Auszeichnung„KlarText“: Drei Heidelberger Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet

14. Oktober 2020

Klaus Tschira Stiftung vergibt Preis für Wissenschaftskommunikation

Drei Nachwuchswissenschaftler, die an der Universität Heidelberg promoviert wurden, haben den „KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation“ erhalten: Die Klaus Tschira Stiftung vergibt diese mit jeweils 7.500 Euro dotierte Auszeichnung an Forscherinnen und Forscher, die Ergebnisse ihrer Doktorarbeiten in einem allgemeinverständlichen Artikel einem breiten Publikum zugänglich machen. Die Preisträger aus Heidelberg sind die Physikerin Dr. Anna-Christina Eilers, der Geowissenschaftler Dr. Jan Hartmann und die Biologin Dr. Erika Tsingos. Alle Beiträge der insgesamt sechs Preisträger sind in einer Sonderbeilage der Wochenzeitung „Die Zeit“ erschienen.

Für ihren Beitrag „Rasantes Wachstum“ wurde Anna-Christina Eilers ausgezeichnet. Darin erklärt sie, dass einige der von ihr untersuchten Quasare – die aktiven Kerne von Galaxien – erst wenige 10.000 Jahre alt zu sein scheinen. Diese Entdeckung stellt bisherige Modelle, die die Entstehung massereicher schwarzer Löcher erklären, in Frage. Der Wachstumsprozess muss nach den Erkenntnissen von Dr. Eilers sehr viel schneller ablaufen als bisher für möglich gehalten wurde. In ihrer Forschung geht die Wissenschaftlerin der Frage nach, wie die Wachstumsmodelle verändert werden können, um die Existenz der jungen Quasare zu erklären. Für ihre Doktorarbeit forschte Anna-Christina Eilers am Max-Planck-Institut für Astronomie; im Jahr 2019 wurde sie an der Universität Heidelberg promoviert. Als „NASA Hubble Fellow“ ist Dr. Eilers am Massachusetts Institute of Technology (USA) tätig.

Dr. Anna-Christina Eilers

Jan Hartmann beschreibt in seinem von der Klaus Tschira Stiftung prämierten Artikel „Trügerische Stille“, dass die Produktion von Methan offenbar in direktem Zusammenhang mit dem Vorkommen von Mikroorganismen in sauerstoffreichen Zonen von Seen steht. Bisher war man davon ausgegangen, dass es nur in sauerstofffreien Umgebungen gebildet wird. Doch neue Untersuchungen zeigen, dass Methan ausgerechnet in den oberen, sauerstoffreichen Wasserschichten erzeugt wird – mit möglicherweise weitreichenden Folgen auf die Konzentration des Treibhausgases in unserer Atmosphäre. Jan Hartmann wurde nach einem Studium der Geowissenschaften in Heidelberg im Jahr 2018 an der Ruperto Carola promoviert. Als Postdoktorand forscht er am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

Dr. Jan Hartmann

In ihrem Beitrag „Der Vorteil des Fischauges“ schildert Erika Tsingos ihre Forschungsarbeit an Stammzellen in der Netzhaut des japanischen Reisfisches „Medaka“. Mit einer Kombination aus experimentellen Beobachtungen und Computersimulationen fand sie heraus, dass Netzhaut-Stammzellen durch Einschlafen oder Wiedererwachen ihre Aktivität genau in Takt bringen. So wird das Sehvermögen gesichert, während das Auge mit dem Körper im Verhältnis wächst. Diese Erkenntnisse könnten eines Tages dazu beitragen, dass auch körpereigene Stammzellen in den Augen von Menschen das Licht erblicken. Erika Tsingos studierte Biologie an der Universität Heidelberg, an der sie im Jahr 2019 auch promoviert wurde. Derzeit forscht sie an der Universität Leiden (Niederlande) zu Wechselwirkungen zwischen Zellen und ihrer Umgebung.

Dr. Erika Tsingos

„KlarText – der Preis für Wissenschaftskommunikation“ wird an Nachwuchswissenschaftler in sieben Disziplinen vergeben. Dies sind die Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Informatik, Mathematik, und Physik; in der Kategorie Neurowissenschaften wurde in diesem Jahr keine Auszeichnung verliehen. Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb ist eine herausragende Promotion sowie die Bereitschaft, die eigenen Forschungsergebnisse in einem für Laien verständlichen Artikel darzustellen. Die Gewinnerbeiträge werden in einem mehrstufigen Verfahren von Wissenschaftlern und Journalisten ausgewählt.