Antikenrezeption im Rom-Souvenir

Die Marmor- und Bronzemodelle des Lindenau-Museums Altenburg

 

Maßgeblich in den 40er Jahren des 19. Jhs. erwarb der sächsische Staatsmann, Astronom und Mäzen Bernhard von Lindenau (1779–1854) den Bestand seines später nach ihm benannten Museums in Altenburg in Thüringen (MuseumsseiteExterner Inhalt). Dieses ist nicht nur durch seine Sammlung antiker Keramik für die Klassische Archäologie interessant, sondern auch aus museologischer und rezeptionsgeschichtlicher Perspektive: Im Bestand des Lindenau-Museums Altenburg finden sich nämlich neben Gipsabgüssen nach berühmten Statuen auch unterschiedliche Nachbildungen antiker Architekturen. Abgesehen von Terrakotta-Reproduktionen einzelner Bauteile gehören hierzu etwa 15 Korkmodelle, von denen manche durch Bernhard von Lindenau über Emil Braun bei Luigi Carotti in Rom bestellt wurden.

Während die Korkmodelle allgemein mittlerweile als sehr gut erforscht gelten können, ist die archäologische Rezeptionsforschung bisher noch kaum auf die Gruppe der Marmor- und Bronzemodelle aufmerksam geworden, von denen das Lindenau-Museum Altenburg ein Dutzend Exemplare beherbergt. Modelle wie diese entstanden zahlreich im ‚langen‘ 19. Jh. in Rom und werden, da sie vorwiegend von begüterten Reisenden gekauft wurden, gerne als ‚Grand-Tour-Souvenirs‘ bezeichnet. Die breitere Käuferschicht und die verwendeten Materialien weisen bereits auf wichtige Unterschiede gegenüber den Korkmodellen hin, die wegen ihrer häufig ‚archäologischen Detailtreue‘ noch heute als authentische Zeugnisse hoch geschätzt werden. Die Marmor- und Bronzemodelle dagegen funktionieren anders, sie repräsentieren ihre Vorbilder eher summarisch, nehmen aber dafür durch ihr buntes Steinmaterial – das allzu häufig unmittelbar aus antiken Resten ‚recycelt‘ wurde – direkten Bezug auf Rom als Stadt des Marmors und der glanzvollen Monumente.

Das Publikationsprojekt, das wir in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Lindenau-Museum Altenburg durchführen, ist aus dem Hauptseminar „Die 'Grand Tour' als Katalysator der Antikenrezeption im 18./19. Jh.: Neuzeitliche Blicke auf Rom“ im Sommersemester 2019 hervorgegangen und wird mit studentischer Beteiligung umgesetzt.

 

 


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Caterina Maderna und Arne Reinhardt

 

Antikenrezeption_RomSouvenir

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 18.10.2019
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