Bild des Monats

Oktober 2018

Carlo Naya: Venedig, Blick auf L‘isola di S. Giorgio Carlo Naya: Venedig, Blick auf L‘isola di S. Giorgio
Carlo Naya: Venedig, Blick auf L‘isola di S. Giorgio, ca. 1870, Albuminabzug, 34 x 26 cm, auf Karton aufgezogen, rückseitig beschriftet, Fotothek, Institut für Europäische Kunstgeschichte

Die Fotografie von Carlo Naya (1816-82) zeigt den Blick auf die Isola di San Giorgio in der Lagune von Venedig.  Mit den Bildern von pittoresken Stadtveduten und bekannten Bauwerken bedienten die Fotografen im 19. Jahrhundert vor dem Hintergrund des aufkommenden Tourismus das Bedürfnis der Reisenden nach Souvenirs. Die fotografischen Aufnahmen ersetzten schnell die grafischen und lithografischen  Stadtansichten, konnten sie doch schneller hergestellt werden und lieferten ein vermeintlich authentisches Bild. Die aus Malerei und Grafik bekannten Bildkompositionen und Formgestaltungen dienten der Fotografieals aber als Ausgangspunkt für eigene Formulierungen. Die Fotografie ist auf Karton aufgezogen, die entsprechenden mehrsprachigen Hinweise auf der Rückseite machen deutlich, dass die Aufnahme offenbar von vorneherein für den internationalen Vertrieb vorgesehen war.
1857 ließ sich Naya in Venedig nieder und eröffnete zusammen mit dem Verleger Carlo Ponti,  der die Fotografien vertrieb, ein Atelier. Ab 1868 betrieb Naya sein eigenes Studio in Venedig. Neben Ansichten der Stadt, die vor allem für die Architekturgeschichte von großem Quellenwert sind, ist Naya zudem für seine Reproduktionen von Kunstwerken aus verschiedenen Museen bekannt.

September 2018

Chorgestühl Bremen, Sammlung Hartlaub Chorgestühl Bremen, Sammlung Hartlaub Chorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung HartlaubChorgestühl Bremen, Sammlung Hartlaub​ ​
Bremen, Chorgestühl, Wangen, Aufnahme um 1900, Silbergelatinepapier, matt, auf Karton aufgezogen, Fotograf unbekannt, Fotothek, Sammlung Hartlaub, Institut für Europäische Kunstgeschichte

Im Bestand „Topographie“ sind bislang rund 60 Fotografien bekannt, die aus dem Besitz des Kunsthistorikers und ehemaligen Direktors der Mannheimer Kunsthalle Gustav Hartlaub (1884-1963) stammen. Hartlaub erhielt 1946 einen Lehrauftrag an der Heidelberger Universität, wo er drei Jahre später zum Honorarprofessor für Kunstgeschichte ernannt wurde. Vermutlich in dieser Zeit brachte er eine Sammlung an fotografischem Material in die Sammlung der kunsthistorischen Fotothek ein. Fotografien begriff Hartlaub als Arbeitsmaterial. Sie wurden von ihm fein säuberlich ausgeschnitten, im Bild markiert oder rückseitig auf dem Karton beschriftet, verschiedene Fotografien auf einem Karton vergleichend zusammengebracht. Dementsprechend zeigen sie zahlreiche Spuren der Verwendung und Bearbeitung, die sich bis in seine Publikationen und Vorlesungen nachverfolgen lassen. Die gezeigten Fotografien weisen Elemente des Chorgestühls im Bremer Dom (datiert auf 1360/80) auf. Seine reich verzierten Wangen zeigten Szenen aus der Heilsgeschichte, wobei sich Ereignisse aus dem Alten und dem Neuen Testament gegenüberstanden. Die Seitenwände (Wangen) wurden 1823 zur Restaurierung im Chor abgebrochen. Es sind nur noch 9 von 38 Wangen erhalten, die heute in der Südkapelle angebracht sind. Die Fotografien wurden von Hartlaub sauber ausgeschnitten und je einzeln auf hochschmale Kartons aufgezogen und nummeriert. Vermutlich wollte Hartlaub, der sich mit der Bremer Skulptur dezidiert auseinandergesetzt hatte, die Zusammensetzung des Bremer Chorgestühls (datiert auf 1360/80), von dem keine Gesamtansicht bekannt ist, mit den Einzelfotografien rekonstruieren. Der Verdacht erhärtet sich, da bei einigen Fotografien rückseitig der Name „Habicht“ mit Bleistift geschrieben ist. Der Kunsthistoriker Viktor Curt Habicht (1883-1945) studierte u.a. an der Universität Heidelberg in der neuen Abteilung des Archäologischen Institutes bei Henry Thode, bei dem er sich 1911 promovierte. Im Anschluss war er ebenda Assistent, bis er sich 1914 an der Technischen Hochschule Hannover habilitierte und dort als a.o. Professor lehrte. Habicht war ab 1933 Mitglied der NSDAP. Hartlaub bezieht sich eben auf Habichts Rekonstruktionsversuch des Bremer Chorgestühls, den dieser 1913 im Repertorium für Kunstwissenschaft (Bd. 36) publizierte. Eine Veröffentlichung oder Lehrveranstaltung Hartlaubs zu diesem Thema ist jedoch bislang nicht bekannt.

Seitenbearbeiter: Webadministrator
Letzte Änderung: 02.10.2018
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