Unabhängige Kommission AntiziganismusAntiziganismus: Kommission fordert grundlegenden Perspektivwechsel in der Gesellschaft

14. Juni 2021

An dem Bericht der vom Bundestag eingesetzten Unabhängigen Kommission Antiziganismus haben zwei Wissenschaftler der Universität Heidelberg mitgearbeitet

Unter Mitarbeit von zwei Wissenschaftlern der Universität Heidelberg hat die Unabhängige Kommission Antiziganismus Empfehlungen für Maßnahmen gegen antiziganistischen Rassismus in Deutschland erarbeitet. Die vom Bundestag eingesetzte Kommission, der Dr. Karola Fings und Dr. Frank Reuter von der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg angehören, stellte Anfang Juni einen entsprechenden Bericht vor. Er beruht auf 15 aktuellen Studien, die die Kommission initiiert hat und die insbesondere die Perspektiven der Betroffenen aufgreifen. Das Gremium benennt antiziganistischen Rassismus als allumfassende Alltagserfahrung für Sinti und Roma und fordert einen grundlegenden Perspektivwechsel in der Gesellschaft, der die strukturellen Ursachen des Problems in den Blick nimmt.

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    Porträt Karola Fings
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    Porträt Frank Reuter

Die Unabhängige Kommission Antiziganismus konstituierte sich im März 2019 auf der Grundlage einer entsprechenden Vereinbarung im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung. Dem Gremium gehören elf Vertreter aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft an, die sich mit Antiziganismus befassen. Die am Historischen Seminar der Universität Heidelberg angesiedelte Forschungsstelle beschäftigt sich seit 2017 mit dem Thema der Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma in historischer und interdisziplinärer Perspektive. Sie ist die bundesweit erste universitäre Institution mit dieser inhaltlichen Ausrichtung. Frank Reuter ist Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle, Karola Fings leitet ein Projekt zur Enzyklopädie des NS-Völkermords an den Sinti und Roma in Europa. Den jetzt vorgelegten Kommissionsbericht bezeichnet Dr. Fings „als einen Meilenstein in der Aufarbeitung von Antiziganismus“, der zu einem „Perspektivwechsel auch in der Wissenschaft beitragen“ wird. Dr. Reuter ergänzt: „Der empirisch gesättigte Bericht weist auf zahlreiche Forschungsdefizite hin und dient hoffentlich dazu, neue Projekte auf diesem Feld anzustoßen.“

Der Kommissionsbericht „Perspektivwechsel – Nachholende Gerechtigkeit – Partizipation“ konstatiert ein Versagen deutscher Politik, Gesetzgebung und Rechtsanwendung beim Schutz von Sinti und Roma vor Anfeindungen und Benachteiligungen. Untersucht wurde Antiziganismus in institutioneller Ausprägung beispielsweise in der kommunalen Verwaltung, in Schulbüchern und bei der Polizei. Die Kommission empfiehlt unter anderem, Beauftragte gegen Antiziganismus auf Länder- und Bundesebene einzusetzen sowie eine ständige Bund-Länder-Kommission zu schaffen.