Universität Sanierung des Botanischen Gartens: „Ein Schatz für die Wissenschaft“

23. Juli 2026

Arbeiten zur Erneuerung der Gebäude und Außenanlagen haben begonnen – Feierstunde markierte offiziellen Start des Bauvorhabens

Mit seinen umfangreichen Sammlungen an lebenden Pflanzen und Herbarbelegen ist der Botanische Garten der Universität Heidelberg „ein Schatz für die Wissenschaft“. Das betonte Prorektor Prof. Dr. Marc-Philippe Weller während der Feierstunde zum offiziellen Start eines umfassenden Bauvorhabens auf dem Campus Im Neuenheimer Feld: Damit der Botanische Garten nach 111 Jahren an seinem aktuellen Standort auch weiterhin den Ansprüchen als Ort der Forschung, Lehre und Erholung genügen kann, werden Gebäude und Außenanlagen aufwendig saniert. Ziel der Arbeiten ist es, die in die Jahre gekommene Infrastruktur auf den aktuellen Stand zu bringen, die Energiebilanz deutlich zu verbessern und den Garten im Hinblick auf Fläche und Struktur aufzuwerten.

Sanierung des Botanischen Gartens: „Ein Schatz für die Wissenschaft“

„Wir sind sehr stolz auf diesen Botanischen Garten, und das mit gutem Grund: Botanische Gärten gehören weltweit zu den wichtigsten wissenschaftlichen Einrichtungen an Universitäten“, sagte Prof. Weller. Der Heidelberger Garten werde dieser Verantwortung gleich in zweifacher Hinsicht gerecht: als Archiv, das in der Vernetzung mit ähnlichen Einrichtungen ganz wesentlich dazu beiträgt, das botanische Erbe der Welt zu bewahren, sowie als Ort hochaktueller Forschung. „Im Hinblick auf den Klimawandel antizipieren Botanische Gärten mit ihrem Pflanzenreichtum, was auch in unseren Breiten auf uns zukommen könnte.“ Die Sanierung des Botanischen Gartens der Universität Heidelberg setze auch in dieser Hinsicht ein wichtiges Zeichen, betonte Marc-Philippe Weller.

Im Rahmen der Feierstunde wurde das Bauschild für die umfangreiche Maßnahme enthüllt. Land und Universität zeigen damit, dass hier in Forschung, Lehre und Nachhaltigkeit sowie in den Erhalt einer „einzigartigen botanischen Sammlung“ investiert wird, so Marco Grübbel, Leiter Vermögen und Bau Baden-Württemberg – Amt Mannheim und Heidelberg. In einem ersten Bauabschnitt werden zunächst die Forschungsgewächshäuser neu errichtet. Sie werden auf einer Fläche von insgesamt rund 2.500 Quadratmetern zu einer modernen und energetisch vorbildhaften Einheit mit acht Gewächshäusern, Versorgungstrakt und Arbeitsplätzen zusammengefasst. Die Arbeiten in diesem Bauabschnitt mit einem Investitionsvolumen von etwa 26,3 Millionen Euro sollen Ende 2028 abgeschlossen sein, sodass der neue Forschungskomplex im Herbst 2029 übergeben werden kann.

Von Oktober 2029 an ist die Erneuerung der Schaugewächshäuser mit Tropenhaus, Pavillons und Betriebshof vorgesehen. Der Bestand wird in Teilen zurückgebaut und die etwa 2.000 Quadratmeter große Anlage in Anlehnung an den historischen Bau von 1915 umgestaltet. Im letzten Bauabschnitt, der für die Jahre 2031 bis 2033 vorgesehen ist, sollen schließlich die weitläufigen Außenanlagen behutsam umstrukturiert werden. Dabei sollen funktionale, bauliche und vor allem technische Mängel behoben werden, die über die Jahrzehnte durch Flächenverluste, Umbauten und strukturelle Eingriffe entstanden sind. Im Vordergrund steht dabei der Schutz bestehender Lebensräume und Baumbestände. Vollständig in Betrieb genommen und der Universität übergeben werden soll der sanierte Botanische Garten nach Abschluss der dritten Bauphase im September 2033.

Mit der Gesamtsanierung des Botanischen Gartens, insbesondere mit der Erneuerung der Gewächshäuser, sei eine enorme logistische Herausforderung verbunden, wie Marco Grübbel hervorhob. Etwa 9.500 Pflanzen – von Farnen und Sukkulenten bis hin zu ausgewachsenen Bäumen – müssen übergangsweise in Foliengewächshäusern untergebracht werden, ehe sie in den neuen oder sanierten Forschungs- und Schauhäusern angesiedelt werden können. Über allem stehe die Notwendigkeit, dass die Pflanzen „überleben und anschließend auch gedeihen.“

Die Relevanz des Pflanzenbestandes für die interdisziplinäre pflanzenwissenschaftliche Forschung am Centre for Organismal Studies (COS) der Universität Heidelberg unterstrich Prof. Dr. Marcus Koch, Geschäftsführender Direktor des Botanischen Gartens. Auch für die Forschungsaktivitäten im Exzellenzcluster GreenRobust, den die Ruperto Carola gemeinsam mit den Universitäten Hohenheim und Tübingen eingeworben hat, seien die Pflanzen im Garten von wesentlicher Bedeutung. Themen wie pflanzliche Robustheit und Anpassungsfähigkeit unter den Bedingungen des Klimawandels beschäftigten das Team des Botanischen Gartens sowohl in der Forschung als auch in der gärtnerischen Kultur, so der Wissenschaftler, der am COS die Forschungsgruppe „Biodiversität und Pflanzensystematik“ leitet. Mit seinen im Vergleich zur Umgebung durchschnittlich deutlich kühleren Temperaturen könne der Botanische Garten darüber hinaus wertvolle Impulse für die Klimawandelanpassung in Städten geben.

Der Botanische Garten der Universität Heidelberg gehört zu den ältesten Einrichtungen dieser Art auf der Welt. Seine Geschichte reicht zurück bis in das Jahr 1593, als er von dem Mediziner und humanistischen Gelehrten Henricus Smetius (ca. 1535 bis 1614) in der Nähe des Heidelberger Schlosses als Hortus Medicus angelegt wurde. Im Laufe seiner Geschichte wurde der Standort des Gartens mehrfach verlegt. Der aktuelle, siebte Botanische Garten wurde 1915 auf dem heutigen Campus Im Neuenheimer Feld eröffnet. Die Schwerpunktsammlungen umfassen insbesondere Sukkulenten der Alten und Neuen Welt, Bromelien sowie neotropische Orchideen. Die wesentlichen Pflanzenbestände stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und werden stetig erweitert. Prof. Koch: „Wir sammeln immer noch.“

Die Feierstunde zum offiziellen Start der Gesamtsanierung des Botanischen Gartens fand am 21. Juli 2026 statt.