Jahresfeier Ruperto Carola baut „Brücken in die Zukunft“

25. Oktober 2021

Mit der Jahresfeier beging die Universität Heidelberg den 635. Jahrestag ihres Bestehens

Die Universität ist „en marche“. Ungeachtet vieler Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie hat sie sich dynamisch weiterentwickelt. Das hat der Rektor der Ruperto Carolo, Prof. Dr. Bernhard Eitel, in seiner Rede zur Jahresfeier in der Aula der Neuen Universität betont: Dort versammelten sich Universitätsangehörige sowie Freunde, Förderer und Ehemalige, um den 635. Jahrestag des Bestehens der Universität Heidelberg zu begehen und das Akademische Jahr 2021/2022 zu eröffnen. Im vergangenen Jahr hatte die festliche Veranstaltung, die traditionell in der Aula der Alten Universität stattfindet, coronabedingt abgesagt werden müssen. Umso glücklicher zeigten sich alle Beteiligten nun über die Rückkehr zu einer Feier in Präsenz.

 

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    Jahresfeier 2021 - Rektor Bernhard Eitel
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    Jahresfeier 2021

Nun wenige Tage zuvor – zum Auftakt des neuen Akademischen Jahres – hatte der Rektor die Erstsemester auf dem Universitätsplatz begrüßt. Die Corona-Beschränkungen der vergangenen eineinhalb Jahre hätten die Studierenden und die Lehrenden mit „voller Wucht“ getroffen. Mit digitaler Lehre und E-Learning-Formaten habe es zwar einen enormen Digitalisierungsschub gegeben. „Es wurde aber auch deutlich, dass man Wissen zwar digital vermitteln kann, Erkenntnis aber gemeinsam im direkten Austausch face-to-face erarbeitet werden muss“, unterstrich der Rektor. „Wir werden sicher nicht alle gelernten Lektionen der digitalen Lehre wieder vergessen, aber die Freude am direkten Austausch untereinander muss und wird die Präsenzlehre neu befeuern.“ 
Eine „wirklich gute, eine exzellente Universität“ müsse sich ohnehin, so betonte der Rektor, ständig überdenken und in der Lage sein, eine innere Distanz zu sich aufzubauen. Nur so könne sie Gutes erhalten, Überlebtes verändern und Neues identifizieren. Sie müsse dabei die kollektive Kraft besitzen, sich immer wieder zukunftsorientiert zu erneuern, um im internationalen Vergleich zu bestehen. Dass dies im zunehmend härteren Wettbewerb gelungen sei, belegte er mit einigen Beispielen: Die deutschlandweit höchste Zahl von Doktorandinnen und Doktoranden wird an der Universität Heidelberg ausgebildet. In den wichtigsten internationalen Rankings ist die Ruperto Carola mit einem breiten Fächerspektrum hervorragend vertreten, und mit ihrem Drittmittelaufkommen gehört sie zu den drei stärksten Universitäten in Deutschland, wie der Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausweist.

Wegweisende Projekte

Zu den wegweisenden Projekten, die die Universität auf den Weg gebracht hat, zählte Prof. Eitel die unterstützenden und fördernden Angebote für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler nach der Promotion, mit denen das Qualitätsmanagement vom Doktoranden- auf den Postdoktoranden-Bereich erweitert wird. Die Universität Heidelberg begleitet damit junge Menschen aktiv, um sie auf dem Weg zur Professur zu begleiten oder auch auf den Umstieg aus der wissenschaftlichen Karriere in ein anderes Berufsfeld vorzubereiten, wie der Rektor hervorhob. 

Im Bereich der Forschung befindet sich die Universität Heidelberg mitten im Umsetzungsprozess der Exzellenzprojekte und bereitet sich zugleich auf den neuen Clusterwettbewerb vor. Die Evaluation der Exzellenzuniversitäten und eine weitere Förderung bis zum Jahr 2032 biete Perspektive, so Prof. Eitel. Dennoch sieht der Heidelberger Universitätsrektor die Notwendigkeit, den Exzellenzwettbewerb – bis dahin ein fortgesetzter „Ausscheidungswettbwerb“ der deutschen Forschungsuniversitäten – in ein anderes Format zu überführen. Im Bereich der internationalen Aktivitäten verwies er insbesondere auf die Entwicklung der 4EU+ European University Alliance – ein länderübergreifender Zusammenschluss von sechs starken Forschungsuniversitäten in Europa mit Beteiligung der Universität Heidelberg. „Wir sind Comprehensive Research Universities und erschaffen eine European Comprehensive Research University“, so Prof. Eitel. „War der Europäische Forschungsraum bisher zu guten Teilen eine Worthülse, so wird er nun real und zwar institutionell real! Die Wissenschaft verbindet und verbündet sich, wir sind viel weiter als die Politik oft wahrnimmt!“

In seiner Rede ging der Rektor auch auf die Gründung der Fakultät für Ingenieurwissenschaften ein: Nicht das Bauingenieurwesen oder der Maschinenbau stehen hier im Zentrum, sondern ein innovatives neues Engineering-Feld, das aus dem Wissenschaftlichen Rechnen einerseits und dem Engineering auf der Nanoskala andererseits hervorgegangen ist. Die neue Fakultät verbindet die Lebenswissenschaften und die Medizin mit den Natur- und Umweltwissenschaften sowie mit der Mathematik und der Informatik. Inhaltlich gehören dazu auch die Engineering Molecular Systems – sie sind zugleich namengebendes Thema einer der beiden Flagship-Initiativen, die die Universität im Rahmen der Exzellenzstrategie angestoßen hat. 

Wissenschaftsgespräch

Die Flagships – Felder mit hohem Innovationspotential und großer gesellschaftlicher Relevanz – standen auch im Mittelpunkt des Wissenschaftsgesprächs, das traditionell Teil der Jahresfeier ist. Unter der Überschrift „Brücken in die Zukunft“ berichteten der Genomforscher Prof. Dr. Michael Boutros und die Physikerin Prof. Dr. Christine Selhuber-Unkel über die Engineering Molecular Systems mit der Entwicklung neuer Materialien, Methoden, Technologien, Geräte und Therapien auf molekularer Ebene, bei denen ebenso natürliche wie synthetisch hergestellte Bausteine zum Einsatz kommen. „Ein Feld, in dem man ein bisschen Science Fiction denken darf“, betonte Prof. Selhuber-Unkel.

Die zweite Flagship-Initiative Transforming Cultural Heritage führt die disziplinären und regionalspezifischen Kompetenzen in der Erforschung und im praktischen Umgang mit kulturellem Erbe zusammen und verbindet sie mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. Die Bedeutung dieser Forschung und ihre Wirkung in die Gesellschaft hinein erläuterten die Medienanthropologin Prof. Dr. Christiane Brosius und der Geograph Prof. Dr. Thomas Schmitt, etwa im Hinblick auf das kulturelle Erbe von Migranten oder die digitale Enteignung von Kulturgütern. Die Flagship-Initiativen sind Experimentierfelder, die dynamisch die Forschung vorantreiben und ihre Wirkung auch in Studium und Lehre entfalten, waren sich die vier Heidelberger Wissenschaftler einig. Moderiert wurde das Wissenschaftsgespräch von FAZ-Redakteurin Heike Schmoll.

Hengstberger-Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Während der Jahresfeier wurde auch der Klaus-Georg und Sigrid Hengstberger-Preis 2021 für den wissenschaftlichen Nachwuchs verliehen. Die mit jeweils 12.500 Euro dotierten Auszeichnungen gingen an Dr. Elena Puris vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie sowie als Forscherteam an Dr. Patrick Ebert und Dr. Nora Schmidt vom Theologischen Seminar der Universität Heidelberg. Sie erhalten mit dem Preis die Möglichkeit, jeweils ein eigenes Symposium im Internationalen Wissenschaftsforum Heidelberg (IWH) durchzuführen. Dr. Puris wird sich in ihrer Veranstaltung mit Hirnbarrieren bei Erkrankungen des Zentralen Nervensystems sowie neuen therapeutischen Strategien und Ansätzen zur Wirkstoffabgabe befassen. Das IWH-Symposium von Dr. Ebert und Dr. Schmidt widmet sich „Religiösen Traditionen, Traditionalismus und Moderne“. Die Laudationes in Anwesenheit des Preisstifters Dr. Klaus-Georg Hengstberger hielt der Direktor des IWH, der Chemiker Prof. Dr. A. Stephen K. Hashmi.

Für den musikalischen Rahmen der Jahresfeier sorgten Mitglieder des Collegium Musicum – des Universitätsorchesters und Universitätschores unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Michael Sekulla, der auch die Orgel in der Aula der Neuen Universität spielte. Durch die Veranstaltung führte als Moderator der Historiker Prof. Dr. Manfred Berg.