Sammlung PrinzhornAusstellung: Wahnsinnig komisch

8. Oktober 2021

Sammlung Prinzhorn zeigt, worüber sich Patienten psychiatrischer Kliniken zwischen 1880 und 1990 lustig gemacht haben

Humor in einer Anstalt? Psychiaterinnen und Psychiater haben immer wieder infrage gestellt, dass Menschen mit der Diagnose Schizophrenie in der Lage sind, Humor zu zeigen und zu verstehen. Eine Reihe von Werken humoristischen Inhalts präsentiert nun eine aktuelle Sonderausstellung in dem zum Universitätsklinikum Heidelberg gehörenden Museum Sammlung Prinzhorn. Im Mittelpunkt stehen rund 150 Zeichnungen, Gouachen, Aquarelle und Skulpturen aus dem Zeitraum zwischen 1880 und 1990. Sie zeigen, worüber sich Patientinnen und Patienten psychiatrischer Kliniken in Frankreich und Deutschland lustig gemacht haben und wie sie kreativ ihre Umgebung mit spitzer Feder überzeichneten oder satirisch verhöhnten. Die Ausstellung „Wahnsinnig komisch – Follement drôle“ ist eine Kooperation mit dem Musée d'Art et d'Histoire de l‘Hôpital Saint Anne (MAHHSA) in Paris und noch bis zum 23. Januar 2022 in der Sammlung Prinzhorn zu sehen.

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    Paul Goesch, "Drei Schweine", 1919, Gouachefarben über Bleistift auf Papier
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    Guy Leroux, ohne Titel, 5.11.1962, MAHHSA Inv. Nr. 1720
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    ALOIS MARTY, ohne Titel [Psychiater als rauchender Affe hinter Gittern] /  untitled [Psychiatrist as smoking monkey behind bars], 7.9.1969 Inv. Nr. 8404/15 (2011)

Den Auftakt der Präsentation bilden vier Blätter aus der Sammlung Prinzhorn, für die französische Karikaturen als Vorlage dienten und die den Kontext des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 als Kritik an einer deutschen Anstalt umdeuten. Erotisch-anzügliche Zeichnungen, die in der Ausstellung zu sehen sind, dienten nicht zuletzt dazu, Wärter, Ärzte oder Priester zu verspotten. Tiere wie zum Beispiel tanzende Frösche oder trinkende Nilpferde werden in parodistischer Absicht in Bildgeschichten, Comicstrips oder Einzelblättern als Spiegel menschlichen und gesellschaftlichen Verhaltens dargestellt. So verweist das von einem französischen Patienten geschaffene Porträt eines Psychiaters auf eine verkehrte Welt: Der Arzt wird zum rauchenden Affen hinter Gittern.

Die gezeigten Werke – darunter Arbeiten von Oskar Panizza, Erich Spiessbach und Caroline Macdonald – stammen aus der Sammlung Prinzhorn und dem MAHHSA, die beide zu den ältesten und größten Sammlungen von Anstaltskunst gehören. Der historische Bestand der Sammlung Prinzhorn, die seit September 2001 in einem eigenen Museum öffentlich zugänglich ist, umfasst insgesamt rund 6.000 Zeichnungen, Aquarelle, Gemälde, Skulpturen, Textilien und Texte, die Insassen psychiatrischer Anstalten zwischen 1840 und 1945 geschaffen haben. Dieser Fundus wurde zum größten Teil von Hans Prinzhorn (1886 bis 1933) während seiner Zeit als Assistenzarzt an der Psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg zusammengetragen.

Die Ausstellung „Wahnsinnig komisch – Follement drôle. Humor in der Psychiatrie“, die zuvor im Musée d'Art et d'Histoire de l'Hôpital Saint-Anne gezeigt wurde, kann noch bis zum 23. Januar 2022 im Gebäude des Museums, Voßstraße 2, besichtigt werden. Sie ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Für den Besuch wird ein 3G-Nachweis (geimpft, genesen oder getestet) benötigt.

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