Französische Woche Heidelberg | Ladenburg Kolleg „Der Aggressor“ Das Ende der liberal-kapitalistischen Demokratie?

  • Freitag, 16. Oktober 2026, 20:00 Uhr
  • Haus Buhl, Gerda-Tschira-Saal (2. OG), Hauptstraße 234, 69117 Heidelberg
    • Prof. Dr. Yves Sintomer, Université Paris 8 (Frankreich)

Demokratie ist für viele Menschen, die unter autokratischen Regimen leben, nach wie vor ein attraktives Ideal. Doch die Demokratien westlicher Prägung stecken in einer tiefen Krise, und Frankreich und Deutschland sind da keine Ausnahme. Das Narrativ der 1990er Jahre, das die liberale Demokratie auf der Basis der sozialen Marktwirtschaft als „Ende der Geschichte“ darstellte, hat seine Glaubwürdigkeit verloren. Die kapitalistische Demokratie des Westens ließ sich nicht weltweit umsetzen, und möglicherweise war ihre Stabilität nur ein vorübergehendes Phänomen von wenigen Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg. Müssen wir im 21. Jahrhundert davon ausgehen, dass das demokratische Modell gescheitert ist? Jedenfalls sieht es gegenwärtig so aus, als seien wir entweder zur Postdemokratie oder zum Autoritarismus verdammt. Doch das darf den Blick nicht verstellen vor der Tatsache, dass es demokratische Experimente gibt, die vielversprechend sind und eine „reale Utopie“ darstellen können. Wir brauchen ein neues Narrativ, um das Szenario einer zukunftsfähigen Demokratie zu realisieren.

Das Ende der liberal-kapitalistischen Demokratie?

Zur Person

Yves Sintomer ist Professor für Politikwissenschaft an der Université Paris 8 (Frankreich) und außerordentlicher Professor an der Universität Neuenburg (Schweiz), zudem assoziiertes Mitglied der Maison Française in Oxford (Großbritannien) sowie der Fakultät für Philosophie und Sozialwissenschaften der Freien Universität Brüssel (Belgien). Sintomer ist Honorary Senior Fellow am Institut Universitaire de France und Ehrendoktor der Universität Lüttich (Belgien). Er war Gastwissenschaftler oder Gastprofessor an zahlreichen Institutionen, darunter an den Universitäten Harvard, Yale (beide USA) und Oxford sowie an weiteren Hochschulen unter anderem in Brasilien, China, Deutschland und Italien. Seine Schriften sind in 21 Sprachen erschienen, und sein jüngstes Buch trägt den Titel „The Government of Chance. Sortition and Democracy from Athens to the Present“ (2023). Der Politikwissenschaftler hat zu Themen wie partizipativer und deliberativer Demokratie, der Krise der Demokratie, politischer Repräsentation sowie zur französischen und deutschen Soziologie publiziert.