Centrum für Asienwissenschaften und Transkulturelle Studien (CATS) Ein „Kollaboratorium“ für die Asienwissenschaften

27. Juni 2019

CATS-Areal mit einer Festveranstaltung offiziell seiner Bestimmung übergeben

„Erst die physischen Voraussetzungen ermöglichen herausragende Forschung und Lehre. Die Infrastruktur gehört damit an den Anfang der akademischen Wertschöpfungskette“. Das betonte der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Bernhard Eitel, bei der Übergabe eines innovativen Forschungsareals, mit dem das Centrum für Asienwissenschaften und Transkulturelle Studien (CATS) der Ruperto Carola Gestalt angenommen hat: Konzipiert als „Kollaboratorium“, verbindet das Areal die am Zentrum beteiligten Einrichtungen und beherbergt in seinem Mittelpunkt einen Bibliotheks-Neubau. Das nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellte CATS wurde nun feierlich seiner Bestimmung übergeben. An der Festveranstaltung nahmen neben der Wissenschaftsministerin und der Finanzministerin des Landes Baden-Württemberg zwei besondere Gäste teil – die in Indien lebende Fotografin, Installationskünstlerin und Frauenrechtlerin Sheba Chhachhi und der chinesische Konzeptkünstler, Bildhauer und Kurator Ai Weiwei.

Die Ministerinnen Theresia Bauer (Wissenschaft) und Edith Sitzmann (Finanzen) waren sich in der Bewertung des CATS einig: Die Asienwissenschaften gewinnen zunehmend an Bedeutung, und so sind die Realisierung des CATS und die in den Forschungsbau investierten Mittel eine lohnende Investition in die Zukunft. Die Universität könne stolz auf das Zentrum sein, und das Land ebenso, betonte Ministerin Bauer. Sie sprach wie der Rektor von einer profilgebenden Einrichtung, die – so Prof. Eitel – nicht nur für die Universität bedeutsam sei, sondern „weit darüber hinaus ausstrahlt“. Dass das CATS neben Berlin nunmehr die größte Asienbibliothek Deutschlands beherbergt, erläuterte der Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg, Dr. Veit Probst. Für Prof. Dr. Barbara Mittler ist der einstige Traum vom CATS nun „begehbare Realität“ geworden. „Asien ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, und das Centrum für Asienwissenschaften und Transkulturelle Studien ist die Antwort darauf“, so die Sinologin. „Das CATS wird künftig eines der großen asienwissenschaftlichen Zentren sein – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit“, betonte der Indologe Prof. Dr. Axel Michaels, der zusammen mit Barbara Mittler Gründungsdirektor des Zentrums ist.

„Das CATS wird künftig eines der großen asienwissenschaftlichen Zentren sein – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.“

Zum Auftakt der Festveranstaltung am 25. Juni 2019 sprach die Direktorin des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Annette Ipach-Öhmann. Sie zeigte sich von dem neuen Forschungsareal beeindruckt, ebenso wie Dr. Joachim Gerner, Bürgermeister der Stadt Heidelberg. Das CATS sei Angel- und Knotenpunkt für vielfältige Begegnungen, nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene, sondern auch zwischen Stadt und Universität, betonte er in seinem Grußwort. Nach der symbolischen Schlüsselübergabe kamen die Künstler Sheba Chhachhi und Ai Weiwei zu Wort. Sie thematisierten unterschiedliche Aspekte des sozialen und politischen Engagements von Intellektuellen. Für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung sorgten die nepalesische Band Triplets und das Klangforum Heidelberg.

Das CATS führt das Heidelberger Centrum für Transkulturelle Studien (HCTS), das aus dem Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ hervorgegangen ist, und die asienwissenschaftlichen Einrichtungen der Universität Heidelberg räumlich und strukturell zusammen. Auf dem Campus Bergheim wurden dafür vier Gebäude der ehemaligen Hautklinik zur Nutzung durch die beteiligten Institute – das Südasien-Institut, das Zentrum für Ostasienwissenschaften und das Institut für Ethnologie mit seinem Schwerpunkt auf Südostasien – neu strukturiert. Diese zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten Bauten umschließen ein Carré, in dessen Mitte ein neuer Forschungsbau entstanden ist. Dieser Neubau mit einem Eingangsbereich auf Erdgeschossebene reicht über vier Geschosse in die Tiefe und beherbergt eine gemeinsame Bibliothek. Auf dem CATS-Areal mit einer Fläche von insgesamt knapp 8.000 Quadratmetern für Forschungs-, Arbeits- und Unterrichtsräume ist auf diese Weise ein „Kollaboratorium“ entstanden, das den zentralen Zugriff auf die drei Bibliotheken der Süd-, Ost- und Südostasienwissenschaften ermöglicht und zudem Medienlabore zur Entwicklung und Nutzung digitaler Ressourcen umfasst.

Der innovative wissenschaftliche Ansatz des CATS ist ein transkultureller Perspektivenwechsel, mit dem die asienwissenschaftliche Forschung und Lehre in einen Austausch mit den regional auf Europa ausgerichteten Geistes- und Sozialwissenschaften tritt.

Der innovative wissenschaftliche Ansatz des CATS ist ein transkultureller Perspektivenwechsel, mit dem die asienwissenschaftliche Forschung und Lehre nicht nur gebündelt und intensiviert wird, sondern in einen Austausch mit den regional auf Europa ausgerichteten Geistes- und Sozialwissenschaften tritt. Die wachsende Bedeutung der Transkulturellen Studien im Kontext der steigenden Bedeutung Asiens in internationalen Beziehungsgeflechten war Anlass für das Vorhaben, die Asienwissenschaften zusammenzuführen und in dem neuen Forschungsbau zu verbinden. Von den Gesamtbaukosten in Höhe von rund 30,8 Millionen Euro werden rund 19,2 Millionen Euro als Forschungsbauanteil zu 50 Prozent durch den Bund gefördert. Das Land trägt einen Anteil von rund 17 Millionen Euro. Die Universität ist an der Finanzierung mit knapp vier Millionen Euro beteiligt.