Der Völkermord an den Sinti und Roma und die Medizin

Geschichte und Erinnerung

  • Wednesday, 19. January 2022, 18:15 - 19:45  | 
  • Dr. Frank Reuter, Universität Heidelberg, Historisches Seminar, Forschungsstelle Antiziganismus

Vertreter der Biowissenschaften waren auf unterschiedlichen Feldern in die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus involviert: von der zwangsweisen Sterilisierung bis zu Selektionen in den Konzentrationslagern. Der Vortrag richtet den Fokus auf die Schlüsselrolle der „Rassenhygienischen und Bevölkerungsbiologischen Forschungsstelle“ unter Leitung des Psychiaters Dr. Robert Ritter bei der Klassifikation der als „Zigeuner“ stigmatisierten Menschen. Die damit verbundene „Rassendiagnose“ war wesentlich für deren Verfolgungsweg. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Humanexperimente an Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau, Natzweiler und Dachau. Der letzte Teil des Vortrags widmet sich dem Prozess der historischen Aufarbeitung vor allem seit Beginn der 1980er Jahre.

All Dates of the Event 'Medizin im Nationalsozialismus - ein abgeschlossenes Kapitel?'

Seit den 1980er Jahren hat eine umfangreiche Forschung zur Medizin im Nationalsozialismus stattgefunden. Die Vortragsreihe zieht, auch unter Berücksichtigung der lokal-historischen Perspektive, eine Bilanz bisheriger Forschung und gibt einen Ausblick auf zentrale, bisher nur in Ansätzen bearbeitete Themen und laufende Forschung. Nicht nur am Beispiel des aktuellen Projekts zu Präparaten von „Euthanasie“-Opfern in Max-Planck-Instituten wird deutlich, dass es sich bei dem Thema „Medizin im Nationalsozialismus“ nicht um ein abgeschlossenes Kapitel handelt. Auf die Aktualität für Alltag und Lehre im Bereich von Medizin und Gesundheitsberufen verweist die 2021 gegründete „Lancet Commission on Medicine and the Holocaust: Historical Evidence, Implications for Today, Teaching for Tomorrow“.