Wintersemester 2012/2013

Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittelalters und der Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Grabengasse 3-5) statt.

Hauptseminar

Petrarca, Epistolae

2st., Di 17.00-18.30        Beginn: 16.X.            Prof.Wiegand

Der Brief ist eine bevorzugte Gattung der humanistischen Literatur. Bereits der 'Vater des Humanismus' Francesco Petrarca (1304-1374) hat mehrere Sammlungen eigener Epistulae veranstaltet, darunter die berühmten 'Vertrauten Briefe'. In unserem Seminar wird es darum gehen, verschiedene Briefe Petrarcas zu lesen und zu interpretieren, die einen Einblick in seine geistige Welt ermöglichen. Dabei soll das Themenspektrum weit gefasst werden. Behandelt werden u.a. der Brief über den Aufstieg auf den Mont Ventoux, der zahlreiche Forschungskontroversen ausgelöst hat, Briefe über sein Verhältnis zu antiken Gestalten wie Cicero, mit dem sich Petrarca immer wieder auseinandergesetzt hat, aber auch politische Briefe an Kaiser Karl IV. oder Cola di Rienzo. Dazu kommen Reisebriefe über das Rheinland, Briefe über seine Krönung zum Poeta laureatus und poetische Briefe aus den Epistulae metricae. Die Texte werden vom Seminarleiter in Kopie zur Verfügung gestellt.

Zur Einführung: Florian Neumann, Francesco Petrarca, Reinbek 1998.

 

Proseminar


Einführung in die lateinische Sprache des Mittelalters
2st., Di 9.15-10.45        Beginn: 16.X.         Dr.Licht

Die Entwicklung der lateinischen Sprache von der Spätantike bis zur Frühen Neuzeit ist Gegenstand dieser Einführungsver-anstaltung. Charakteristika der Epochen (Merowingerzeit, Klassik des XII.Jahrhunderts, Scholastik) werden anhand von Sprachzeugnissen (Inschriften, Biographie, Grammatiken) und Reflexionen über Sprache (Gregor der Große, Gunzo in St. Gallen, Lorenzo Valla) erarbeitet und illustriert, Nachschlagewerke, Hilfsmittel und einschlägige Studien zur mittellateinischen Sprachgeschichte vorgestellt und diskutiert. Zum Proseminar wird ein Tutorium angeboten.

Zur Vorbereitung: Walter Berschin, Kleine Geschichte der lateinischen Sprache, in: Einleitung in die Lateinische Philologie des Mittelalters, Heidelberg 2012, S.87-130.

 

Lektüre

Lectura Vulgatae: Die Josephsgeschichte Gn 37-50 und ihre Auslegung durch Ambrosius
2st., Mo 11.15-12.45         Beginn: 15.X.         Dr.Köhler

Die Lebensgeschichte Josephs, seine Bevorzugung durch den Vater Jakob, seine Verstoßung durch die Brüder, seine Karriere in Ägypten bilden bereits ohne Thomas Manns aus- und ergreifendes Werk einen stattlichen Roman im Buch Genesis. In der Exegese des Ambrosius dient Joseph vor allem zum Exempel unbeirrter castimonia, im mystischen Sinne ist er Typus für Christus, im anthropologischen Verständnis bietet seine Vita Trost für alle, die Gefängnis und Mißhandlung ertragen. Der Schwerpunkt der Übung liegt auf der Lektüre der Originaltexte und der Diskussion ihres Inhalts. Sie ist auch für jene geeignet, die ihre Lateinkenntnisse erweitern oder die Latinumsprüfung noch ablegen wollen.
Textgrundlage ist die Biblia Sacra iuxta Vulgatam versionem, Stuttgart 52007. Auszüge aus dem Kommentar werden in Kopien zur Verfügung gestellt.

 

Erstlektüre für Historiker: Vita Heinrici IV. imperatoris
2st., Mo 16.15-17.45         Beginn: 15.X.         Dr.Otero Pereira

Bald nach dem Tod Heinrichs IV. (1056-1106) verfaßte ein anonymer Autor eine Lebensbeschreibung des Kaisers. Die Vita, in der die Person Heinrichs mit großer Sympathie geschildert wird, läßt sich am besten als (biographisches) Epitaphium fassen: Die Trauer um den Kaiser liefert den Anlaß, Biographie zu schreiben. Das Werk, das mit einer Klage beginnt, stellt die Persönlichkeit und die Taten des Kaisers in einer anspruchsvollen Komposition dar. Der Kaiserbiograph verwendet zahlreiche Zitate antiker Autoren und rhetorische Figuren. Die Vita Heinrici IV. ist eine Meisterleistung mittellateinischer Prosa und bleibt trotz aller Durchformung in ihrer Sprache klar und verständlich. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt.
 


Textgrundlage: Vita Heinrici IV. imperatoris, ed. W. Eberhard (MGH. Scriptores rer. Germ. 58), Hannover - Leipzig, 1899.

 

Übung/Hauptseminar



Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel
(für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45        Beginn: 17.X.                Dr.Licht
 

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung Franz Steffens, Lateinische Paläographie, Leipzig 21929, tab. 12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten.



Paläographie IV: «Gotische» und «Humanistische» Schriftarten
2st., Mi 11.15-12.45    Beginn: 17.X.                Dr.Licht
 

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV.Jahrhundert; mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse möchten sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.


Schriftgeschichte der lateinischen Geschäftsschriften bis zum Ausgang der Jüngeren Römischen Kursive (III.-XIII.Jh.)

2st., Di 11.15-12.45    Beginn: 16.X.                Dr.Licht
 

Etwa ein Jahrtausend lang wurde im lateinischen Westen die Jüngere Römische Kursive als Geschäftsschrift verwendet, bis sie 1220 und noch einmal 1231 von Kaiser Friedrich II. verboten wurde. An ihrer Lebenskurve kann man ablesen, wie sie zunächst das abendländische Schrifttum dominiert hat und wie noch im VIII. Jahrhundert Buchschriften auf der Basis ihres Alphabets entstanden sind. Ab dem IX. Jahrhundert wurde sie schrittweise von den diplomatischen Minuskeln verdrängt, lebte aber in Italien und dann noch am Golf von Neapel weiter, bevor man sie wegen ihrer vorgeblichen Unleserlichkeit abschaffte. Den Prozeß ihrer Entstehung, Etablierung und Verdrängung zu beobachten und Sicherheit im Lesen der lateinischen Geschäftsschriften bis zum Hochmittelalter zu gewinnen, ist Ziel dieses Kurses. Schrifttafeln werden an die Teilnehmer ausgegeben.

Übung (mit Exkursion)

Buchkultur in gotischer Zeit. Das Zisterzienserkloster Salem
2st.,        Do 9.15-10.45          Beginn: 18.X.             Dr.Fleischer
 

Die Codices Salemitani stellen den zweitgrößten geschlossenen Handschriftenfond der Universitätsbibliothek Heidelberg dar. Nach der Säkularisierung des Zisterzienserklosters Salem am Bodensee wurde 1826 der nahezu ungeteilte Bestand der Klosterbibliothek von der Universitätsbibliothek aufgekauft. Kernstück sind 442 Handschriften, von denen der überwiegende Teil im Kloster selbst entstanden ist. Die 1134 gegründete Zisterze Salem verfügte schon früh über ein eigenes Skriptorium. Im Mittelpunkt der Veranstaltung werden die liturgischen Handschriften stehen, die unter paläographischen, kodikologischen und kunsthistorischen Aspekten betrachtet werden sollen. Einige Sitzungen zur Arbeit an den Originalen werden im Lesesaal der UB Heidelberg stattfinden.

 

Colloquium Neolatinum

Matthaeus Riccius S.J.: De christiana expeditione apud Sinas suscepta (1615)

2st., Do 16.15-17.45       Beginn: 18.X.            Dr.Schouwink
 

Aetate nova expeditiones in terras remotas ignotasque effloruerunt, quibus viri fervore pio repleti gentibus fidem Christianam praedicare gaudebant. Cum linguam atque cultum indigenarum ignorarent, hi confessores haud raro in gravissimos errores inducti sunt. Alia ratione Matthaeus Riccius S.J. (1552-1610) se ad Sinas contulit. Fama eximiae virtutis et humanitatis Sinarum attractus discendi causa se advenisse professus et benigne acceptus est. Mathematica ac astronomia eruditus nobilissimis atque etiam imperatori carus atque iucundus erat. In Matthaei Ricci commentariis postumis prima relatio de Confucio philosopho invenitur. Textus pretio modico in seminarii aedibus acquiri poterunt.


 

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Letzte Änderung: 13.04.2022
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