Forschung Interdisziplinäres Projekt: Antiziganismus in Bildern und Filmen

22. Juli 2025

Forschung zur Darstellung von Sinti und Roma wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert

Bilder und Filme spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung, Weitergabe und Neuverbreitung von Antiziganismus. Ein interdisziplinäres Projekt, das an der Forschungsstelle Antiziganismus (FSA) der Universität Heidelberg seine Arbeit aufgenommen hat, untersucht diese Prozesse anhand vielfältiger visueller Formate. Dabei werden die politische und gesellschaftliche Bedeutung ebenso berücksichtigt wie ästhetische Dimensionen. Das Vorhaben „Critical Film & Image Hub“ wird im Rahmen des Kooperationsverbundes gegen Antiziganismus im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ mit einer Summe von jährlich 400.000 Euro gefördert. Die Förderdauer beträgt bis zu acht Jahre.

Porträt: Radmila Mladenova

„Von allen ethnisch markierten Gruppen in Europa sind Sinti und Roma diejenigen, die bis heute ästhetisch zu Sündenböcken gemacht werden, vor allem durch die Bildsprache des Films“, betont Projektleiterin Dr. Radmila Mladenova. Angesichts der allgegenwärtigen visuellen Erscheinungsformen des Antiziganismus soll im Rahmen des Projekts ein breites Spektrum an Bildformaten untersucht werden – darunter Spiel- und Dokumentarfilme, Fernsehproduktionen, Comics sowie Videos in sozialen Medien. Diese zeitgenössischen Darstellungen werden stets auch im Kontext historischer Bildtraditionen wie Gemälden und Fotografien analysiert. Eine Analyse der etablierten Filmästhetik der vergangenen hundert Jahre zeige, so die Heidelberger Kulturwissenschaftlerin, dass „Zigeuner“-Figuren sowohl im realistischen als auch im metaphorischen Sinn als „schwarz“ inszeniert sind. „Entsprechend werden sie als Verkörperungen von Dunkelheit dargestellt, häufig verknüpft mit Schatten, Nacht, farbigen oder schwarzen Kostümen sowie einer dunklen Hautfarbe“, so Radmila Mladenova. Solche wiederkehrenden narrativen Muster sollen im Projekt systematisch herausgearbeitet werden.

Dem von Dr. Mladenova geleiteten Team gehören der Politikwissenschaftler Jonathan Mack-Sroka, die Kulturwissenschaftlerin Dr. Andra-Octavia Drăghiciu, die Historikerin Dr. Birgit Hofmann sowie die Erziehungswissenschaftlerin und Filmproduzentin Lisa Smith an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden sich neben der Grundlagenforschung auch dem Wissenstransfer in die Gesellschaft widmen. Eine digitale Akademie, Beratungsangebote für Filmschaffende, eine Material- und Quellendatenbank sowie wissenschaftlich kuratierte Filmreihen gehören zu den Aktivitäten in diesem Bereich. 

Die Arbeit im Projekt wird durch thematische Jahresschwerpunkte strukturiert. Im ersten Förderjahr steht die Darstellung von Sinti und Roma in Filmen und visuellen Zeugnissen des Holocaust im Fokus. Ein zentrales Ereignis ist die Tagung „Sichtbarkeiten der Erinnerung“, die im November 2025 stattfindet. Ziel ist ein interdisziplinärer Austausch zwischen Forscherinnen und Forschern sowie Kultur- und Filmschaffenden, die sich mit filmischen Repräsentationen des Völkermords an Sinti und Roma auseinandersetzen.

Die Forschungsstelle Antiziganismus wurde als europaweit erste und bislang einzige akademische Institution mit diesem inhaltlichen Schwerpunkt am Historischen Seminar der Universität Heidelberg etabliert. Seit 2017 wird dort zu Ursachen, Formen und Folgen des Antiziganismus in den europäischen Gesellschaften vom Mittelalter bis in die Gegenwart geforscht. Mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ fördert das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter anderem die Arbeit gegen Radikalisierungen und Polarisierungen in der Gesellschaft.