Wissenschaftskommunikation Computerlinguistin und Geoinformatiker mit „KlarText-Preis“ ausgezeichnet

14. November 2025

Hervorragende Wissenschaftskommunikation: Letitia Parcalabescu und Steffen Knoblauch präsentieren Ergebnisse ihrer Doktorarbeiten in allgemeinverständlicher Form

Die Computerlinguistin Dr. Letitia Parcalabescu und der Geoinformatiker Dr. Steffen Knoblauch sind mit dem „KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation“ ausgezeichnet worden. Die Klaus Tschira Stiftung vergibt diese mit jeweils 7.500 Euro dotierte Auszeichnung an Forscherinnen und Forscher, die Ergebnisse ihrer Doktorarbeiten in einem allgemeinverständlichen Artikel einem breiten Publikum zugänglich machen. Dr. Parcalabescu und Dr. Knoblauch wurden an der Universität Heidelberg promoviert – mit Arbeiten zu Künstlicher Intelligenz und zur Bekämpfung des Dengue-Fiebers. Sie sind zwei von insgesamt acht Preisträgerinnen und Preisträgern, die in sieben verschiedenen Disziplinen sowie dem Format Infografik ausgezeichnet werden.

Die Computerlinguistin Dr. Letitia Parcalabescu und der Geoinformatiker Dr. Steffen Knoblauch

Dr. Parcalabescu widmet sich in ihrem Beitrag „Zwei, drei oder fünf Katzen?“ der Frage, wie moderne KI-Modelle Bild und Text verknüpfen – und warum sie dabei oft an ihre Grenzen stoßen. Sie zeigt, dass Bild- und Sprachmodelle zwar Objekte wie „Katze“ oder „Ball“ zuverlässig erkennen, bei der Erfassung von Relationen – etwa, ob die Katze mit dem Ball spielt – jedoch Schwierigkeiten haben. Das liegt nach den Erkenntnissen der Computerlinguistin daran, dass sich KI bei der Formulierung von Antworten fast ausschließlich auf Text stützt und Bilder weitgehend ignoriert. Die Modelle „sprechen“ zwar scheinbar über Bilder, die oft plausibel klingenden Erklärungen sind jedoch häufig frei erfunden, so die Wissenschaftlerin. Ihre Erkenntnisse können nun dazu beitragen, in diesem Bereich Modelle Künstlicher Intelligenz zu verbessern. Letitia Parcalabescu studierte Physik und Angewandte Informatik an der Universität Heidelberg und wurde 2024 im Fach Computerlinguistik promoviert. Sie arbeitet aktuell als Forscherin für ein KI-Unternehmen. Im Oktober 2025 erhielt sie den Ruprecht-Karls-Preis, den die Stiftung Universität Heidelberg für herausragende Doktorarbeiten vergibt.

In seinem mit dem KlarText-Preis prämierten Artikel „Samba und Mückenjagd mit KI“ beschreibt Dr. Knoblauch, wie Satellitenbilder und Künstliche Intelligenz zur Bekämpfung der Infektionskrankheit Dengue genutzt werden können. Dazu analysierte er Umweltfaktoren, die die Ausbreitung der ägyptischen Tigermücke begünstigen, und entwickelte die erste skalierbare Mückenverbreitungskarte auf Habitat-Ebene. Dieser Ansatz wird inzwischen in Rio de Janeiro eingesetzt – einer Stadt, deren Gesundheitssystem durch Dengue-Ausbrüche regelmäßig an seine Grenzen stößt. Die Daten des Geoinformatikers sollen eine zielgerichtete und damit ökologisch und ökonomisch sinnvolle Mückenbekämpfung ermöglichen. Steffen Knoblauch studierte Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie sowie an der Universität Lissabon (Portugal) und der Universität des Baskenlandes (Spanien). Im Jahr 2024 wurde er am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg auf dem Gebiet der Geoinformatik promoviert. Aktuell ist er als Postdoktorand am IWR tätig und forscht außerdem am Heidelberg Institute for Geoinformation Technology (HeiGIT).

Der „KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation“ wird an junge Forscherinnen und Forscher in den Disziplinen Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Informatik, Mathematik, Neurowissenschaften und Physik vergeben. Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb ist eine herausragende Promotion sowie die Bereitschaft, die eigenen Forschungsergebnisse in einem allgemeinverständlichen Artikel oder einer anschaulichen Infografik darzustellen. In diesem Jahr haben fast 200 Promovierte ihre in deutscher Sprache verfassten Artikel eingereicht. In der Sparte Infografik gab es 45 Bewerbungen. Die acht Gewinnerbeiträge wurden in einem mehrstufigen Verfahren von Wissenschaftlern und Journalisten ausgewählt. Die Preisverleihung fand am 13. November 2025 in Heidelberg statt.