Forschungsförderung ERC-Förderung für Hellmut Augustin und Michael Platten

11. Februar 2026

Wissenschaftler erhalten Proof of Concept Grants, um das Anwendungspotential ihrer Forschungsergebnisse zu erschließen

Um das Anwendungspotential ihrer Forschungsergebnisse zu erschließen, erhalten Prof. Dr. Hellmut Augustin und Prof. Dr. Michael Platten eine Förderung des Europäischen Forschungsrates (ERC), die der ERC als Proof of Concept Grants zur Verfügung stellt. Hellmut Augustin arbeitet an neuartigen Maus-Tumormodellen für die Krebsforschung, die eine bessere Übertragbarkeit präklinischer Ergebnisse gewährleisten sollen. Mit dem Ziel, die aufwendige Herstellung therapeutischer T-Zellen für die Immuntherapie zu beschleunigen, wird Michael Platten einen KI-gesteuerten Klassifikator weiterentwickeln. Die beiden Wissenschaftler – Mitglieder der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg – forschen dazu am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Mit den beiden erfolgreichen DKFZ-Anträgen sind jeweils Fördermittel in Höhe von 150.000 Euro für einen Zeitraum von eineinhalb Jahren verbunden.

Die grundlegenden Mechanismen der Tumorentstehung, der Tumorprogression und der Tumormetastasierung werden meist in präklinischen Tiermodellen untersucht, wobei Mäuse das am meisten verwendete Tiermodell für diesen Zweck sind. Einige der am häufigsten genutzten experimentellen Ansätze – die Transplantation von Tumorzellen – sind jedoch nur begrenzt in der Lage, die Situation bei Tumorpatienten realistisch widerzuspiegeln. Mit dem ERC-geförderten Projekt „Validating a Versatile Platform of Novel Standardized and Biobankable Preclinical Mouse Tumor Models“ (SpheroMouse) will Hellmut Augustin die wissenschaftliche Qualität und Übertragbarkeit der präklinischen Maus-Tumorforschung steigern. Dazu sollen kaum ein Zehntel Millimeter große Fragmente etablierter Tumoren, die aus gentechnisch veränderten Mausmodellen gewonnen wurden, transplantiert werden. Diese Tumorfragmente können molekular standardisiert, in Biobanken gelagert und einfach versandt werden, so dass sie Forscherinnen und Forschern weltweit zur Verfügung stehen. Über die Verbesserung der Qualität präklinischer Krebsforschung hinaus erwartet Prof. Augustin von diesen neuartigen Maus-Tumormodellen auch eine deutlich verbesserte Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse auf den Menschen. Stärker standardisierte und besser reproduzierbare Modelle werden auch dazu führen, dass weniger Tiere in der Krebsforschung benötigt werden. Hellmut Augustin leitet am DKFZ die Abteilung Vaskuläre Onkologie und Metastasierung und ist Leiter der Abteilung Vaskuläre Biologie und Tumorangiogenese an der Medizinischen Fakultät Mannheim. 

Portraitbild Hellmut Augustin

Personalisierte T-Zell-Therapien gelten als vielversprechende neue Behandlungsoptionen gegen verschiedene Krebsarten. Dazu werden T-Lymphozyten (T-Zellen), die im menschlichen Immunsystem eine wichtige Rolle spielen, mit speziellen Sensor-Proteinen ausgestattet. Diese Rezeptoren – kurz TCRs – können den individuellen Tumor erkennen, doch ihre Identifizierung ist ein besonders zeitaufwendiger Schritt bei der Herstellung therapeutisch wirksamer Zellen. Der Arzt und Wissenschaftler Michael Platten hat den durch Künstliche Intelligenz gesteuerten Klassifikator predicTCR entwickelt, der tumorabtötende T-Zell-Rezeptoren aus Patientenproben identifiziert und die Zeit dafür von heute etwa vier Monaten auf unter zwei Wochen verkürzen kann. Ziel seines ERC-Proof-of-Concept-Projekts „AI-guided Personalized T Cell Receptor Transgenic T cell Therapy Against Cancer“ (AI-TreatCancer) ist es, predicTCR von einem Forschungsalgorithmus in einen robusten, validierten und vollständig automatisierten Prozess für den klinischen Einsatz umzuwandeln. Mithilfe tumorreaktiver Rezeptoren will Prof. Platten zudem „gebrauchsfertige“ Zelltherapien entwickeln, die bei verschiedenen Krebsarten wirksam sind. Am DKFZ leitet Michael Platten die Klinische Kooperationseinheit Neuroimmunologie und Hirntumorimmunologie. Er ist Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Mannheim und des Mannheim Center for Translational Neuroscience an der Medizinischen Fakultät Mannheim sowie Co-Sprecher des an der Universität Heidelberg angesiedelten Exzellenzclusters SynthImmune.

Portraitbild Michael Platten

Der Europäische Forschungsrat fördert mit seinen Grants exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Pionierarbeit in ihrem Forschungsgebiet leisten. Ziel der Proof-of-Concept-Förderung ist es, das Marktpotential eines innovativen Forschungsergebnisses zu überprüfen und im Hinblick auf die Anwendungsreife und Vermarktung weiterzuentwickeln.