Internationale StudieCorona-Krise: Anforderungen im Polizeialltag

11. Mai 2020

Internationale Studie mit bislang mehr als 2.000 Teilnehmern in fünf Ländern

Die Ausnahmesituation der Corona-Pandemie stellt besondere Anforderungen an die Arbeit und das Krisenmanagement der Polizei. Wie Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte im Außendienst mit Anforderungen und Stressbelastungen umgehen und auf welche Bewältigungsstrategien sie dabei zurückgreifen, ist Gegenstand einer Untersuchung, die Privatdozentin Dr. Marie Ottilie Frenkel, Stressforscherin an der Universität Heidelberg, initiiert hat. Dazu werden seit März Online-Befragungen in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Niederlande, Österreichs, Spaniens und der Schweiz durchgeführt. Bislang haben sich daran mehr als 2.000 Beamtinnen und Beamte beteiligt, darunter sind über 520 Rückmeldungen aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Mannheim. Die insgesamt jeweils drei Befragungen werden noch bis zum Juni fortgesetzt. Erste Ergebnisse könnten nach Angaben von Dr. Frenkel bereits Ende Juni vorliegen.

Die Online-Befragungen erheben unter anderem die Stressfaktoren im beruflichen und im privaten Umfeld sowie unterstützende Maßnahmen in der Polizeiarbeit und werden durch ausführliche individuelle Erfahrungsberichte ergänzt. „Davon erwarten wir uns eine aufschlussreiche Analyse“, betont Dr. Frenkel. „Neben der Frage, wie sich das Krisenmanagement der Polizei weiter verbessern lässt, wollen wir auch Erkenntnisse zu möglichen Trainingsszenarien in der polizeilichen Ausbildung gewinnen“, so die Heidelberger Wissenschaftlerin.

Die Studie mit dem Titel „SHOT-COVID19“ ist eingebunden in das internationale Projekt SHOTPROS, das im Rahmen von „Horizon 2020“, dem Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union, gefördert wird. Im Rahmen von SHOTPROS arbeiten verschiedene Partner mit dem Ziel zusammen, ein innovatives Trainingsverfahren zu entwickeln, mit dem sich Entscheidungs- und Handlungsprozesse von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in stressigen und hochriskanten Einsatzsituationen verbessern lassen. Dazu gehört auch eine Virtual-Reality-Lösung, um den Umgang mit kritischen Einsatzszenarien effizienter trainieren zu können. „Mit unseren Befragungen in dieser akuten, realen Stresssituation hoffen wir, wichtige Erkenntnisse auch für das Gesamtprojekt gewinnen zu können“, betont Dr. Frenkel.