ForschungDigitalen und demografischen Wandel am Arbeitsplatz aktiv gestalten

Pressemitteilung Nr. 122/2021
1. Dezember 2021

Heidelberger Arbeitsforscher analysieren Bedürfnisse von Beschäftigten der Bundesbehörden

Ebenso wie viele Unternehmen steht auch die Bundesverwaltung vor der Herausforderung, die digitale Transformation in der Arbeitswelt aktiv zu gestalten und gleichzeitig dem demografischen Wandel Rechnung zu tragen. Welche Herausforderungen für den Bund als Arbeitgeber aus der Digitalisierung und einer zunehmenden Flexibilisierung erwachsen, hat Prof. Dr. Karlheinz Sonntag vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg untersucht. Dazu wurden im Sommer dieses Jahres 3.380 Beschäftigte in den oberen und obersten Bundesbehörden befragt. Die Online-Befragung ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes „Maßnahmen und Empfehlungen für die gesunde Arbeit von morgen“ (MEgA) und gibt Auskunft über die Anforderungen an das Personal- und Gesundheitsmanagement, zum Beispiel bei der Gestaltung orts- und zeitflexibler Arbeit oder bei der individuellen Förderung von Veränderungs- und Lernbereitschaft.

Für eine gelingende digitale Transformation in der Bundesverwaltung nimmt die informationstechnologische Infrastruktur eine zentrale Stellung ein, ebenso wie eine professionelle Begleitung bei der Einleitung und Umsetzung von Veränderungsprozessen, wie der Arbeits- und Organisationspsychologe Karlheinz Sonntag erläutert. So wünscht sich ein Großteil der Befragten eine neue Führungskultur, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstärkt in Veränderungsprozesse mit einbezieht. Zugleich sprechen sie sich für die Einführung von orts- und zeitflexiblen Arbeitsformen wie etwa Homeoffice oder Arbeitszeitkonten aus. Außerdem befürworten die Beschäftigten ein effektives Wissensmanagement. Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Rente gehen, sollten die Möglichkeit haben, Nachfolger anzulernen und einzuführen.

Aus der Analyse der Befragung leiten die Wissenschaftler weitere Gestaltungsfelder ab, damit Beschäftigte in Zukunft gesund, kompetent und motiviert arbeiten können. Von großer Bedeutung ist nach den Worten von Prof. Sonntag eine strategisch ausgerichtete Personalentwicklung, mit der Arbeitnehmer gezielt gefördert werden und die zugleich für einen Wissenstransfer sorgt. Ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement soll zudem das psychische Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern. Auch für das Homeoffice muss es eine IT-technische und ergonomische Ausstattung geben, so ein weiteres Fazit der Befragung. „Um auch zukünftig ausreichend qualifiziertes und motiviertes Personal gewinnen und binden zu können, muss der Bund attraktivere und flexiblere Bedingungen für die Beschäftigten schaffen“, betont Prof. Sonntag.

Seit 2015 untersuchen Prof. Sonntag und sein Team im Rahmen des Projekts MEgA die Veränderungen der Arbeitswelt. Dafür wurden Arbeitnehmer, Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen unterschiedlicher Größe sowie Beschäftigte von Behörden befragt. Ziel des Projektes ist es, mithilfe von Experteninterviews und einer empirischen Grundlage aus den Online-Befragungen gesicherte Erkenntnisse zu erlangen, wie eine moderne und gesunde Arbeit der Zukunft aussehen kann und wie dafür das Personal- und Gesundheitsmanagement ausgestaltet werden muss.