important role. Both countries sought to design a new national art music by interweaving the modes, rhythm, and performance of traditional music with the composition style and instrumentation of western art music in order to represent themselves as part of Western civilization, which at that time had become a symbol of progress and modernity. The translation of western notions lead to a redefinition of their cultural and national identity and had a big impact on all major music genres: folk music, art music, military band music and urban music. Others like the Rembetiko in Greece or the Sufi music in Modern Turkey were perceived as backward and impure. Analysis of these major music genres reveals both their common theoretical background and the asymmetry in cultural flows they embodied. The dissertation project will focus on exemplary works composed shortly after the establishment of an independent state. The dissertation will examine transcultural flows in music development and their interrelation in the context of nationalization in Greece and Turkey. It is framed in musicological terms but considers in a global context contemporary political and cultural concepts, social aspects and esthetics of the 19th and 20th century. While publications dealing with this topic are often tendentious or focused on single countries, this work takes a comparative approach and aspires to find useful criteria to explain the process of construction of national music and nationalization of music in both Greece and Turkey.
 


 

 

Pegah, Elnaz - Einflüsse der persischen Literatur auf die europäische Kunstmusik

Historisch gesehen ist der Einfluss der persischen Literatur auf die europäische Kultur, im Besonderen Kunstmusik, von großer Bedeutung. Als farbig und inhaltlich reich werden die persische Sprache, Literatur und Poesie bezeichnet und gelten daher als Hauptquellen orientalischer Adaptionen. Sie sind sowohl wegen ihres hohen Alters als auch in literarischer Hinsicht berühmt. Der Dīwān von Ḥāfeẓ, die Rubāʿiyāt von ʿOmar Ḫayyām, die Būstān (dt. Duftgarten) sowie Golestān (dt. Rosengarten) von Saʿdī sind als Beispiele zu erwähnen, welche vielfach in europäische Sprachen übersetzt und veröffentlicht wurden. Über hundert Komponisten in Europa ließen sich von diesen Werken inspirieren und setzten sich mit deren musikalischer Adaption auseinander. Es entstanden zahlreiche Stücke, welche sich direkt oder indirekt auf die persischen Vorlagen beziehen. Was diese Komponisten inspirierte, wie es sich auf ihre Werke und Kompositionsweise ausgewirkt hat und wie die Übertragungen in europäische Sprachen genutzt wurden, verdient somit eine grundlegende Untersuchung.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Dorothea Redepenning betreut.

E-Mail: pegah@stud.uni-heidelberg.de


 

 

Pilz, Marius - Die Vertonungen der Werke des Dichters Christoph August Tiedge

Das heute nahezu unbekannte Werk des Dichters Christoph August Tiedge (1752–1841) diente seinerzeit als Grundlage von über 100 Vertonungen vieler der bekanntesten Liederkomponisten des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Insbesondere sein umfangreiches Lehrgedicht Urania wurde in Auszügen immer wieder als Textgrundlage für Lieder und Kantaten herangezogen, doch noch zu Tiedges Lebzeiten geriet sein Stil außer Mode, und seine Werke und Werkvertonungen fanden im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts ebenso wenig Beachtung wie in der späteren germanistischen oder musikwissenschaftlichen Forschung. Ziel dieser Dissertation ist es, eine möglichst vollständige Aufarbeitung dieser Tiedge-Vertonungen in Angriff zu nehmen und dabei herauszufiltern, wie sich die große Popularität seiner Lyrik sowie deren rasches Abebben in Komponistenkreisen erklären lassen. Dabei sollen sowohl persönliche Musikerbeziehungen in der Vita des Dichters als auch poetische Qualitäten seines Werks berücksichtigt werden.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Dorothea Redepenning betreut.

E-Mail: marius.pilz@stud.uni-heidelberg.de


 

 

Roesler, Ulrike - Das Liszt-Bild in der zeitgenössischen Musikpublizistik

Franz Liszt zählt zu den facettenreichsten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts und schon zu Lebzeiten wurde ihm eine enorme mediale Präsenz in Biographien, Musiklexika, Fachbüchern und vor allem in Zeitschriften zuteil. Das Anliegen der Projektes ist es, das umfangreiche und durchaus heterogene Bild, das die zeitgenössische Musikpublizistik der frühen 1820er-Jahre bis in die späten 1880er-Jahre von Liszt zeichnet, in den Blick zu nehmen und zentrale Aspekte dieser ambivalenten Auseinandersetzung zu beleuchten. Mithilfe eines rezeptions- und diskursanalytischen Ansatzes der musikpublizistischen Forschung soll das Projekt ein quellenfundiertes Gegengewicht zu der in der Forschung bisweilen überakzentuierten Selbstinszenierung Liszts bilden und zugleich den Fokus auf zwei Rezeptionsstränge legen: die „Lebensbilder“ und die „Künstlerbilder“. Beide Stränge sollen zunächst für sich genommen dokumentiert, interpretiert und abschließend als Aspekte einer umfassenden musikpublizistischen Diskursgeschichte wieder zusammengeführt werden. Die Methode bietet die Chance, Liszts Rezeption nicht im Sinne von „wahr oder falsch“ biographisch interpretieren zu müssen und gestattet zudem, Abstand von verengenden Polaritäten wie „Virtuose versus Künstler“ oder „neudeutsche versus absolute Musikästhetik“ zu gewinnen. Mit dem Einbezug von Biographien, Musiklexika, Fachbüchern und einem breiten Panorama der musikalischen Fachzeitschriften soll ein Spektrum gewonnen werden, das das Publikationsnetzwerk um Liszt verdeutlicht und neben einzelnen Wortführern auch häufig anonym bleibenden Gelegenheitsrezensenten und Korrespondenten Raum gibt.

Die Arbeit ist Teil des gleichnamigen DFG-Projektes und wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

E-Mail: ulrike.roesler@zegk.uni-heidelberg.de


 

 

Staasmeyer, Wiebke - Heimatkonstruktionen in den Kalevala-Vertonungen

Das finnische Epos Kalevala, das aus mündlich überlieferten Volksgesängen (sog. Runen) von Elias Lönnrot kompiliert, 1835 erstmals und 1849 in erweiterter Form veröffentlicht wurde, diente fortan nicht nur Dichtern und bildenden Künstlern, sondern auch Komponisten als Inspirationsquelle. Insbesondere im Nationsbildungsprozess um 1900 nahm die Anzahl an Kalevala-Kompositionen, auch wegen zahlreicher Kalevala-Werke von Jean Sibelius, zu. In diesem Dissertationsvorhaben soll mit dem weit facettenreicheren, nicht allein auf Nationalität konzentrierten Heimatbegriff gearbeitet werden, um zu fragen, wie Heimat in ausgewählten Kompositionen konstruiert wurde und inwiefern die Werke an der Modellierung des Heimatbegriffs teilhatten. Damit kann gelingen, den Begriff „Heimat“ von „Nation“ zu trennen und ihn als regionales, transnationales oder universelles Phänomen zu begreifen.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

E-Mail: wiebke.staasmeyer@zegk.uni-heidelberg.de


 

 

Varlemann, Lina - Arthur Chappells Konzertmanagement

Bei der Ausbildung eines professionellen Konzertmanagements im 19. Jahrhundert nahm London, wo die Konzertlandschaft rein privatwirtschaftlich organisiert wurde, eine Vorreiterrolle ein. Eine wichtige Figur in dieser Entwicklung war der Konzertmanager Arthur Chappell (1834–1904). Er leitete die 1858 und 1865 gegründeten Monday und Saturday Popular Concerts, für die er die erfolgreichsten Musiker und Musikerinnen der Zeit engagierte und ihnen weitere Auftrittsmöglichkeiten inner- und außerhalb Londons vermittelte. Chappells Arbeit vereinfachte Konzertreisen nach Großbritannien sowie innerhalb des Vereinigten Königreichs und trug signifikant zur Professionalisierung der Londoner Konzertszene in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei. Ziel des Dissertationsprojekts ist die detaillierte quellenmäßige Dokumentation und historisch-kritische Untersuchung von Chappells Aktivitäten als Konzertmanager der Popular Concerts sowie seine Tätigkeiten als Künstleragent für renommierte Künstler und Künstlerinnen der Zeit. Vor dem Hintergrund der sich wandelnden Konzertlandschaft Londons im Laufe des 19. Jahrhunderts sollen ferner die Konzertreihen und ihre dramaturgischen Entwicklungen analysiert sowie kontextualisiert werden.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.


 

 

Wambsganß, Margot - Die Textvertonung in Carl Orffs „Catulli Carmina“. Schwerpunkt: Die Rhythmisierung im Spannungsfeld von Versmetrum, Versiktus und Wortakzent

Meine Arbeit soll einen Beitrag leisten zur Diskussion über das Problem der Rhythmisierung der Gedichte des römischen Dichters Catull in der Vertonung von Carl Orff als Ludi scaenici. In der Rhythmisierung dieser zwölf Gedichte, die Orff aus Catulls Gesamtwerk zu einer Art „Libretto“ zusammengestellt hat, berücksichtigt er nicht die Gesetze der antiken Metrik, was ihm vor allem die Altphilologen zum Vorwurf machen. In dieser Dissertation sollen deshalb folgende Fragen im Mittelpunkt stehen: Warum ignoriert Orff das Versmaß der Gedichte? Wie behandelt er die Sprache? Wie kompensiert er die „philologischen Mängel“? Werden die Texte durch seinen Freiraum, den er sich schafft, verfremdet oder erhalten sie gerade durch diesen „Makel“ besondere Originalität? Die Ergebnisse sollen dem Verständnis von Orffs Vertonung dienen und darüber Auskunft geben, ob die Missachtung der antiken Metrik überhaupt ein Qualitätskriterium ist. Auch sollen Vertonungen von Catull-Gedichten anderer Komponisten zum Vergleich herangezogen werden.

Diese Arbeit wird von Prof. Dr. Silke Leopold betreut.


 
Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 08.07.2022
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