Lautenschläger-Forschungspreis „Großartige Ermöglichungs- und Ermutigungspreise“
8. Dezember 2025
Jan Lohmann erhielt den Lautenschläger-Forschungspreis für Spitzenforscher – Als herausragender Wissenschaftler in einer frühen Karrierestufe wurde Lukas Bunse ausgezeichnet
Es sind „großartige Ermöglichungs- und Ermutigungspreise“, die Forscherinnen und Forscher bestärken, „offen zu sein für das Unerwartete, das Unbekannte und das bisher Unerforschte“. Das betonte die Rektorin der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Frauke Melchior, anlässlich der Verleihung der Lautenschläger-Forschungspreise. Die Auszeichnung für besondere Leistungen in der Spitzenforschung erhielt Prof. Dr. Jan Lohmann, international herausragender Forscher auf dem Gebiet der Biowissenschaften. Gewürdigt werden damit seine Arbeiten zur Stammzellbiologie von Pflanzen. Der Stifter des Preises und Ehrensenator der Ruperto Carola, Dr. h.c. Manfred Lautenschläger, vergibt außerdem eine Auszeichnung für herausragende Wissenschaftler in frühen Karrierestufen. Dieser Preis ging an Privatdozent Dr. Dr. Lukas Bunse. Der Neurologe und Mediziner forscht zu der Frage, wie das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung von Hirntumoren, insbesondere von Gliomen, eingesetzt werden kann. Erstmals wurde zudem der Lautenschläger-Preis für das wissenschaftliche Lebenswerk verliehen. Geehrt wurde damit der Theologe Prof. Dr. Dr. Michael Welker.
Die von Manfred Lautenschläger gestifteten Preise geben „Freiheit und Zeit, eigene Ideen zu verfolgen, die Mut und ungeteilte Aufmerksamkeit erfordern“, betonte die Rektorin in ihrer Ansprache zum Auftakt der Festveranstaltung. Nach den Worten von Prof. Melchior passen die Forschungspreise in hervorragender Weise auch zum Leitmotiv der Universität, denn Semper apertus – immer offen – bedeute auch, stets offen zu sein für das Neue. Die Auszeichnung für Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher wird seit 2001 alle zwei Jahre verliehen und ist mit einem Preisgeld von 250.000 Euro ausgestattet – frei verwendbar für die eigene Forschung der Preisträgerin oder des Preisträgers. Es ist der höchstdotierte Forschungspreis eines privaten Stifters in Deutschland. Dass es Manfred Lautenschläger besonders auch am Herzen liege, eine Perspektive für Forscherinnen und Forscher in frühen Karrierephasen zu schaffen, zeige – so die Rektorin – der 2018 ins Leben gerufene Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Er ist mit 25.000 Euro dotiert.
Der Lautenschläger-Forschungspreis habe ihr Freiheiten und Möglichkeiten für die Forschung eröffnet, die die übliche Forschungsförderung nicht biete, betonte Prof. Dr. Christine Selhuber-Unkel. Die Physikerin und Preisträgerin des Jahres 2023 berichtete im Gespräch mit Moderator Markus Brock über ihre Arbeiten, die auf dem Gebiet „Molecular Systems Engineering“ angesiedelt sind. Dass der Preis „extrem hilfreich“ gewesen sei, betonte auch die Biologin Dr. Victoria Ingham, die zum Malaria-Erreger forscht und vor zwei Jahren mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet worden war. Das zweite Wissenschaftsgespräch im Rahmen der Preisverleihung galt den beiden aktuellen Preisträgern; daran wirkten auch der Entwicklungsbiologe Prof. Dr. Joachim Wittbrodt – selbst Preisträger des Jahres 2011 – und der Neuropathologe Prof. Dr. Dr. Felix Sahm mit. Sie erläuterten, welche wegweisende Bedeutung den Arbeiten von Jan Lohmann und Lukas Bunse zukommt.
Mit seinen Forschungsarbeiten geht Prof. Lohmann der Frage nach, wie sich Pflanzen über ihre gesamte Lebenszeit hinweg selbst erneuern und sogar beschädigte Teile vollständig regenerieren können. Am Centre for Organismal Studies der Universität Heidelberg befasst er sich aktuell mit der Selbsterneuerungsfähigkeit der Wurzeln. „In Zeiten von Trockenheit, Verlust biologischer Vielfalt und globalem Ernährungsdruck gewinnt diese Forschung eine besondere gesellschaftliche Relevanz. Sie zeigt, wie Grundlagenforschung Antworten auf Fragen geben kann, die unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen“, sagte die Rektorin. Im Mittelpunkt der Forschung von Dr. Bunse stehen höhergradige Gliome, die durch Mutationen von Zellen des Gehirns oder des Rückenmarks entstehen und äußerst schwierig zu behandeln sind. Der Wissenschaftler von der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg will mit seinen Arbeiten dazu beitragen, Hirntumore besser zu verstehen und mithilfe dieser Erkenntnisse wirksame Immuntherapien zu entwickeln. Seine „bahnbrechenden Ergebnisse“, so die Rektorin, bildeten die Grundlage für neue klinische Studien zu Tumorimpfungen.
Erstmals verliehen wurde der Lautenschläger-Preis für das wissenschaftliche Lebenswerk, den der langjährige Direktor des von ihm gegründeten Forschungsinstituts für internationale und interdisziplinäre Theologie, Michael Welker, erhielt. Der Preisträger – Seniorprofessor an der Heidelberger Theologischen Fakultät – habe deutlich gemacht, dass Religion eingebettet sei in die Gesellschaft. „Er ist ein mehr als würdiger Preisträger“, sagte Manfred Lautenschläger, der diesen Preis neu ins Leben gerufen hat. Die Rektorin würdigte Prof. Welker als einen der prägenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der systematischen Theologie, der „zentrale Themen der Christologie, Schöpfungslehre, Anthropologie und Eschatologie neu erschlossen hat“.
Der besondere Dank der Rektorin galt Manfred Lautenschläger und seiner Familie. „Mit den Lautenschläger-Preisen unterstützen Sie Forschung, ohne Bedingungen vorzugeben. Sie schaffen Raum, in dem Ideen wachsen können – ein Beitrag, der weit über die Universität hinaus sichtbar ist“, sagte Prof. Melchior. Für den Stifter sprach zum Abschluss der Veranstaltung Catharina Seegelken. Wissenschaft sei lebendig, und Forschung, „die Grenzen verschiebt, verändert“, sagte die Geschäftsführerin der Manfred Lautenschläger-Stiftung. „Bleiben Sie neugierig“, wandte sie sich mit einer eindringlichen Bitte an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Heidelberg. Die Preisverleihung fand am 5. Dezember 2025 in der Aula der Alten Universität statt.











