Bild des Monats September 2018

Chorgestühl Bremen, Sammlung Hartlaub Chorgestühl Bremen, Sammlung Hartlaub Chorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung Hartlaub​ ​
Bremen, Chorgestühl, Wangen, Aufnahme um 1900, Silbergelatinepapier, matt, auf Karton aufgezogen, Fotograf unbekannt, Fotothek, Sammlung Hartlaub, Institut für Europäische Kunstgeschichte

Im Bestand „Topographie“ sind bislang rund 60 Fotografien bekannt, die aus dem Besitz des Kunsthistorikers und ehemaligen Direktors der Mannheimer Kunsthalle Gustav Hartlaub (1884-1963) stammen. Hartlaub erhielt 1946 einen Lehrauftrag an der Heidelberger Universität, wo er drei Jahre später zum Honorarprofessor für Kunstgeschichte ernannt wurde. Vermutlich in dieser Zeit brachte er eine Sammlung an fotografischem Material in die Sammlung der kunsthistorischen Fotothek ein. Fotografien begriff Hartlaub als Arbeitsmaterial. Sie wurden von ihm fein säuberlich ausgeschnitten, im Bild markiert oder rückseitig auf dem Karton beschriftet, verschiedene Fotografien auf einem Karton vergleichend zusammengebracht. Dementsprechend zeigen sie zahlreiche Spuren der Verwendung und Bearbeitung, die sich bis in seine Publikationen und Vorlesungen nachverfolgen lassen. Die gezeigten Fotografien weisen Elemente des Chorgestühls im Bremer Dom (datiert auf 1360/80) auf. Seine reich verzierten Wangen zeigten Szenen aus der Heilsgeschichte, wobei sich Ereignisse aus dem Alten und dem Neuen Testament gegenüberstanden. Die Seitenwände (Wangen) wurden 1823 zur Restaurierung im Chor abgebrochen. Es sind nur noch 9 von 38 Wangen erhalten, die heute in der Südkapelle angebracht sind. Die Fotografien wurden von Hartlaub sauber ausgeschnitten und je einzeln auf hochschmale Kartons aufgezogen und nummeriert. Vermutlich wollte Hartlaub, der sich mit der Bremer Skulptur dezidiert auseinandergesetzt hatte, die Zusammensetzung des Bremer Chorgestühls (datiert auf 1360/80), von dem keine Gesamtansicht bekannt ist, mit den Einzelfotografien rekonstruieren. Der Verdacht erhärtet sich, da bei einigen Fotografien rückseitig der Name „Habicht“ mit Bleistift geschrieben ist. Der Kunsthistoriker Viktor Curt Habicht (1883-1945) studierte u.a. an der Universität Heidelberg in der neuen Abteilung des Archäologischen Institutes bei Henry Thode, bei dem er sich 1911 promovierte. Im Anschluss war er ebenda Assistent, bis er sich 1914 an der Technischen Hochschule Hannover habilitierte und dort als a.o. Professor lehrte. Habicht war ab 1933 Mitglied der NSDAP. Hartlaub bezieht sich eben auf Habichts Rekonstruktionsversuch des Bremer Chorgestühls, den dieser 1913 im Repertorium für Kunstwissenschaft (Bd. 36) publizierte. Eine Veröffentlichung oder Lehrveranstaltung Hartlaubs zu diesem Thema ist jedoch bislang nicht bekannt.

Seitenbearbeiter: Webadministrator
Letzte Änderung: 22.08.2018
zum Seitenanfang/up