FörderungUniversität Heidelberg mit drei Förderanträgen für Sonderforschungsbereiche erfolgreich

Pressemitteilung Nr. 48/2021
25. Mai 2021

Für zwei neue transregionale Verbünde und einen verlängerten SFB stellt die DFG mehr als 33 Millionen Euro zur Verfügung

Mit drei Anträgen für die Förderung großer Forschungsverbünde ist die Universität Heidelberg in der aktuellen Bewilligungsrunde der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erfolgreich: In eine zweite Förderperiode geht der lebenswissenschaftliche Sonderforschungsbereich „Mechanismen und Funktionen des Wnt-Signalwegs“ (SFB 1324), der am Centre for Organismal Studies angesiedelt ist und an dem zahlreiche Einrichtungen der Heidelberger Lebenswissenschaften beteiligt sind. Zwei transregionale Verbünde kommen neu hinzu: In den Biowissenschaften wird künftig an der Universität Mainz – der Sprecherhochschule – und der Ruperto Carola zum Thema „RMaP: RNA-Modifikation und -Prozessierung“ (SFB/TRR 319) geforscht. An dem an der Universität Frankfurt koordinierten mathematischen SFB/TRR 326 „Geometrie und Arithmetik uniformisierter Strukturen“ wirken Forscher aus Heidelberg und Darmstadt mit. Für die drei Sonderforschungsbereiche, die jeweils über vier Jahre gefördert werden, stellt die DFG Fördermittel in Höhe von insgesamt mehr als 33 Millionen Euro zur Verfügung.

Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten im SFB 1324 stehen sogenannte Wnt-Proteine, die zentrale Prozesse in der Embryonalentwicklung und der Zelldifferenzierung sowie bei der Tumorentstehung steuern. Sie sind bereits sehr früh in der Evolution der Tiere entstanden und spielen auch bei vielen Krankheiten des Menschen eine wichtige Rolle. Als universelle Entwicklungsfaktoren im Tierreich regulieren sie die Entwicklung von Organen und kontrollieren das Verhalten von Stammzellen; zudem sind sie an der Herausbildung der Körperachsen und der Musterbildung beteiligt. Treten im Signalnetzwerk durch Mutationen oder epigenetische Fehlregulation Störungen auf, können schwere Erkrankungen wie Krebs die Folge sein. Die am Sonderforschungsbereich beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen den Wnt-Signalweg mithilfe biochemischer, biophysikalischer, genetischer und mathematischer Ansätze. Nachdem sie sich in der ersten Förderperiode vor allem mit Mechanismen der Übertragung von Wnt-Signalen befasst haben, werden die Forscher aus den Heidelberger Lebenswissenschaften ihr Augenmerk nun darauf richten, die gewonnenen Erkenntnisse in einen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang während der Organentwicklung und bei der Entstehung von Krankheiten zu bringen. Sprecher des SFB ist in der zweiten Förderperiode Prof. Dr. Michael Boutros von der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Die DFG fördert den SFB 1324 „Mechanismen und Funktionen des Wnt-Signalwegs“ mit rund 11,5 Millionen Euro.

Im Mittelpunkt des SFB/TRR 319 steht die RNA, die in der Zelle für die Umsetzung von genetischer Information in Proteine zuständig ist. Darüber hinaus hat RNA vielfältige weitere Funktionen von hoher aktueller Bedeutung, beispielsweise als genetisches Material von Coronaviren, als neuartiger Impfstoff oder als Komponente der „Genschere“ CRISPR/Cas9. Der Sonderforschungsbereich/Transregio widmet sich in diesem Zusammenhang der Frage, wie sich verschiedene Reifungs- und Modifizierungsschritte im Verlauf der RNA-Biogenese wechselseitig beeinflussen. Über das Zusammenspiel zwischen der RNA-Prozessierung und den RNA-Modifikationswegen ist bislang nur wenig bekannt; dies soll nun in dem neuen Verbund der Mainzer und Heidelberger Forscher vertiefend untersucht werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhoffen sich davon grundlegende Erkenntnisse über die mechanistischen und funktionellen Abläufe der sogenannten Epitranskriptomik, die sich mit den biologischen Wirkungen von RNA‐Modifikationen, auch im Zusammenhang mit Erkrankungen, befasst. Prof. Dr. Andres Jäschke vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg ist Co-Sprecher des SFB/TRR „RMaP: RNA-Modifikation und -Prozessierung“, der an der Universität Mainz angesiedelt ist. Für die Forschungsarbeiten wurden Fördermittel in Höhe von rund 10,6 Millionen Euro bewilligt.

Der neue SFB/TRR 326 widmet sich der mathematischen Technik der Uniformisierung. Mit ihrer Hilfe können komplizierte geometrische Objekte durch einfachere ersetzt werden, ohne die lokale Struktur zu verändern. Dabei wird die ursprüngliche Komplexität in eine geeignete Symmetriegruppe überführt, das heißt in eine andere „Sprache“ übersetzt. Dieses Vorgehen eröffnet neue Wege für Untersuchungen des ursprünglichen Objekts. Ziel der Forschungsarbeiten ist es, Techniken der Uniformisierung auszubauen und für verschiedene Problemstellungen weiterzuentwickeln, um sie auf zentrale geometrische und arithmetische Fragen anzuwenden. Die an dem Sonderforschungsbereich/Transregio beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Frankfurt, Heidelberg und Darmstadt erhoffen sich davon unter anderem neue Erkenntnisse über Modulräume. Diese könnten vor allem im Zusammenhang mit Galoisdarstellungen und automorphen Formen Anwendung finden. Co-Sprecher des SFB/TRR „Geometrie und Arithmetik uniformisierter Strukturen“, der DFG-Fördermittel in Höhe von rund 11,2 Millionen Euro erhält, ist Prof. Dr. Alexander Schmidt vom Mathematischen Institut der Universität Heidelberg.