Institut für Europäische Kunstgeschichte  Film- und Vortragsreihe: Das „Fremde“ im Film

22. Oktober 2025

Veranstaltungsreihe des Instituts für Europäische Kunstgeschichte befasst sich mit unterschiedlichen Dimensionen von „Fremdheit“

Mit den vielschichtigen Dimensionen von Fremdheit befasst sich die Film- und Vortragsreihe „Das ,Fremde‘ im Film“, zu der das Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg im Wintersemester 2025/2026 einlädt. Die Filmvorführungen werden jeweils von einer Einführung und einem Publikumsgespräch begleitet. Konzipiert wurden sie von Prof. Dr. Henry Keazor und Dr. Alexandra Vinzenz; Kooperationspartner ist das GLORIA-Filmkunsttheater. Die insgesamt fünf Veranstaltungen wenden sich insbesondere auch an die breite Öffentlichkeit. Zum Auftakt am 22. Oktober 2025 steht ein Kurzfilmabend zum Thema „Das Spektrum des ,Fremden‘“ auf dem Programm. Den Impulsvortrag hält Melanie Gärtner, Regisseurin von „Im Land dazwischen“, einem der drei gezeigten Kurzfilme.

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Im aktuellen politischen Diskurs oft als Begründung für Ausgrenzung verwendet, weist der Begriff „Fremdheit“ weitere vielfältige Facetten auf. Wenn unterschiedliche Werte und Normen aufeinandertreffen, kann moralische Fremdheit dazu führen, dass sich selbst nahestehende Menschen entfremden. Und die Grenze zwischen dem Vertrauten und dem vermeintlich „Anderen“ prägt immer wieder auch die Vorstellung einer kulturellen Fremdheit. „Doch diese Fremdheitserfahrungen müssen nicht allein Defizit und Herausforderung bedeuten, sondern können auch eine Chance sein, sich in der Auseinandersetzung mit dem Fremden neue Perspektiven zu erschließen“, betont Prof. Keazor. Diesen dynamischen Wahrnehmungen des Fremden widmet sich die Film- und Vortragsreihe am Beispiel von älteren sowie neueren Werken aus unterschiedlichen Genres. 

Drei sehr unterschiedliche Perspektiven auf „Fremdheit“ und „Fremde“ eröffnen die Kurzfilme, die zum Auftakt der Reihe am 22. Oktober gezeigt werden. Dabei geht es zum Beispiel um Menschen auf der Flucht, wie in Melanie Gärtners Werk „Im Land dazwischen“. Die kanadische Malerin Pamela Masik und ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen steht im Mittelpunkt des kanadischen Dokumentarfilms „The Exhibition“ (2013), der am 19. November zu sehen ist. Prof. Keazor und Dr. Vinzenz sprechen im Rahmen der Veranstaltung mit dem Regisseur Damon Vignale über die Frage, ob Kunst Fremdheit überwinden kann oder sie eher verstärkt; das Gespräch findet in englischer Sprache statt. 

Im Rahmen der Vorführung von Orson Wellesʹ Film Noir „The Stranger“ (1946) am 10. Dezember thematisiert Prof. Keazor in seinem einleitenden Vortrag das Spiel mit verschiedenen Ebenen der Entfremdung, etwa den Entfremdungsprozess zwischen Hollywood und dem Regisseur Welles. Mit dem Thema Fremdheit im Science-Fiction-Kino befasst sich am 7. Januar 2026 der Kieler Medienwissenschaftler Dr. Martin Ramm. Gezeigt wird dazu der Film „District 9“ von 2009. Zum Abschluss der Reihe am 21. Januar geht es aus psychoanalytischer Perspektive um alltägliche Fremdheitserfahrungen. Zu sehen ist die romantische Komödie „Lost in Translation“ aus dem Jahr 2003; der Hamburger Facharzt für Psychotherapie Dr. Theo Piegler führt in den Film ein.

Die Film- und Vortragsreihe „Das ,Fremde‘ im Film“ ist Teil des Projekts „Visuelle Chiffren von Heimat in Bildender Kunst, Literatur und Film“, das im Sonderforschungsbereich „Heimat(en)“ der Universität Heidelberg angesiedelt ist. Die Veranstaltungen finden jeweils mittwochs im GLORIA-Filmkunsttheater, Hauptstraße 146, in Heidelberg statt; Beginn ist um 18.00 Uhr. Tickets sind zu elf Euro (ermäßigt neun Euro) erhältlich, Studierende zahlen acht Euro. Für Filme mit Überlänge wird ein Zuschlag erhoben.