Toolbox für Unternehmen und Beschäftigte Arbeit 4.0

Heidelberger Wissenschaftler stellen Toolbox für Unternehmen und Beschäftigte vor

Digitalisierung und demografischer Wandel wirken sich nachhaltig auf die Arbeitswelt aus. Unternehmen müssen mit neuen Konzepten reagieren, um ihre Fach- und Führungskräfte auf die Herausforderungen der »Arbeit 4.0« vorzubereiten. Im Rahmen des BMBF-Projekts »Maßnahmen und Empfehlungen für die gesunde Arbeit von morgen« (MEgA) unter Federführung des Heidelberger Arbeits- und Organisationspsychologen Prof. Dr. Karlheinz Sonntag wurde dazu in den vergangenen vier Jahren geforscht. Mittlerweile liegen die Ergebnisse vor.

Die digitale Transformation der Arbeitswelt mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien, künstlicher Intelligenz, Cloud Computing und Big Data schreitet voran. Arbeitsprozesse werden vielfältiger und komplexer, hinzu kommen demografische Entwicklungen, die die Arbeitswelt vor Umbrüche stellen. Mit ihrem 2015 gestarteten und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt MEgA haben Heidelberger Wissenschaftler die konkreten Auswirkungen der sogenannten Arbeit 4.0 untersucht. Es diente zugleich der Koordination des BMBF-Förderschwerpunktes »Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen«, an dem in 30 Verbundprojekten mehr als 150 Partner aus Forschung und betrieblicher Praxis eng zusammengearbeitet haben. Ziel war es, neue Konzepte für ein präventives Human Resources- und Gesundheitsmanagement zu entwickeln, um Unternehmen und Beschäftigte auf diesen Wandel der Arbeitswelt vorzubereiten.

Mithilfe einer Online-Befragung haben die Wissenschaftler zunächst zentrale Handlungsfelder deutscher Unternehmen ausgemacht, die Aufschluss darüber gaben, wie sich die Digitalisierung erfolgreich gestalten lässt. Teilgenommen hatten 329 Geschäftsführer und Personalverantwortliche, größtenteils aus Dienstleistungs- und produzierenden Unternehmen unterschiedlicher Größe. Ein Großteil der Befragten berichtete von einer zunehmenden Informationsflut und zugleich von einer Verunsicherung der Belegschaft. 96 Prozent der Unternehmensvertreter erachteten daher eine stetige Kompetenzentwicklung als notwendig, um die Chancen der digitalen Transformation optimal nutzen zu können, betont Karlheinz Sonntag vom Psychologischen Institut der Ruperto Carola.

Im Gesundheitsmanagement sahen 61 Prozent der Unternehmensvertreter die Sensibilisierung der Beschäftigten für die betriebliche Gesundheitsförderung und für die Belange der eigenen Gesundheit als wichtigen Bedarf an. Bei der Befragung waren sie sich einig, dass neue Strategien erforderlich sind, um bereits bestehende Angebote im Gesundheitsmanagement besser zu kommunizieren und die Belegschaft zur Teilnahme zu motivieren. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung suchen die Verantwortlichen nach geeigneten Maßnahmen zur Stressbewältigung und neuen Konzepten für zeit- und ortsflexibles Arbeiten.

Auf einer zentralen Veranstaltung des BMBF-Förderschwerpunktes Anfang April in Berlin konnten schließlich Lösungsansätze einem breiten Fachpublikum aus Wissenschaft und Unternehmenspraxis vorgestellt werden. Im Mittelpunkt stand dabei die gemeinsam entwickelte Toolbox »Gesunde Arbeit 4.0«, die auf den Ergebnissen der Online-Befragung aufbaut und Forschungsergebnisse bündelt. »Diese Box stellt praxistaugliche Instrumente für ein präventives Human Resources- und Gesundheitsmanagement bereit. Checklisten, digitale Tools, Apps und Leitfäden sollen Unternehmen und Beschäftigte darin unterstützen, Digitalisierung und demografischen Wandel erfolgreich zu meistern«, erläutert Karlheinz Sonntag. Dazu gehört beispielsweise auch ein Analyseinstrument zur Erfassung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Ein Life Balance Training ermöglicht Beschäftigten aller Branchen und Fachbereiche Beruf, Familie und Freizeit harmonisch in Einklang zu bringen und auch den Umgang mit digitalen Technologien bewusster zu gestalten. »Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure hat den Blick geöffnet für neue Strategien mit dem Ziel, auf der einen Seite arbeitsbezogene Risiken zu vermeiden und auf der anderen Seite Potenziale und Ressourcen der Beschäftigten in der modernen Arbeitswelt zu stärken«, so das Resümee des Projektleiters Karlheinz Sonntag.

Weitere Informationen

Die Plattform MEgA informiert über aktuelle Trends und Entwicklungen in einer digitalisierten und dynamischen Arbeitswelt. Dort erhält man auch Zugriff auf die erwähnte Toolbox. Auch Life Balance Training ist dort abrufbar.

Unispiegel 1/2019

Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe 1/2019 des Unispiegel. Der Universitätszeitung für Mitglieder, Alumni und Freunde der Ruperto Carola sowie die interessierte Öffentlichkeit.