Heidelberg Center for American Studies Dissertationspreis für Heidelberger Historikerin
17. April 2026
HCA zeichnet Dr. Nicole Colaianni für ihre Arbeit zum Thema US-Unternehmen und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz aus
Für ihre an der Ruperto Carola entstandene Doktorarbeit zur Rolle amerikanischer Unternehmen bei der Prägung des Verständnisses von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wird die Heidelberger Historikerin Dr. Nicole Colaianni mit dem Rolf-Kentner-Dissertationspreis geehrt. Die mit einem Preisgeld von 1.000 Euro verbundene Auszeichnung wird jährlich vom Heidelberg Center for American Studies (HCA) der Universität Heidelberg vergeben. Die Veranstaltung zur Verleihung des Dissertationspreises mit einem englischsprachigen Vortrag der Preisträgerin findet am 23. April 2026 in den Räumlichkeiten des Heidelberg Center for American Studies statt.

Auf Grundlage umfangreicher Archivforschung zeigt Nicole Colaianni in ihrer Dissertation, dass private Arbeitgeber in den USA von den 1980er an Jahren zunehmend eigene Konzepte und Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz entwickelten. Diese waren weniger von politischen oder gesellschaftlichen Debatten geprägt als von ökonomischen Interessen. Im Mittelpunkt steht dabei ein unternehmensinternes Deutungsmuster, das sexuelle Belästigung vor allem als finanzielles und rechtliches Risiko begreift. Dr. Colaianni argumentiert, dass sich dadurch zentrale Kompetenzen von staatlichen Institutionen auf den privaten Sektor verlagert haben: Unternehmen definieren, regulieren und sanktionieren Fehlverhalten zunehmend selbst. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für den Umgang mit Betroffenen, den Schutz der Privatsphäre von Beschäftigten sowie für Fragen von Transparenz, Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit im Arbeitskontext. In ihrem Festvortrag „Bad for Business. Sexual Harassment in the American Workplace, 1975-2017“ wird die Preisträgerin die zentralen Erkenntnisse ihrer Arbeit vorstellen.
Nicole Colaianni studierte Geschichte und Anglistik an der Universität Heidelberg. Nach ihrem Staatsexamen im Jahr 2020 war sie Doktorandin im Graduiertenkolleg „Autorität und Vertrauen in der Amerikanischen Kultur, Gesellschaft, Geschichte und Politik“, das am HCA angesiedelt ist. Ihre Dissertation mit dem Titel „Obviously Bad for Business. The Role of the U.S. Private Sector in Conceptualizing Sexual Harassment in the Workplace, 1975–2017“ schloss sie 2024 ab. Die Arbeit wurde bereits mit dem Ruprecht-Karls-Preis der Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg ausgezeichnet. Derzeit forscht Dr. Colaianni am Historischen Seminar zu der Frage, wie die medizinische Versorgung in den USA seit dem späten 18. Jahrhundert finanziert und organisiert wurde. Ihr Habilitationsprojekt wird im Rahmen des Olympia-Morata-Programms der Universität gefördert.
Mit dem Rolf-Kentner-Dissertationspreis würdigt das HCA seit 2010 exzellente Arbeiten auf dem Gebiet der Amerikastudien. Die Auszeichnung ist nach Rolf Kentner (1947 bis 2020) benannt. Der Förderer der deutsch-amerikanischen Beziehungen und der Amerikastudien in Heidelberg war dem HCA – und der Universität Heidelberg als Ehrensenator – eng verbunden. Die Preisverleihung im Heidelberg Center for American Studies, Hauptstraße 120, beginnt um 18.15 Uhr.