Universität LEMS-Gebäude: „Räumlicher Ausdruck einer wissenschaftlichen Idee“

12. November 2025

Neuer Forschungsbau für das Engineering von lebensinspirierten molekularen Systemen – Feierstunde markiert offiziellen Start eines wegweisenden Großvorhabens

„Was hier entsteht, ist weit mehr als ein Gebäude. Es ist der räumliche Ausdruck einer wissenschaftlichen Idee, die aus der Exzellenzstrategie unserer Universität hervorgegangen ist.“ Das sagte die Rektorin der Ruperto Carola, Prof. Dr. Frauke Melchior, zum Start eines wegweisenden universitären Großvorhabens: Um die Entwicklung innovativer ingenieurwissenschaftlicher Strategien und Technologien auf der Basis von lebensinspirierten molekularen Systemen voranzutreiben, erhält die Universität Heidelberg einen neuen Forschungsbau. Das Gebäude für „Life-inspired Engineering Molecular Systems“ (LEMS) wird auf dem Campus Im Neuenheimer Feld errichtet und bietet künftig Arbeitsflächen sowie Großgeräte für ein interdisziplinäres Forschungsprogramm, das an der Schnittstelle von Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Lebenswissenschaften angesiedelt ist.

LEMS-Gebäude

Mit der Bewertung „herausragend“ hatte der Wissenschaftsrat den Forschungsbau der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz zur Förderung empfohlen. Das von Bund und Land finanzierte Großvorhaben hat ein Volumen von insgesamt rund 70 Millionen Euro. Davon entfallen knapp 58 Millionen Euro auf die Baukosten, die zu einem Viertel von der Universität getragen werden. Rund zwölf Millionen Euro fließen in die Infrastruktur, insbesondere in die Ausstattung mit verschiedenen Großgeräten für die Forschung. Die Bauarbeiten sollen bis Juli 2028 abgeschlossen sein, sodass das LEMS-Gebäude im Dezember 2028 in Betrieb genommen und offiziell seiner Bestimmung übergeben werden kann. Eine Feierstunde mit Bauschildenthüllung markierte am 11. November 2025 den offiziellen Start des Projekts, das der Fakultät für Ingenieurwissenschaften zugeordnet ist. 

Das LEMS-Gebäude steht, so die Rektorin, „in einer klaren Linie strategischer Entwicklungen, die aus einer wissenschaftlichen Vision eine dauerhafte Struktur gemacht haben – und zugleich steht es am Beginn einer neuen Phase, in der diese Forschung Raum und Gestalt gewinnt“. Mit dem national wie international wegweisenden Forschungsgebiet Engineering Molecular Systems hat die Universität im Rahmen der Exzellenzstrategie ein neues interdisziplinäres Schwerpunktthema gesetzt, das als Innovationstreiber ein hohes Transfer- und Translationspotenzial besitzt. Prof. Melchior: „Die Idee des LEMS ist charakteristisch für die Universität Heidelberg. Wir verstehen uns als Comprehensive Research University, die ihre Stärke gerade aus der Vielfalt und der Vernetzung ihrer Fächer schöpft. Wir wissen um das Potential, das an den Grenzen der Disziplinen zu finden ist.“ 

Im Rahmen der Feierstunde erläuterten Prof. Dr. Christine Selhuber-Unkel und Prof. Dr. Peer Fischer, Mitglieder im Direktorium des Institute for Molecular Systems Engineering and Advanced Materials (IMSEAM), die Inhalte des Forschungsprogramms. Hier werden Forscherinnen und Forscher aus Materialwissenschaft, Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Künstlicher Intelligenz mit dem Ziel zusammenarbeiten, autonom und dynamisch reagierende künstliche Zellsysteme zu erforschen sowie Mikro- und Nanosysteme zu entwickeln, die sich am Vorbild der Natur orientieren. Solche lebensinspirierten Systeme sind nicht im thermischen Gleichgewicht, verändern sich aktiv, können sich selbst reparieren und auf äußere Reize reagieren. Diese neue Art des „Engineering“ soll auch in neuartige Anwendungen umgesetzt werden, etwa für energieeffiziente Technologien wie 3D-gedruckte Sensoren oder die medizinische Diagnostik. So wird es im Rahmen von LEMS auch eine enge Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultäten geben.

Das Gebäude für „Life-inspired Engineering Molecular Systems“ entsteht auf einem Baufeld, das sich an das IMSEAM und die Physikalischen Institute der Universität Heidelberg anschließt. Der fünfgeschossige Baukörper mit einer Nutzfläche von rund 3.600 Quadratmetern markiert den Startpunkt für eine „nächste große Entwicklungsspange“, wie Marco Grübbel, Leiter Vermögen und Bau Baden-Württemberg – Amt Mannheim und Heidelberg, erläuterte. Beim Bau des LEMS-Gebäudes werden zahlreiche Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Die Fassade wird in Holzrahmenbauweise errichtet und mit semitransparenten Photovoltaik-Modulen ausgestattet. Sie sollen neben der Stromerzeugung auch dem Sonnen- und Hitzeschutz dienen. Vorgesehen ist außerdem, Regenwasser zur Verdunstungskühlung einzusetzen. Zusätzlich wird ein Gründach – ebenfalls mit Photovoltaik – als Retentionsfläche bei Starkregenereignissen dienen. Dass es sich um das erste Gebäude handelt, das der Masterplanung für das Neuenheimer Feld folgt, betonte in seinem Grußwort der Erste Bürgermeister der Stadt Heidelberg, Jürgen Odszuck.