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Nikolai Häußermann

 

 

Lehrstuhl für Zeitgeschichte

 

 

 

Am Lehrstuhl seit

SoSe 2007

Position/Funktion

Doktorand

Kontakt

Büro:
Erasmus-Widmann-Gymnasium
Berlinerstr. 16
74523 Schwäbisch Hall
Tel: 0791/95525

Postanschrift Privat:
Radolfzeller Str. 45a
78467 Konstanz

Tel: 07531/8024116
E-Mail: Nikolai.Haeussermann@urz.uni-heidelberg.de



Zur Person

Studium der Geschichte, Germanistik, Altphilologie, Wirtschaft/Politik und Philosophie in Heidelberg auf Lehramt von 2002-2007. Staatsexamen im November 2007. Studium der Philosophie und Arabistik in Paris (Sorbonne, Université de Paris III) 2008. Referendariat an der Schule Schloss Salem 2009/10. Seit 2010 Lehrer am Erasmus-Widmann-Gymnasium Schwäbisch Hall.
 


Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: Al-Qaida: "Qamis Uthman". Evolution einer globalen Protestorganisation (1970-2003)

Kurzdarstellung der Dissertation
Kurz nachdem das zweite Flugzeug am 11. September 2001 in den Südturm des World Trade Centers gesteuert worden war, stand für die dieses Ereignis beobachtenden Weltmedien fest: Ein Tag, der die Welt verändert hat. Damit wurde "9/11" zum ersten, von den Weltmedien selbst deklarierten historischen Ereignis der Weltgeschichte. Passend dazu entwarfen die Medien eine Geschichte des "Bösen", das ganz unbanal in Form einer mächtigen, "religiösen und fanatischen Terrororganisation" mit dem Namen al-Qaida unter dem furchteinflößenden und befremdlichen Anführer mit Turban und Bart, Osama bin Laden, nach der Vernichtung des Westens strebe.
Eine solche Definitionsmacht der Weltmedien provoziert natürlich den Historiker, der sich in seinem Bemühen nach "Aufklärung" um seine historische Deutungshoheit betrogen sieht. Das Thema "al-Qaida" führt deshalb ein Schattendasein unter seriösen Historikern. Man möchte abwarten, bis "der Pulverdampf der Geschichte" (Gadamer) verflogen ist, um besser sehen zu können.
Seit dem Tod von Osama bin Laden und dem Arabischen Frühling könnte man diesen Schritt wagen. Der Pulverdampf verflüchtigt sich, viele aufschlussreiche Quellen werden sichtbar, die bisher auch aufgrund der Sprachbarrieren zum arabischen Raum von westlichen Beobachtern unbeachtet geblieben sind. Eine Geschichte der "religiös-fanatischen Terrororganisation" al-Qaida erscheint aus diesen internen Dokumenten plötzlich ganz anders, sehr unfanatisch, sehr pragmatisch, sehr unideologisch, ganz anders eben, als westliche Medien (und auch arabische Medien) das Bild gezeichnet haben. Dennoch muss die Bereitschaft zur Gewalt al-Qaidas erklärt werden. Das unternimmt diese Arbeit mit einer historischen Untersuchung der neu entdeckten Dokumente (bis in die 70er Jahre) im Lichte der systemtheoretischen Organisationstheorie von Niklas Luhmann. Dabei muss die Systemtheorie um das von Luhmann nur ansatzweise herausgearbeitete System "Protest" erweitert und das gesamte Theoriegebäude Luhmanns vor dem Hintergrund dieses hier neu erarbeiteten Subsystems der Gesellschaft mit seiner Evolutionsfunktion neu bewertet werden. Dabei wird deutlich, dass die Evolution al-Qaidas nicht primär durch ideologische oder gesamtgesellschaftliche Gegebenheiten, sondern "autopoietisch" vor allem durch funktionale und organisationsstrukturelle Gesichtspunkte im Rahmen des Systems "Protest" stattgefunden hat.
Die Thesen der Arbeit sind: Erstens lässt sich al-Qaida als eine Protestorganisation fassen, die durch den politischen Kampfbegriff des "Terrors" vom Westen zu einem zentralen Bestandteil der "Achse des Bösen" aufgebaut wurde - das drückt die Metapher "Uthmans Hemd" ("Qamis Uthman") für al-Qaida aus (Bezeichung Fadil Haruns, dem vermeintlichen Sekretär al-Qaidas). Zweitens kann aufgrund der ersten These die große Wirkung 9/11s nicht auf eine große Ursache (al-Qaida) zurückgeführt werden, sondern 9/11 muss vor allem als eine Selbstirritation der sich entwickelnden Weltgesellschaft verstanden werden. Die Frage bleibt dann natürlich: wozu diese Selbstirritation?
 


Preise

  • Scheffelpreis der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe
  • Politik-Preis der Stadt Stuttgart


Arbeitsschwerpunkte in Forschung und Lehre

  • Systemtheorie und Poststrukturalismus
  • Arabische und Amerikanische Geschichte
  • Kulturelle Übergangsprozesse (bisher vor allem von der Antike zum Frühen Mittelalter)


 

(English Version)

Seitenbearbeiter: Martin Stallmann
Letzte Änderung: 16.01.2014
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