Karl-Jaspers-Professur

Die Karl-Jaspers-Professur für philosophische Grundlagen der Psychiatrie an der Universität Heidelberg wurde eingerichtet, um Brücken zwischen Philosophie, Psychiatrie und Neurowissenschaften zu schlagen. Am 1. Mai 2010 wurde der Psychiater und Philosoph Professor Dr. Dr. Thomas Fuchs auf die Professur berufen.


Geschichte und Konzeption


Die Universität Heidelberg kann auf eine lange Tradition der Verbindung von Medizin und Philosophie zurückblicken. Vor allem der Philosoph und Psychiater Karl Jaspers (1883 - 1969), der seit 1916 als außerordentlicher Professor, von 1921 bis 1937 dann als Ordinarius für Philosophie an der Universität lehrte, versuchte zeitlebens die Grenzen zwischen Philosophie, Psychologie, Psychiatrie und Medizin zu überwinden. Diese Tradition aufgreifend wurde 2010 die Karl-Jaspers-Professur an der Universität eingerichtet, um den interdisziplinären Brückenschlag zwischen Natur- und Geisteswissenschaften zu fördern. Zum ersten Mal in Deutschland wurde mit ihr ein Lehrstuhl für philosophische Grundlagen der Psychiatrie geschaffen, der aus Exzellenzmitteln der Universität, dem Landes-Innovationsfond „Medizin und Gesellschaft“ und vom Zentrum für Psychosoziale Medizin finanziert wird.


Am 1. Mai 2010 wurde Professor Dr. Dr. Thomas Fuchs auf den neuen Lehrstuhl berufen. Mit seiner Doppelqualifikation bringt er besondere Voraussetzungen für diese Aufgabe mit sich, denn er wurde nach einem Studium der Medizin, Philosophie und Geschichte sowohl in Medizingeschichte als auch in Philosophie promoviert. 1999 habilitierte er sich mit einer Arbeit zur „Psychopathologie von Leib und Raum“ in Psychiatrie, 2010 dann mit seinem Buch „Das Gehirn – ein Beziehungsorgan“ auch in Philosophie.


Die Professur soll zum einen die Forschung zu den phänomenologischen, anthropologischen und ethischen Grundlagen der Psychiatrie, der Psychologie und der Neurowissenschaften fördern, zum anderen auch dem Aufbau dauerhafter Forschungsverbünde von Lebens- und Kulturwissenschaften in Heidelberg dienen. Einen der Schwerpunkte der Forschungsarbeit stellt derzeit die Phänomenologie und Psychopathologie der Verkörperung (embodiment) dar. Die Interdisziplinarität spiegelt sich im Bereich der Lehre wider, indem einerseits Mediziner, Psychologen und Neurowissenschaftler an philosophische Themen und anderseits Philosophen an psychiatrische und neurobiologische Fragestellungen herangeführt werden.

 

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Letzte Änderung: 27.07.2018
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