EthnologieFeldforschung mit Mikrofon und Autofokus

4. Juli 2019

„Fünfte Ethnografische Filmschau“ präsentiert sieben Kurzfilme von Heidelberger Studierenden

Von vereinsamten Heidelbergern bis zu den Stelzenfischern Sri Lankas: Unerwartete Einblicke in unterschiedliche Lebenswelten gewähren sieben Kurzfilme von Studierenden, die das Institut für Ethnologie der Universität Heidelberg am Donnerstag, 11. Juli 2019, bei der „Fünften Ethnografischen Filmschau“ zeigt. Zu sehen sind die Streifen, die während eines zweisemestrigen Seminars gedreht wurden, zwischen 15 und 22 Uhr im Institut für Theoretische Physik.

Plakat zur fünften ethnografischen Filmschau

„Es ist schön, dass die Studierenden eine Plattform erhalten, auf der ihre Arbeit auch öffentlich wahrgenommen wird“, sagt Seminarleiter Christoph Bertolo. Bereits zum fünften Mal hat der Karlsruher Filmemacher im Zuge des Seminars „Ethnographischer Film“ Studentinnen und Studenten mit dem theoretischen Wissen wie den praktischen Fertigkeiten seines Handwerks vertraut gemacht. Angestoßen wurde diese außergewöhnliche Form der Feldforschung vor elf Jahren von Prof. Dr. Christiane Brosius, die am Heidelberger Centrum für Transkulturelle Studien den Lehrstuhl für Visuelle und Medienethnologie innehat.

Auch die aktuellen Produktionen entstanden von der ersten Klappe an – von der Themenfindung über den Dreh bis zum Filmschnitt – buchstäblich in Eigenregie der Studierenden. Gleichfalls eine Besonderheit: Die 17 Teilnehmer des jüngsten Seminars bewerteten die Werke ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen mit. Auf die Leinwand kommen die rund halbstündigen Streifen bei der anstehenden Filmschau im Ein-Stunden-Takt, so dass im direkten Anschluss stets Raum für Austausch und Diskussion bleibt.

Den Anfang macht „Drei, Zwei, Eins … Schlaf – Hypnose in der Praxis“. Porträtiert wird die kleine Mia, die mit Schlafproblemen ringt und von einem Therapeuten lernt, sich selbst in hypnotische Trance zu versetzen. Ebenso unmittelbar und nah nimmt der Beitrag „Einsamkeit in Heidelberg – Erfahrungen des Alleinseins“ die An- und Abwesenheit sozialer Bindungen in den Fokus, den Wert von Gemeinschaft und wie diese uns Menschen prägt. „Mein Zug fährt erst morgen – Wie Senioren ihren Alltag gestalten“ fängt andererseits nicht nur die ernsten Seiten des Alters ein sondern gerade auch die kreative Freizeitgestaltung und ungetrübte Lebensfreude der Protagonisten dabei.

Maske aus der ethnografischen Filmschau

„Mālu Kanua – Das Leben als Stelzenfischer in Sri Lanka“ wiederum beleuchtet den Alltag des Akteurs in einem einst traditionellen Fischerdorf, das sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Ziel für Touristen entwickelt hat. Nach Fernost weist gleichsam „Ein hingebungsvoller Weg zurück – Die bunte Welt der ISKCON-Bewegung in Heidelberg“, vielen besser als „Hare Krishna“ bekannt. Eine Verwandlung durchlaufen manche auch während der Faschingszeit. Bei „Ein Wochenende im Rausch – Fastnacht in Lörrach“ folgen drei nüchterne Ethnologie-Studentinnen den „Maiebueler-Häxebäse“ durch den alemannischen Frohsinn. Dafür mindestens so bekannt ist das Rheinland: Der Streifen „Die fünfte Jahreszeit – Facetten des Kölner Karnevals“ begleitet während der närrischen Tage Karnevalsgesellschaften und „Jecken“; und beschließt die Lichtspiele.

Die „Fünfte Ethnografische Filmschau“ findet im Neuen Hörsaal des Instituts für Theoretische Physik in der Albert-Ueberle-Straße 3-5 statt, Einlass ist ab 14.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Verkauft werden Snacks und Getränke, der Erlös geht an ein Hausbauprojekt in Nepal.

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