Jung-Preis für Medizin Hochrangige Auszeichnung für Heidelberger Schmerzforscherin

26. Mai 2026

Neuropharmakologin Rohini Kuner erhält den mit 300.000 Euro dotierten Jung-Preis für Medizin

Für ihre wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Schmerzforschung ist die Neuropharmakologin Prof. Dr. Rohini Kuner mit dem Jung-Preis für Medizin 2026 ausgezeichnet worden. Mit ihrem Team untersucht die Wissenschaftlerin an der Universität Heidelberg, wie sich das Nervensystem unter anhaltenden Reizen verändert und dadurch chronischer Schmerz entsteht. Ziel ist es, daraus neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. Prof. Kuner ist Geschäftsführende Direktorin des Pharmakologischen Instituts, das an der Medizinischen Fakultät Heidelberg angesiedelt ist. Die Auszeichnung ist mit 300.000 Euro dotiert und wird von der Jung-Stiftung für Wissenschaft vergeben.

Porträt Rohini Kuner

In ihrer Forschung untersucht Rohini Kuner die Mechanismen der Schmerzsignalweiterleitung und Schmerzübertragung auf das zentrale Nervensystem. Im Mittelpunkt steht dabei die sogenannte neuronale Plastizität – die Fähigkeit von Nervenzellen, sich strukturell und funktional anzupassen. Prof. Kuner geht in diesem Zusammenhang der Frage nach, wie Schmerz „gelernt“, im Körper dauerhaft gespeichert und verstärkt wird. Um Auslöser für die Chronifizierung von Schmerz zu identifizieren, verbindet die Wissenschaftlerin unterschiedliche experimentelle Ansätze mit hochmodernen bildgebenden Verfahren. Ziel ihrer Arbeiten ist es, neue therapeutische Ansätze zu erschließen, die gezielt eingesetzt werden können und langfristig wirken. In diesem Zusammenhang untersucht sie auch, welche Rolle Sinneswahrnehmungen, Empfindungen und Erfahrungen bei der Verstetigung von Schmerzen spielen und wie sich veränderte Nervenzell-Verschaltungen umkehren lassen.

„Die Arbeit von Prof. Kuner steht exemplarisch für exzellente, international sichtbare Forschung an unserer Fakultät. Wir freuen uns sehr über diese verdiente Anerkennung einer Wissenschaftlerin, die ihr Forschungsfeld über viele Jahre entscheidend mitgeprägt hat“, sagt Prof. Dr. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg.

Rohini Kuner wurde 1994 an der University of Iowa in den USA promoviert. Im Anschluss forschte sie als Postdoktorandin am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg und am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg. Nach zweijähriger Tätigkeit in einem biowissenschaftlichen Unternehmen wechselte sie im Jahr 2000 an das Pharmakologische Institut der Ruperto Carola. Dort etablierte sie eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Emmy Noether-Gruppe und habilitierte sich 2005 an der Medizinischen Fakultät Heidelberg. 2006 wurde Rohini Kuner auf eine Professur für Pharmakologie und Toxikologie berufen; seit 2009 leitet sie das Pharmakologische Institut. Seit der Einrichtung im Jahr 2015 ist die Wissenschaftlerin Sprecherin des Sonderforschungsbereichs „Von der Nozizeption zum chronischen Schmerz: Struktur-Funktions-Merkmale neuraler Bahnen und deren Reorganisation“ (SFB 1158). Für ihre Arbeiten hat Prof. Kuner mehrfach Auszeichnungen und hochdotierte Förderungen erhalten.

Mit ihren Medizinpreisen – dem Jung-Preis, der dieses Jahr zum 50. Mal vergeben wird, der Jung-Medaille und dem Jung-Karriere-Förderpreis – würdigt die Jung-Stiftung jährlich herausragende Grundlagenforschung sowie Forschung mit klinischer Relevanz. Die Festveranstaltung zur Vergabe der diesjährigen Auszeichnungen – darunter der Jung-Preis für Medizin an Prof. Kuner – fand am 21. Mai 2026 in Hamburg statt.