ForschungBangladesch-Gastprofessur an der Universität Heidelberg besetzt

Pressemitteilung Nr. 83/2021
18. August 2021

Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Harun-or-Rashid von der University of Dhaka ist sechs Monate zu Gast am Südasien-Institut

Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Harun-or-Rashid, University of Dhaka, wird als Inhaber des Bangladesh Chair von September an für sechs Monate an der Universität Heidelberg forschen und Lehrveranstaltungen durchführen. Die Gastprofessur, die sich der historischen und politischen Entwicklung, der Geographie und der Kultur des südasiatischen Landes Bangladesch widmet, ist am Südasien-Institut (SAI) der Ruperto Carola angesiedelt. Sie wird aus Mitteln der Regierung von Bangladesch finanziert und ermöglicht Wissenschaftlern des Landes einen sechsmonatigen Aufenthalt am SAI. Prof. Rashid wird im Rahmen seines Aufenthaltes in Heidelberg insbesondere zur Bildung des Staats Bangladesch und seiner politischen Entwicklung in den vergangenen 50 Jahren forschen.

Portrait Prof. Dr. Harun-or-Rashid

Die Einrichtung des „Bangladesh Chair: Bangabandhu Sheikh Mujibur Rahman Professorial Fellowship“ beruht auf einem „Memorandum of Understanding“, das der damalige Botschafter Bangladeschs in Deutschland, Imtiaz Ahmed, und der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Bernhard Eitel, im Dezember 2019 in Heidelberg unterzeichnet hatten. Eine erste Bangladesch-Professur für Wissenschaftler des Landes war bereits 1999 am Südasien-Institut eingerichtet worden. Mit der Gastprofessur ist das Ziel verbunden, den wissenschaftlichen Austausch zwischen dem SAI und akademischen Einrichtungen in Bangladesch zu fördern und den Blick auf das Land und seine Entwicklung verstärkt in der Südasienforschung zu verankern. Die Professur wendet sich an Forscherinnen und Forscher aus Bangladesch, die den am SAI vertretenen Disziplinen – dazu gehören Geographie, Geschichte, neusprachliche Südasienstudien, Kultur- und Religionsgeschichte Südasiens, politische Wissenschaft, Entwicklungsökonomie und Ethnologie – nahestehen. Sie werden sich mit ihrem jeweiligen Fachgebiet in Forschung und Lehre am Südasien-Institut einbringen. Die Auswahl der Gastprofessoren erfolgt in Abstimmung zwischen dem Südasien-Institut und einer entsprechenden Kommission in Dhaka, der Landeshauptstadt Bangladeschs. Die Nominierung von Prof. Harun-or-Rashid hatte der Außenminister im März dieses Jahres bekanntgegeben.

Harun-or-Rashid studierte politische Wissenschaft an der University of Dhaka und der University of London, an der er 1983 promoviert wurde. Forschungsaufenthalte führten ihn anschließend erneut nach London sowie unter anderem auch nach Schweden und Japan. Seit 1995 ist er Professor für politische Wissenschaft an der University of Dhaka, von 2013 bis 2021 leitete er als Rektor für zwei Amtszeiten die National University Bangladesh. Der Autor von 16 wissenschaftlichen Monographien wird während seines Aufenthalts in Heidelberg vor allem zur Staatsbildung Bangladeschs unter Berücksichtigung der politischen Entwicklungen in 50 Jahren Unabhängigkeit forschen. Prof. Harun-or-Rashid untersucht dazu unter anderem die Rolle des politischen Islam, der Judikative in Bangladesch und der Marginalisierung von indigenen Völkern im Land.

Das Südasien-Institut bündelt die Forschung und Lehre über Südasien und angrenzende Kulturregionen an der Universität Heidelberg. Es verknüpft Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie Geographie mit historisch und philologisch ausgerichteten Kulturwissenschaften und bietet damit eine breite Grundlage für gegenwartsorientierte Südasienstudien. Das SAI verfügt über Außenstellen und Vertretungen in Indien, Nepal, Pakistan und Sri Lanka und unterhält bilaterale Austauschprogramme mit den Ländern Südasiens. Die neue Gastprofessur ergänzt den Heinrich Zimmer Chair für indische Philosophie und Geistesgeschichte, das Allama Iqbal Professorial Fellowship mit dem Schwerpunkt Pakistan und den Sri Lanka Chair.
 

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