Forschungsmagazin Der Mensch als geologische Kraft. Das Zeitalter des Anthropozäns

Olaf Bubenzer, Hans Gebhardt und Frank Keppler

Leben wir in einem neuen, vom Menschen bestimmten Erdzeitalter? Diese Frage wird momentan intensiv und kontrovers diskutiert. Bereits Alexander von Humboldt erkannte die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt. Es dauerte jedoch bis zum Jahr 2000, bis der Atmosphärenforscher und Nobelpreisträger Paul Crutzen den Begriff „Anthropozän“ in die wissenschaftliche Debatte trug. Mit der Industrialisierung ist der Mensch eine geologische Kraft geworden: Noch nie hat eine Spezies das Gesicht des Planeten Erde in so kurzer Zeit so grundlegend verändert. Die dramatischsten Veränderungen, die häufig unter dem Begriff „The Great Acceleration“ zusammengefasst werden, setzten in den 1950er-Jahren ein.

Während Geowissenschaftler nach eindeutigen Markern in Eisborkernen, Sedimentschichten und Böden suchen und dem „Golden Spike“ auf der Spur sind, der den Beginn des sogenannten Anthropozäns markieren soll, wird der Begriff in den Gesellschaftswissenschaften und in der Öffentlichkeit breiter und kritischer betrachtet. Das Anthropozän als Reflexionsbegriff auf die heutigen Weltverhältnisse bringt durchaus eine neue Perspektive ins Spiel. Der Begriff macht die Verwobenheit von Natur, Sozialem und Technik sichtbar und er rückt eine planetarische Perspektive in den Blick. Speziell die Geowissenschaften lädt er mit einer globalen Bedeutsamkeit auf, die disziplinpolitisch sicher willkommen ist. Aus gesellschaftswissenschaftlicher Sicht gibt es eher Befürchtungen, dass die Erklärung des Anthropozäns als quasi geologische Epoche zu einer Entpolitisierung der damit verbundenen globalen Umweltveränderungen führen könnte.

Doch die Debatte um das Anthropozän ist keine rein akademische. Es geht auch um die grundlegende Frage, ob und wie wir langfristig auf der Erde leben können. An der Universität Heidelberg spielen Mensch-Umwelt-Wechselwirkungen in Forschungsprojekten und auch in der Lehre eine zunehmende Rolle.

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RuCa 15 Kapitel I-3

Die aktuelle Ausgabe: KULTUR & NATUR

Was ist letztlich stärker – Natur oder Kultur? Lassen sich lebensähnliche Materialsysteme auf der Basis ingenieurwissenschaftlicher Prinzipien kreieren? Leben wir in einem neuen, vom Menschen bestimmten Erdzeitalter – dem Anthropozän? Und auf welche Weise löst die Archäometrie mit naturwissenschaftlichen Mitteln Rätsel der archäologischen Forschung? Mit diesen und anderen Fragen zum Schwerpunktthema KULTUR & NATUR beschäftigen sich 23 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Heidelberg in insgesamt 16 Beiträgen der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Ruperto Carola“.

Aktuelle Ausgabe

Forschungsmagazin Ruperto Carola 15 • 2019 Cover

Das For­schungs­ma­ga­zin

Das For­schungs­ma­ga­zin Ru­per­to Ca­ro­la be­richtet über wissen­schaft­liche Er­kennt­nisse und laufende For­schungs­vor­ha­ben der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg. Jede seiner Aus­gaben ist einem ge­sell­schaft­lich re­le­van­ten Schwer­punkt­the­ma gewidmet.

Das Magazin ist in der Abteilung Kommunikation und Marketing der Universität Heidelberg (Alte Universität, Grabengasse 1) erhältlich.

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