Europäischer Forschungsrat Zwei ERC Starting Grants für Wissenschaftler der Universität Heidelberg

Pressemitteilung Nr. 92/2026
3. September 2026

Europäischer Forschungsrat fördert wegweisende Vorhaben in der Paläoklimatologie und der Cancer Neuroscience

Der Europäische Forschungsrat (ERC) vergibt zwei hochdotierte Förderungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierestufen – zwei ERC Starting Grants – an die Universität Heidelberg: Einen mit rund 1,5 Millionen Euro dotierten Grant erhält Privatdozentin Dr. Sophie Warken, die an den Instituten für Geowissenschaften und Umweltphysik forscht. Sie wird anhand von Tropfsteinen die Aktivität tropischer Wirbelstürme in der Vergangenheit rekonstruieren, um die zugrundeliegenden treibenden Prozesse zu verstehen und daraus Grundlagen für die Modellierung künftiger Extremwetterereignisse abzuleiten. Ebenfalls gefördert wird Dr. Dr. Varun Venkataramani von der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Der Neurologe und Neurowissenschaftler untersucht die Wechselwirkungen von Nervensystem und Krebs, um neue Erkenntnisse zur Entwicklung aggressiver Hirntumore zu gewinnen. Für sein Forschungsvorhaben zu Glioblastomen stellt der ERC rund 2,4 Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderdauer beider ERC Starting Grants beträgt fünf Jahre.

Tropische Wirbelstürme – niederschlagsreiche Extremwettereignisse mit vielfach tödlichen Folgen – unterliegen natürlichen Schwankungen, die sich aufgrund einer lückenhaften Datenlage bislang nicht modellieren lassen. Hier setzt das ERC-Projekt „Trace Metals in Speleothems – Advancing Paleotempestology Using a Novel Geochemical Proxy of Tropical Cyclone Activity“ (PaleoTraCeS) von Dr. Warken an. Im Rahmen ihrer interdisziplinären Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Paläoklimatologie will die Physikerin und Geowissenschaftlerin die Aktivität von Zyklonen über einen Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren rekonstruieren. Dazu wird Dr. Warken die Metallablagerungen in Höhlentropfsteinen untersuchen. Diese sogenannten Speleotheme enthalten als natürliche Klimaarchive präzise datierbare Informationen zum Umweltgeschehen vergangener Eis- und Warmzeiten. Ziel der Arbeiten ist es, klimatische Faktoren der Variabilität tropischer Wirbelstürme zu identifizieren und sie in berechenbare Größen zu überführen, um damit künftige Extremwetterereignisse modellieren zu können. Langfristig sollen die Erkenntnisse aus dem PaleoTraCeS-Projekt auch dazu beitragen, die Gefahrenbewertung für von Zyklonen bedrohte Weltregionen zu verbessern. Sophie Warken leitet eine Forschungsgruppe zu tropischer Klimavariabilität und Speleothemforschung, die am Institut für Geowissenschaften und am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg verortet ist.

Porträt Sophie Warken

Die Arbeiten von Dr. Dr. Venkataramani sind in dem von ihm mitbegründeten Forschungsgebiet der Cancer Neuroscience angesiedelt. Mit seinem Team ist der Neurologe und Neurowissenschaftler maßgeblich beteiligt an der wegweisenden Entdeckung, wie gesunde Nervenzellen des Gehirns Kontakte zu den Tumorzellen von Glioblastomen knüpfen und so die Ausbreitung dieser unheilbaren Hirntumoren befeuern. Seine jüngsten Untersuchungen zeigen, dass dabei die sogenannte Trogozytose eine wichtige Rolle spielt. Die Zellen des Tumors „knabbern“ mithilfe ihrer Membranfortsätze an den Nervenzellen und verschlingen Teile der neuralen Strukturen, die eigentlich der Übermittlung von Informationen dienen. Wie es Glioblastomen gelingt, die synaptische Umgebung im Gehirn für ihre Zwecke umzugestalten, ist Thema des von Varun Venkataramani geleiteten ERC-Projekts „Brain Tumor Progression via Trogocytosis of the Synaptic Microenvironment“ (BITE), das in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums durchgeführt wird. Im Rahmen des Vorhabens wird er die molekularen Mechanismen der Trogozytose untersuchen. Ziel ist es, den dynamischen Verlauf dieses zellulären Prozesses in Abhängigkeit von der Tumorentwicklung zu charakterisieren. Dies soll es ermöglichen, jeweils einen optimalen Zeitpunkt für therapeutische Eingriffe zu bestimmen. Sie sollen die Tumorprogression bremsen und dabei die neuronale Konnektivität erhalten. Varun Venkataramani leitet am Universitätsklinikum Heidelberg eine in der Abteilung für Neurologie angesiedelte Forschungsgruppe. Mit seinem Team ist er eingebunden in das Europäische Zentrum für Neuroonkologie an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg.

Porträt Varun Venkataramani

Mit dem ERC Starting Grant unterstützt der Europäische Forschungsrat herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aller Disziplinen, die sich bereits durch exzellente Arbeiten ausgewiesen haben und mit einer Förderung durch den ERC wegweisende Forschungsvorhaben umsetzen wollen. Die Fördersumme beträgt in der Regel bis zu 1,5 Millionen Euro. Zusätzliche Mittel können bewilligt werden, wenn sie für die Durchführung der Forschungsarbeiten erforderlich sind.