Tagung Internationale Tagung: Der Holocaust an Sinti und Roma im Film

Pressemitteilung Nr. 120/2025
5. November 2025

Veranstaltung „Sichtbarkeiten der Erinnerung“ befasst sich mit stereotypen Darstellungen und neuen Perspektiven in der visuellen Erinnerungskultur

Mit der Darstellung von Sinti und Roma in der visuellen Erinnerungskultur des Holocaust beschäftigt sich eine internationale Tagung, die vom 12. bis 14. November 2025 an der Universität Heidelberg stattfindet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stereotype antiziganistische Bilder insbesondere im Medium Film fortwirkten und welche neuen Perspektiven der filmischen Repräsentation sich heute eröffnen, insbesondere auch in Dokumentarfilmen, die das Schicksal der dritten oder vierten Generation von Überlebenden in den Mittelpunkt stellen. Zu der Veranstaltung mit dem Titel „Sichtbarkeiten der Erinnerung“ werden rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Filmpraxis und Bildungsarbeit erwartet. Ausgerichtet wird die Tagung mit Referentinnen und Referenten aus Europa und den USA von der Forschungsstelle Antiziganismus und dem dort angesiedelten Projekt „Critical Film & Image Hub“.

PM 120/2025 251105 Internationale Tagung: Der Holocaust an Sinti und Roma im Film

„Lange Zeit blieb die Geschichte von Sinti und Roma in Holocaust-Filmen eine Leerstelle. Dort, wo Angehörige der Minderheit überhaupt dargestellt wurden, griffen die Filme häufig auf narrative Muster mit tradierten antiziganistischen Bilderwelten zurück“, betont Dr. Radmila Mladenova, Leiterin des Projekts „Critical Film & Image Hub“. Von den 1980er-Jahren an zeichnete sich vor dem Hintergrund der Bürgerrechtsbewegung und der Anerkennung des Völkermords an Sinti und Roma jedoch ein allmählicher Wandel ab. In dieser Zeit entstanden Spielfilme, die zunächst die Unschuld und Ausweglosigkeit der Opfer betonten und später vermehrt Musiker, Schriftstellerinnen oder Sportler als Protagonistinnen und Protagonisten in den Mittelpunkt rückten. Nach den Worten von Dr. Mladenova greifen Dokumentarfilme aus der dritten oder vierten Generation von Überlebenden die Geschichte neu auf und entwickeln selbstbewusst Gegenbilder zu antiziganistischen Darstellungen.

Die Tagung „Sichtbarkeiten der Erinnerung. Der Holocaust an Sinti und Roma im Film“ umfasst neben einleitenden Vorträgen acht Panels, die sich verschiedenen thematischen Schwerpunkten widmen. Unter anderem wird es um Dokumentarfilme als Archive kollektiver Erinnerung sowie die Verflechtung von Film, Geschichtspolitik und Erinnerungskultur in verschiedenen europäischen Ländern gehen. In weiteren Panels fokussieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem ambivalente Heldenfiguren in Spielfilmen zum Holocaust und die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Völkermord in multimedialen Formaten wie Theaterstücken, Museumsausstellungen oder Graphic Novels. In zwei Workshops kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Filmpraxis und Wissenschaft zu einem Austausch über aktuelle Produktionen zusammen. Zum Abschluss geht eine Diskussionsrunde der Frage nach, wie das Medium Film zu einer zeitgemäßen Holocaust-Bildung beitragen kann. Die dreitägige Veranstaltung wird von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert.

Im Rahmen des Projekts „Critical Film & Image Hub“ untersuchen Forscherinnen und Forscher verschiedener Disziplinen, wie Bilder und Filme zur Entstehung, Weitergabe und Verstärkung von Antiziganismus beitragen. Dabei werden sowohl die politische und gesellschaftliche Bedeutung als auch ästhetische Aspekte der visuellen Formate analysiert. Das Forschungsvorhaben wird im Rahmen des Kooperationsverbundes gegen Antiziganismus im Programm „Demokratie leben!“ vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Für eine Teilnahme wird um eine Registrierung vorab auf der Homepage zur Tagung gebeten – auch eine Online-Teilnahme ist möglich.

Hinweis an die Redaktionen

Die Tagung „Sichtbarkeiten der Erinnerung“ findet im Internationalen Wissenschaftsforum Heidelberg, Hauptstraße 242, statt. Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind zur Teilnahme und Berichterstattung herzlich eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten an jonathan.mack-sroka@zegk.uni-heidelberg.de