Europäischer GerichtshofAnja Seibert-Fohr neue deutsche Richterin am EGMR

1. Juli 2019

Heidelberger Wissenschaftlerin in den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewählt

Prof. Dr. Anja Seibert-Fohr, Rechtswissenschaftlerin der Universität Heidelberg, wird neue deutsche Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Die Parlamentarische Versammlung des Europarats sprach sich unter den drei von der Bundesregierung vorgeschlagenen Kandidaten für Prof. Seibert-Fohr aus. Die Professorin für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Menschenrechte – Inhaberin der Hengstberger-Professur für Grund- und Zukunftsfragen des Rechtsstaats – war bis 2017 Mitglied des Menschenrechtsausschusses der Vereinten Nationen, zuletzt als dessen Vizepräsidentin. „Ein Rechtsgelehrter von anerkanntem Ruf ist für das Richteramt gefordert – eine solche Persönlichkeit wurde mit Anja Seibert-Fohr gefunden. Als hervorragende Wissenschaftlerin und international ausgewiesene Expertin wird sie dieses Amt mit großer Kompetenz ausfüllen und gleichzeitig der Universität Heidelberg verbunden bleiben“, betont der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel. 

Porträt Prof. Dr. Anja Seibert-Fohr

Dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mit Sitz in Straßburg gehören 47 Richter an; dies entspricht der Zahl der Staaten, die die Europäische Menschenrechtskonvention ratifiziert haben. Aufgabe des EGMR ist es, die Einhaltung der Verpflichtungen aus der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten sicherzustellen. Deutsche Richterin am Gerichtshof ist bis zum Ende des Jahres die Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Angelika Nußberger von der Universität zu Köln. Die neunjährige Amtszeit von Prof. Seibert-Fohr beginnt am 1. Januar 2020. Die hohe Bedeutung der Wahl unterstrich auch der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Ekkehart Reimer: „Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wacht über die Einhaltung der Menschenrechte weit über die Europäische Union hinaus. Dass in der Nachfolge der derzeitigen Amtsinhaberin Angelika Nußberger erneut eine Hochschullehrerin, keine Berufsrichterin nach Straßburg gewählt wurde, ist auch ein Beweis besonderen Vertrauens in die deutsche Rechtswissenschaft.“

Anja Seibert-Fohr erwarb nach ihrem rechtswissenschaftlichen Studium und dem Zweiten Juristischen Staatsexamen einen Masterabschluss für internationales und vergleichendes Recht an der George Washington University in den USA, an der sie 2004 auch promoviert wurde. Sie forschte am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg und leitete eine Minerva-Forschungsgruppe zu Fragen richterlicher Unabhängigkeit. Dabei arbeitete sie eng mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zusammen, um die Rechtsstaatsentwicklung in den östlichen Teilnehmerstaaten zu unterstützen. Nach ihrer Habilitation in Heidelberg hatte Anja Seibert-Fohr eine Professur für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Menschenrechte an der Universität Göttingen inne und war geschäftsführende Direktorin des dortigen Instituts für Völkerrecht und Europarecht. Im Jahr 2016 folgte die Wissenschaftlerin einem Ruf an die Universität Heidelberg; an der Juristischen Fakultät lehrt und forscht sie am Institut für Staatsrecht, Verfassungslehre und Rechtsphilosophie.

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