Walter Rindfleisch-Sammlung Kulturell bedeutende Privatsammlung an nepalesischen Staat übergeben
27. April 2026
Palmblattrollen und weitere historische Schriftstücke wurden an der Universität Heidelberg konserviert, digitalisiert und wissenschaftlich ausgewertet
Eine mehr als 800 Objekte umfassende Sammlung mit historischen Schriftstücken aus Nepal wurde an den nepalesischen Staat übergeben: Sagar Phuyal, Geschäftsträger der Botschaft Nepals in Berlin, nahm sie als Vertreter der nepalesischen Regierung entgegen. Ein entsprechender Vertrag wurde im Rahmen einer Festveranstaltung am 24. April 2026 im Centrum für Asienwissenschaften und Transkulturelle Studien der Universität Heidelberg unterzeichnet. Die Dokumente aus dem 13. bis 20. Jahrhundert hatte ein privater Sammler dem Indologen und Religionswissenschaftler Prof. Dr. Axel Michaels, Seniorprofessor am Südasien-Institut der Ruperto Carola, überlassen. In der Folge wurden die kulturell bedeutenden Bestände – darunter 460 Palmblattrollen – fachgerecht konserviert, von der Universitätsbibliothek digitalisiert und wissenschaftlich erschlossen.
Im Rahmen der Veranstaltung zur Übergabe der Objekte gaben Dr. Manik Bajracharya und Dr. Rajan Khatiwoda anhand ausgewählter Dokumente einen Einblick in die Sammlung. Die beiden Wissenschaftler vom Südasien-Institut sind an dem von Prof. Michaels geleiteten Forschungsprojekt „Religions- und rechtsgeschichtliche Quellen des vormodernen Nepal“ beteiligt, das an der Heidelberger Akademie für Wissenschaften angesiedelt ist. Prof. Dr. Christiane Brosius, Wissenschaftlerin am Heidelberger Centrum für Transkulturelle Studien, stellte das Nepal Heritage Documentation Project vor, mit dem gefährdete Kulturgüter Nepals – etwa Tempel, Klöster, Paläste und Inschriften – systematisch dokumentiert und digital zugänglich gemacht werden. Grußworte sprachen unter anderem Prof. Dr. Marc-Philippe Weller, Prorektor für Internationales und Diversität, sowie Prof. Dr. Hans Harder vom Südasien-Institut.
Die sogenannte Walter Rindfleisch-Sammlung umfasst 460 Palmblattrollen, darunter Exemplare aus dem 13. Jahrhundert. Ergänzt wird der Bestand durch königliche Urkunden, Gerichtsakten, Sanskrit-Manuskripte sowie persönliche Zeugnisse aus mehreren Jahrhunderten, darunter Tage- und Reisebücher nepalesischer Herrscher. Als die Sammlung zu Axel Michaels gelangte, existierten kaum belastbare Informationen darüber, wie die Dokumente erworben und außer Landes gebracht worden waren. Vor der auch vom Sammler gewünschten Rückgabe nach Nepal stand zunächst die konservatorische Sicherung der teils fragilen Manuskripte im Vordergrund. Viele Stücke der Sammlung waren allein aufgrund ihres Alters akut gefährdet.



