ForschungWelche Compliance-Maßnahmen in Unternehmen entfalten präventive Wirkung?

Pressemitteilung Nr. 51/2021
31. Mai 2021

Neues interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Universität Heidelberg

Obwohl in Großunternehmen sogenannte Compliance-Abteilungen umfassende Maßnahmen zur Verhinderung von Unternehmenskriminalität etablieren, werden immer wieder Fälle von Korruption, Bestechung und Betrug in der Wirtschaft bekannt. „Viele dieser Maßnahmen werden als Best Practices empfohlen, auch wenn es bislang keine hinreichend fundierten Informationen darüber gibt, ob und inwiefern diese überhaupt eine präventive Wirkung entfalten“, betont der Soziologe Prof. Dr. Markus Pohlmann. Diese Forschungslücke will jetzt ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen gemeinsam mit Praxispartnern aus der Wirtschaft schließen. Koordiniert wird das zweijährige Projekt am Max-Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg.

Im Rahmen des interdisziplinären Vorhabens soll der Frage nachgegangen werden, welche der präventiven Maßnahmen von Compliance-Experten großer Wirtschaftsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz als nachhaltig effektiv eingestuft werden und welche Gründe dieser Einschätzung zugrunde liegen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen dazu Expertenratings, Interventionsstudien und Risikobewertungen auswerten. Darüber hinaus geht es um die „blinden Flecken“, die den in den Unternehmen etablierten Tools zur Risiko-Analyse und den Denkmustern der Compliance-Experten typischerweise verborgen bleiben. Dazu gehört auch das Risiko, dass die Maßnahmen vor allem sozial erwünschte Antworten gegenüber dem Personal für Compliance provozieren.

„Wir wollen die empirischen Erkenntnisse ferner dazu nutzen, wissenschaftlich fundiert Maßnahmen zu identifizieren, die regelwidrigem Verhalten nachweislich wirksam vorbeugen“, so Prof. Pohlmann, der das Vorhaben mit Dr. Sebastian Starystach koordiniert. An dem Projekt wirken Forscherinnen und Forscher aus der Soziologie, der Psychologie sowie den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften mit. Kooperationspartner sind das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, die Simply Rational GmbH sowie das Unternehmen E.ON SE. Der KBA-NotaSys Integrity Fund unterstützt die auf zwei Jahre ausgelegten Forschungsarbeiten mit 170.000 Euro.