Aktuelle Dissertationsvorhaben

 

Beconi, Mattia:

"Freiheit und Abgrund: eine systematischer Vergleich der Ontologie Schellings und Pareysons unter besonderer Berücksichtigung ihrer Betrachtung des Bösen und des Erstaunens der Vernunft"

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Peter König, Heidelberg)

Kurzbeschreibung: Im Zuge der Krise der systematischen Philosophie Hegels, die mit einer umfassenden Rationalisierungstendenz in allen Wissensbereichen einhergehen, wird auch das Thema des Anderen der Vernunft Gegenstand des philosophischen (Hinter-)Fragens. Motiviert durch die Beachtung, dass ein Gott, um frei zu sein, die Vernunft übergeht. Deshalb entstehen neue Themen in der Philosophie wie zum Beispiel die Existenz, die Geschichtlichkeit des Seins, die Ästhetik. Genannt seien hier allen voran Schelling, Kierkegaard, Heidegger und Pareyson. Dieses Dissertationsprojekt unternimmt den Versuch einer Rekonstruktion und Analyse des Diskurses mithilfe der philosophiehistorischen Methode der Hermeneutik der religiösen Erfahrung in der Form, welche Luigi Pareyson entwickelt hat. Im Mittelpunkt der Studie soll dabei die Berliner Vorlesungen Schellings, vor allem die Philosophie der Offenbarung  die Darstellung der reinrationalen Philosophie, und Pareysons Ontologie der Freiheit, welche im deutschen Sprachraum bisher nicht erschlossen wurde. Dabei sollen diese bemerkenswerten Denker nicht künstlich aus seinem historischen Kontext isoliert und für sich betrachtet, sondern aus dem zeitgenössischen philosophischen Diskurs um ihren tapferen Diskurs in Bezug auf das Böse, die Freiheit und das Anfang Gottes spürbar zu machen. Dies wird durch eine neue Betrachtung des Verhältnisses der positiven und negativen Philosophie Schelling, welche uns erlaubt, über Pareyson hinaus zu gehen.

Lebenslauf

04/11/2019: Universität Heidelberg: Master Abschluss in Philosophie Note 1,2 Masterarbeit: “Von der Tragik zur Liebe. Fragmente einer trinitarischen Ontologie in Pareysons Ontologie der Freiheit”

08/07/2015: Universität Torino: Bachelor Abschluss im Studiengang Geisteswissenschaften(Philosophie) Note 110/110 Bachelor Arbeit: “Il fanciullo e l’eterno ritorno: Nietzsche nell’interpretazione di Loewith”

mattiabeconi@gmail.com

 


Chai, Yu:

"Die Lichtmetapher bei Dionysius"

(Erstbetreuer: PD Dr. Max Rohstock)

Kurzbeschreibung: Die Dissertation untersucht die metaphysische Funktion der Lichtmetapher in der Philosophie des Dionysius Areopagita. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern das Licht bei Dionysius nicht nur als Erkenntnismedium oder Symbol des mystischen Aufstiegs fungiert, sondern als unmittelbarer Ausdruck des Absoluten und damit als konstitutives metaphysisches Prinzip verstanden werden muss. Begriffe wie dynamis und Theophanie bilden dabei den theoretischen Rahmen, um die Beziehung zwischen dem transzendenten Gott und der geschaffenen Welt zu analysieren.

Unter Rückgriff auf den Neuplatonismus, insbesondere auf Proklos, zeigt die Arbeit, dass Dionysius eine komplexe Lichttheorie entwickelt, in der das Licht zugleich göttliche Präsenz, Wirkprinzip und Weg zur Vereinigung mit Gott ist. Die Untersuchung der symbolischen Vermittlung – einschließlich der Erfahrungen von Erleuchtung, Einführung, Reinigung und Vereinigung – macht deutlich, dass das Licht die dynamische Offenbarung des Absoluten ermöglicht und das Spannungsverhältnis zwischen Transzendenz und Erscheinung strukturiert. Methodisch verbindet die Dissertation philologische Präzision mit systematisch-hermeneutischer Analyse. So wird Dionysius’ Lichtmetaphysik nicht nur historisch erschlossen, sondern auch hinsichtlich ihrer epistemologischen und theologischen Implikationen neu interpretiert. Ziel ist es, die Lichtmetapher als Schlüssel zum Verständnis der dionysischen Metaphysik und ihrer Symboltheorie sichtbar zu machen.

chaiyu2023@gmail.com

 


Defrance, Ombeline:

"The advent-driven nature of psychiatric illness facing the challenge of cyclicity"

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs (cotutelle with Pr. Bernard Pachoud, at Paris-Cité University, Paris, France))

Kurzbeschreibung: The doctoral research, which falls within the field of phenomenological psychopathology, aims to deepen phenomenological descriptions of the lived experience of time in bipolar patients and the resulting transformations of selfhood, also called ipseity. It will take into account the contributions of contemporary phenomenology, in particular Claude Romano's advent-based hermeneutic approach and Henri Maldiney's psychopathological hypotheses. The theoretical ambition of the project is to contribute to enriching the phenomenological analysis of the temporality experienced in major dysthymic episodes, and on the long-term perspective, a temporality that is also reshaped and “distanced” when the subject organizes themselves to “live with” these cyclical and chronic disorders. To be more precise, I will ask myself what singular temporality opens up with and through the (more or less disruptive) advent of the onset of the disorders. I will analyze the data from research interviews in the light of the working hypotheses of these philosophers, with a particular focus on the potential therapeutic implications. The challenge is to determine the contribution of this phenomenological approach to the scale of care. This involves reflecting on the practical potential of phenomenology in clinical conditions and healthcare practices, with a greater focus on the study of temporality disorders.

Fede, Manfred:

"Grenzrevisionen des Unbewussten. Eine phänomenologische Neufassung des Unbewussten im Spannungsfeld von Tiefen- und Höhenpsychologie"

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Heidelberg)

Kurzbeschreibung: Das Unbewusste ist konstitutiv für unsere Existenz. Das Bewusstsein formiert sich zunehmend im Verlauf des Lebens (genetische Sichtweise). Beide bilden ein Spannungsfeld, eine Polarität, beide konstituieren sich in Intersubjektivität, weisen aber dennoch ein strukturelles, wenn auch nicht unabhängig voneinander bestehendes, Innen und Außen, wie auch ein Unten und Oben auf. Die Phänomenologie als Haltung und Technik bildet die methodische Grundlage für eine wissenschaftliche und schwerpunktmäßig erstpersonale Auseinandersetzung mit der Thematik. Das Forschungsinteresse gilt dem Unbewussten und im Rahmen der Dissertation soll versucht werden, es in einem zweistufigen Konzeptualisierungsverfahren modellhaft, integrativ und nichtreduktiv (neu) zu fassen. Dabei erscheint vor allem ein Einbeziehen der von Viktor E. Frankl begründeten Logotherapie und Existenzanalyse aus forschungstheoretischer Sicht vielversprechend zu sein. Die Dissertation ist als theoretisch-philosophische Arbeit konzipiert, die methodisch beschreibende, hermeneutisch-vergleichende, konzeptualisierende sowie erstpersonal- phänomenologische Arbeitsweisen miteinander kombiniert und stellenweise mit drittpersonalen Perspektiven aus empirischer Forschung verschränkt. Das Ziel der Arbeit liegt in der Theorieentwicklung in zweifacher Weise: Erstens soll ein heuristisches Modell in axialer Aufspannung entwickelt werden, das integrativ unterschiedliche Zugänge zum Unbewussten miteinander in Abgleich bringt. Zweitens soll das geistig Unbewusste, wie es für die Logotherapie und Existenzanalyse nach Frankl konstitutiv ist, einer phänomenologischen Revision und theoretischen Weiterentwicklung zugeführt werden. Abschließend werden mögliche Implikationen für die psychotherapeutische Praxis erörtert.

manfred.fede@donau-uni.ac.at

Lebenslauf

  • 2010 Diplomstudium Philosophie an der Universität Wien
  • 2019 Weiterbildungsstudium Psychotherapie und Ausbildung zum Existenzanalytiker und Logotherapeuten nach Viktor E. Frankl an der Universität für Weiterbildung Krems (Donau-Universität Krems)
  • Seit 2022 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität für Weiterbildung Krems (Donau-Universität Krems)
  • Seit Herbst 2023 Arbeit am Dissertationsprojekt „Grenzrevisionen des Unbewussten“
 


Fix, Michael:

"Stimmung als konstitutive Eigenschaft ästhetischer Gegenstände und als bedeutungstragendes Element von Kunstwerken"

(ErstbetreuerIn: Prof. Dr. Julia Peters)

Kurzbeschreibung:

Das Promotionsprojekt untersucht den Begriff der Stimmung, die als konstitutive Eigenschaft ästhetischer Gegenstände sowie als ein bedeutungstragendes Element von Kunstwerken verstanden wird. Dabei soll der Ausdruck von Stimmung den allgemeingültigen und grundlegenden expressiven Gehalt ästhetischer Gegenstände ausmachen. 

In kritischer Auseinandersetzung mit Georg Simmels Stimmungsbegriff wird das Verhältnis von Subjekt und Objekt in ästhetischen Kontexten bestimmt: Stimmung gehört dem Gegenstand an, wird jedoch erst im Vollzug ästhetischer Erfahrung zugänglich. Sie ist weder rein subjektiv noch ganz unabhängig von menschlicher Wahrnehmung, sondern konstituiert sich im Zusammenspiel von Subjekt und Objekt und trägt gleichzeitig zur Grenzbestimmung des jeweiligen ästhetischen Gegenstands bei.

Die Arbeit rekonstruiert die begriffsgeschichtliche Entwicklung des Stimmungsbegriffs in der Ästhetik und klärt sein Verhältnis zum verwandten Begriff der Atmosphäre; betont wird dabei, dass Stimmung ein genuin ästhetischer und psychologischer Begriff ist, der - anders als Atmosphäre - ausdrucksfähig ist und Korrektheitsansprüche zulässt. 

Auf dieser Grundlage und in der engen Auseinandersetzung mit Beispielen aus verschiedenen Kunstgattungen wird der Ausdruck von Stimmung als eigenständige, objektive und quasi-semantische Bedeutungsebene von Kunstwerken verteidigt, die in unterschiedlichen interpretativen Kontexten pragmatisch aktualisiert werden kann.

Zudem wird erörtert, inwiefern Stimmung als ästhetisches Prädikat systematisch in die analytische Ästhetik integrierbar ist und ob sie eine grundlegende Alternative zu traditionellen Kategorien wie Schönheit darstellt, die sowohl in der künstlerischen Praxis als auch in der kunstphilosophischen Reflexion stark an Bedeutung verloren hat.

m.fix@stud.uni-heidelberg.de

 

Lebenslauf

2019: BA in Philosophie und Latinistik (Uni Heidelberg)

2023: MEd in Philosophie und Latinistik (Uni Heidelberg)

2024: MEd in Anglistik (Uni Heidelberg)

seit 10/2024: Arbeit am Dissertationsprojekt

seit 04/2026: Lehrbeauftragter am Philosophischen Seminar

 


Hao, Chenchong:

„Die Berührung von Geist und Natur. Studie über die philosophische Anthropologie von Jacob Böhme“ 

(Erstbetreuer: PD. Dr. Rohstock)

Kurzbeschreibung: Die Nennung der Schlüsselbegriffe „Geist“ und „Natur“ rührt daher, dass die zentrale Fragestellung dieser Arbeit folgende ist: Heutzutage neigt man dazu, „Geist“ und „Natur“ einander gegenüberzustellen oder die Natur lediglich als Metapher zu betrachten, das die geistige Aktivität des Menschen begleitet. Gleichzeitig verbirgt dieser scheinbare Widerspruch ein tiefgreifendes Ineinanderwirken. – Welche ontologische Grundlage und welche existenzielle Manifestation hat diese strukturelle Beziehung? Die Philosophie von Jacob Böhme bietet hierfür ein ausgezeichnetes Paradigma. 
Die Dissertation wird von dem dualen Einfluss ausgehen, der durch die naturphilosophische Linie der Paracelsus-Tradition und die geistesphilosophische Linie der Eckhart-Luther-Tradition repräsentiert wird, um die Verflechtung von „Naturalisierung des Geistes“ und „Vergeistigung der Natur“ im Denken Böhmes darzulegen. Böhme jedoch hebt beide Traditionen in sich auf: In der alchemistischen Betonung der Naturrealität dekonstruiert er die negative Theologie, während er zugleich die alchemistische Rede durch die zentrale Stellung der Seele begrenzt. Seele und Natur etablieren eine neue Analogie, die sich im „Ungrund“ verdichtet: Der „Ungrund“ ist zugleich ungestaltete Natur und sich strukturierender Wille, ein sich der Begrifflichkeit öffnendes Nicht-Begriffliches (Erfahrung). Unter der Anleitung dieses zugleich methodologischen Begriffs „Ungrund“ werden bei Böhme scheinbar getrennte Teile miteinander verknüpft, und die anthropologische Konstruktion erhält ontologische Dimension.

chenchong.hao@stud.uni-heidelberg.de

Lebenslauf

2016-2020 Studium der Philosophie an der Soochow-Universität

Bachelorarbeit: „Zur Formalität der kantischen Theorie des Selbstbewusstseins – eine Untersuchung aus der Perspektive der hegelschen Negativität“

2020-2023 Studium der deutschen Philosophie an der Fudan-Universität

Masterarbeit: „Zur intellektuellen Anschauung in Schellings Identitätsphilosophie“

seit 2024 Arbeit am Dissertationsprojekt „Die Berührung von Geist und Natur. Studie über die philosophische Anthropologie von Jacob Böhme“ 

 

Höger, Sebastian:

„Walter Benjamins Theorie der Erfahrung“ 

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Peter König)

Kurzbeschreibung: Dieses Dissertationsprojekt rekonstruiert Walter Benjamins Theorie der Erfahrung als „operative Metaphysik“ und entfaltet sie als rigorose Disziplin der Nicht-Synthesis. Gegen die Tendenz, Benjamin entweder messianisch zu überhöhen oder melancholisch zu ästhetisieren, wird der „Riss“ zwischen Form und Geltung hier nicht als Defekt, sondern als konstitutives methodisches Kriterium gefasst.

Unter heuristischem Rückgriff auf Strukturanalogien moderner Physik (Local-Friendliness-No-Go als Stresstest gegen Vollregister) wird die Illusion einer globalen, widerspruchsfreien Faktentafel problematisiert. An ihre Stelle tritt eine negative Ontologie, die Wahrheit nicht als zeitlosen Besitz, sondern als indexiertes, fenstergebundenes Ereignis bestimmt. Daraus folgt eine strikte Lizenzordnung: KNP (kein kontextfreier Ereignistitel) und NZS (Schließungsverbot, wo Schließung nur durch Tilgung möglich wäre) untersagen den ungedeckten Export lokaler Geltung in totale Systeme.

Ziel ist eine Epistemologie des Restschutzes: Benjamins „Lichtkern der Erlösung“ wird hier als „reiner innerer Reiz“ operationalisiert – ein nicht-disponibler Rest, der vor der Glättung durch Synthese bewahrt bleibt. Philosophie erscheint damit nicht als Versöhnungserzählung, sondern als Arbeit an Protokollen (Index, Invarianz, Transportlizenz), die Entscheidung und Bindung ermöglichen, ohne die Bruchlinien der Realität zu harmonisieren.

 

Lebenslauf

2003–2009 Studium der Philosophie und Deutschen Philologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Magister Artium)

Seit 2009 Arbeit am Dissertationsprojekt „Walter Benjamins Theorie der Erfahrung“

 

Ludes, Janosch:

"Eine Verteidigung des psychologischen Hedonismus"

(Erstbetreuer*in Prof. Dr. Susanne Mantel)

Kurzbeschreibung: Die Dissertation untersucht, ob der psychologische Hedonismus in der philosophischen Rezeption zu Unrecht als unhaltbar verworfen wurde. Die Arbeit prüft, ob eine modifizierte Version der Theorie gegen typische Einwände sinnvoll zu verteidigen ist.

Im ersten Teil wird die Theorie eines rationalen kollektiven psychologischen Hedonismus entwickelt. Zentral ist dabei eine differenzierte Lusttheorie: Lust wird als qualitative und heterogene Erlebnisqualität verstanden. Dadurch können unterschiedliche Lusterfahrungen unter einen gemeinsamen Begriff gefasst und das sogenannte Heterogenitätsproblem gelöst werden.

Der zweite Teil der Arbeit verteidigt die Theorie gegen klassische Einwände. Dabei wird geprüft, ob der psychologische Hedonismus — zumindest in der rationalistischen Variante — eine plausible Erklärung menschlicher Motivation darstellt. Die Arbeit untersucht im Zuge der Verteidigung zudem, inwiefern eine rationalistische Version des psychologischen Hedonismus vom normativen Hedonismus abgrenzbar ist und damit als eigenständige psychologisch-deskriptive These bestehen kann.

janoschludes@yahoo.de

 


Mercado Vásquez, Martin:

Die verkörperte Person. Phänomenologische Untersuchung zur Konstitution der menschlichen Person durch die Beziehung zwischen leiblichem und narrativem Selbst

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs)

Kurzbeschreibung: Die Arbeit verortet sich in der aktuellen Debatte über das Verhältnis von leiblichem und narrativem Selbst und fragt nach der Konstitution der Person im Horizont der Verkörperung. Verkörperungsprogramme zielen zwar auf die Überwindung des Dualismus und präzisieren das Verhältnis von Geist, Körper und Umwelt; doch bleibt häufig unbestimmt, auf welchem Niveau Leiblichkeit (praktisch-affektive, situierte Einheit) und Narrativität (Selbstdeutung, autobiographische Kontinuität) zur personalen Einheit zusammenkommen. Diese Leerstelle erzeugt ein doppeltes Risiko, nämlich die Reduktion der Person auf ein selbstregulatives Funktionssystem oder die Auflösung personaler Identität im sprachlichen Konstruktivismus. Leitend ist daher die Frage, wie leibliches und narratives Selbst ko-konstitutiv aufeinander bezogen sind, ohne auf Kausalmodelle verkürzt zu werden.
Methodisch verbindet die Untersuchung personalistische Einstellung und genetische Phänomenologie (Zeitbewusstsein, Sedimentierung, Habitualisierung, Leibgedächtnis) und nutzt heuristisch Semiotik und Erzähltheorie. Die zentrale These lautet: Eine nicht-reduktionistische Reformulierung verlangt das Konzept des dramatischen Selbst als vorsprachliche Integrationsstruktur, in der die Person als Agent-Patient in interpersonalen Situationen mit normativ-affektiver Valenz orientiert ist und Rollen- sowie Situationswechsel erfährt. Trauma dient als Grenzfall, um Störungen dieser dramatischen Struktur (insbesondere situative Zeitlichkeit und Agent-Patient-Organisation) phänomenologisch zu klären. So wird die verkörperte Person als dynamische, zeitliche und relationale Einheit begrifflich expliziert und in klinischen Phänomenen überprüft.

martin.mercadov@uni-heidelberg.de

Lebenslauf

Seit 2024 Doktorand am Institut für Philosophie der Universität Heidelberg (Schwerpunkte: phänomenologische Anthropologie, genetische und enaktive Phänomenologie; interdisziplinärer Dialog mit Narratologie und Literaturwissenschaften).

2023 Masterabschluss in transdisziplinärer Forschung an der Öffentlichen Universität von El Alto (Schwerpunkt: phänomenologisches Verständnis von Krankheit und Psychopathologie).

2019–2020 Forschungsaufenthalt als DAAD-Stipendiat an der Universität Rostock (Projekt: Rolle des Leibes in der Neuen Phänomenologie von Hermann Schmitz).

2014 Masterabschluss in lateinamerikanischer Literatur an der Universidad Mayor de San Andrés (Bolivien).

2012 Diplomabschluss in Philosophie an der Universidad Mayor de San Andrés (Bolivien).

 

Pritzkau, Alexandra:

Alienation and Intersubjektivity

(Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs)

 
 


Rupprecht, Andreas:

"Metaphysik und System der Naturphilosophie in Kants Opus postumum und beim frühen Schelling"

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Julia Peters)

andreas.rupprecht@stud.uni-heidelberg.de

Kurzbeschreibung: Kants handschriftlicher Nachlass (Opus postumum) wirft nach wie vor Fragen zum Verhältnis zu dessen kritischen Werken auf. So wird in der Nachlassforschung u.a. diskutiert, inwiefern die a priori geführten Ätherbeweise für die stoffliche Grundlage möglicher Erfahrung vereinbar mit den Grundsätzen der kritischen Philosophie sind und ob Kant sich kurz vor seinem Tod vielleicht tatsächlich noch dem Spinozismus zuwendet (nachdem er sich in der kritischen Philosophie doch noch so eindeutig von diesem distanziert hat). Auch das Verhältnis zu den parallel entstandenen naturphilosophischen Entwürfen Schellings und Hegels bedarf weiterer Klärung.
Das Dissertationsprojekt nimmt vor allem den Systembegriff der späteren Konvolute (1800-01) in den Blick und geht der Frage nach, ob das in der kritischen Philosophie angekündigte System der reinen Philosophie noch einen im kantischen Sinne befriedigenden Abschluss findet. Die im Erscheinen begriffene Neu-Edition des Nachlasses stellt dafür nach langer Zeit der Überarbeitung eine historisch-kritische Textgrundlage zur Verfügung.

Lebenslauf

2017-2021 Bachelorstudium Geschichte und Philosophie (Uni Heidelberg)

2021-2023 Masterstudium Philosophie (LMU München)

2024-2025 Master of Education Geschichte und Philosophie/Ethik (Uni Heidelberg)

Seit 2024 Arbeit am Dissertationsprojekt

 

 


Sabato, Danzilli:

"Die Hegel-Interpretation der neukantianischen südwestdeutschen Schule"

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Peter König)

Kurzbeschreibung: Für gewöhnlich besteht in der Philosophie der Konsens, dass in der Forschung alle Fragen hinreichend geklärt sind. Bislang unberücksichtigt blieb in diesem Zusammenhang allerdings immer die transzendentalpragmatische Begründung dieser Annahme. Die These des vorliegenden Projektes besteht dementsprechend darin, die Bedingung der Möglichkeit einer solchen Annahme als solche zu hinterfragen und innerhalb eines neu entwickelten, dreistufigen Modells paradisziplinär in drei Akten diese Vorstellung erstmals von Grund auf infrage zu stellen.

 

 

Tang, Jingyan:

"Die Dynamik des Seins: Leibniz’ Conatus-Lehre als Grundlage einer prozessualen Normativität und Theorie der Perzeption"

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Max Rohstock)

Kurzbeschreibung: Dieses Dissertationsprojekt untersucht den Begriff des Conatus als architektonisches Bindeglied zwischen der Dynamik und der Metaphysik der Individualität bei Gottfried Wilhelm Leibniz.

Über die historische Rekonstruktion hinaus zielt die Arbeit darauf ab, Leibniz’ Philosophie als Fundament einer genetischen Form der Normativität zu begreifen, die moralisches Handeln nicht aus abstrakten Imperativen, sondern aus der realen Geschichtlichkeit, Zeitlichkeit und Bedingtheit des Individuums ableitet. Im Zentrum steht dabei die Perzeptionstheorie: Durch die Analyse der Mikrowahrnehmungen und des „strebenden“ Charakters der Monade wird aufgezeigt, wie die konstitutive Kraft des Seins in einer immanenten Reflexivität liegt.

Diese Perspektive bietet nicht nur Anknüpfungspunkte für die moderne Phänomenologie des Unbewussten und des Leibes , sondern erlaubt auch einen innovativen Brückenschlag zu den Funktionsprinzipien von Large Language Models (LLMs), indem Leibniz’ Repräsentationstheorie als Vorläufer für das Verständnis relationaler Informationsverarbeitung und interaktiver Sprachstrukturen gedeutet wird. Schließlich wird unter Einbeziehung der Philosophie Fichtes dargelegt, dass die Freiheit des Individuums untrennbar mit der wechselseitigen Anerkennung und der universellen Vernunftordnung verknüpft ist. Der Conatus fungiert somit als die zentrale Bewegung, in der Metaphysik, Phänomenologie und Ethik zusammenfallen, um eine prozessuale Antwort auf die Frage nach dem Konsens in einer pluralistischen Moderne zu geben.

Tangjingyan0718@163.com
 


Villanueva, Nicole:

"Unified Sensory Perception as a Basis of Reality"

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Dr.Thomas Fuchs)

Kurzbeschreibung:

The notion of unified sensory perception, developed by the philosopher Nishida Kitarō, designates a mode of perception in which reality is disclosed through the integrated activity of body and mind. Rather than conceiving perception as a purely cognitive or representational process, this notion emphasises the lived body as the critical medium through which reality is encountered. Unified sensory perception thus refers to a pre-reflective, embodied mode of awareness in which sensing, acting, and understanding arise together.

This conception is of particular significance in the contemporary context, marked by an increasing dependence on digital technologies and the emergence of virtual reality–conditions that were absent from earlier philosophical frameworks. Virtual environments are now capable of simulating reality three-dimensionally, reshaping the spatial and temporal structure of experience and challenging traditional criteria for distinguishing between the real and the unreal. In response to this rupture, the concept of unified sensory perception offers a philosophical orientation for rethinking how reality is given and recognised.
By foregrounding embodiment as the condition of access to reality, this approach addresses a broader contemporary crisis: the growing dominance of mechanistic and disembodied conceptions of the human being, and the resulting uncertainty regarding humanity’s place in an increasingly technologised world.

nicole@doktorandenkonvent.uni-heidelberg.de

 

Lebenslauf

2009–2014 Diplom in Philosophie, Pontificia Universidad Católica de Valparaíso (Chile)

2016–2018 Master in zeitgenössisches Denken: Philosophie und politisches Denken, Universidad Diego Portales (Chile)

2020–2026 Arbeit am Dissertationsprojekt “Unified Sensory Perception as a Basis of Reality”, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Deutschland)

 

 


Vollmer, Michael:

"Unified Sensory Perception as a Basis of Reality"

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Susanne Mantel)

Kurzbeschreibung: In der jüngeren Literatur ranken sich diverse Debatten um den Status gewisser Normen. Dabei ist es gang und gäbe zwischen solchen Normen zu unterscheiden, die „authoritative“ oder „substantive“ sind (Ethik; Klugheit; …), und solchen, denen diese besondere normative Kraft fehlt (Monopoly Regeln; Tanzschritt; …). Obwohl diese Unterscheidung geläufig ist, ist es nicht offensichtlich wie genau man diese Begrifflichkeit zu verstehen hat, und ob diese Ausdrücke in allen ihren Verwendungsweisen auf dieselbe Unterscheidung abzielen. Im Rahmen der Dissertation wird dieser offenen Fragestellung in der metanormativen Literatur nachgegangen.

Lebenslauf

2016: BA in Philosophie und Psychologie an der Universität Bonn

2019: MSc in Logik an der Universität Amsterdam

2020: MA in Philosophie an der Universität Bochum

2021-2023: Universitätsassistent an der Universität Innsbruck

Seit Oktober 2023: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Philosophischen Seminar

 

 

 

 

 

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 02.06.2026
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